Oebisfelde l Ob der Saal am ehemaligen Schützenhaus in der Langen Straße/Ecke Promenade, Löhmanns Saal, ebenfalls in der Langen Straße gelegen, oder der Jägerhof – Oebisfelde war in punkto Veranstaltungsstätten einst gut aufgestellt. Auch in Kaltendorf gab es einen zentralen Ort für größere Feiern, Theateraufführungen und Konzerte: Brüderns Saalbau. Angeschlossen daran war das Hotel Stadt Magdeburg, von den Oebisfeldern gern „Schlappen“ genannt.

Vom einstigen Glanz ist jedoch nichts mehr übrig geblieben. Zwar lief im Saalbau der Kulturbetrieb auch noch zu DDR-Zeiten bis zirka Ende der 1960er Jahre. Doch dann wurde der Bau dem Verfall preisgegeben.

Daran änderte auch der Einzug der Schuhfabrik Roter Stern Burg nichts. Das volks­eigene Unternehmen hatte dort eine Filiale eingerichtet und ließ Schuhschäfte produzieren. Doch grundlegende Investitionen in das Gebäude wurden nicht getätigt.

Nach dem Neubau einer Produktionshalle am jetzigen Breiten Weg verließ die Belegschaft Anfang der 1970er Jahre schließlich den Saalbau. Der Verfall konnte sich nun ungehemmt ausbreiten. Zudem wurde auch, insbesondere nach der Wende, in dem Gebäude randaliert.

Ersatzvornahme des Ohrekreises

Der Saalbau musste dann Ende der 1990er Jahre wegen Gefahr im Verzug durch Baufälligkeit mit einer sogenannten Ersatzvornahme des damaligen Ohrekreises abgerissen werden. Stehen blieb damals nur die äußere Hülle des Gebäudes ohne Dach.

Das gleiche Schicksal, zumindest mit Blick auf Randalierer und Verfall, hatte das benachbarte Hotel („Schlappen“). Nach der Wende hatte dort unter anderem zwar ein Textilgeschäft sein Domizil, das war aber nicht von Dauer.

Vor einigen Jahren war dann schon einmal der Abriss der beiden Gebäude im Gespräch gewesen. Gebaut werden sollte ein Einkaufsmarkt. Doch diese Pläne wurden nicht weiter verfolgt.

Der „Schlappen“ und der Saalbau hatten sich zu einem Schandfleck im ehemaligen Kaltendorf und damit im Zentrum der Stadt entwickelt, beide Ruinen werden nun wohl neuen Gebäuden weichen.

Woher kommt eigentlich der Name „Schlappen“ für das Hotel Stadt Magdeburg? Das wissen nur noch die alteingesessenen Oebisfelder, vor allem diejenigen, die im „Schlappen“ verkehrt haben, also dort beispielsweise ihr Bier getrunken haben. Sie wissen: Der letzte Eigentümer des Hauses betrieb bis zirka Ende der 1970er Jahre dort eine Gaststätte. In den vielen Jahren als Gastwirt bediente er seine Gäste fast ausschließlich mit Schlappen an den Füßen. Daher bürgerte sich für das Hotel Stadt Magdeburg schnell der Spitzname „Schlappen“ ein.

„Wer den ,Schlappen‘ besuchte, musste schon hartgesotten sein. Denn die hygienischen Zustände waren nicht gerade die besten. Aber trotz seiner etwas brummigen Art war der Wirt ,Schlappen‘ schon in Ordnung“, erinnert sich der Oebisfelder Gerd Inglik, der viele Jahre in der Nachbarschaft wohnte.