Oebisfelde l Dieser Erfolg war der instrumentalen Extraklasse des Ensembles geschuldet, die im Zusammenspiel mit der Ausnahme-Geigerin Anush Nikogosyan gipfelte. Als Leichtgewicht an Weiblichkeit trat die Solistin Anush Nikogosyan mit ihrem Instrument vor das Publikum in der Nicolaikirche, empfing einen ersten Vorschuss an Applaus. Nur wenige Takte später entpuppte sich die aus Armenien stammende Geigerin als ein musikalisches Schwergewicht.

Als Solistin spielte sie tragend ihre Sequenzen der „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi, einem italienischen Komponisten, der diese Zeitreise als einen seiner Höhepunkte an Kompositionsgeist im Verlauf seines kurzen Lebens von 1678 bis 1741 schuf.

Nicolaikirche besitzt großes Klangvermögen

Das gefühlvolle, ausdrucksstarke Bespielen der Nikogosyan auf der im Jahre 1753 von dem berühmten Geigenbauer Giovanni Baptista Guadagnini in Milano gebauten Violine beruhte auf gleich mehreren Garanten: Das vorzügliche Klangbild ihrer Violine, die eigene musikalische Hochklasse, der harmonischen und klanglich feinen Abstimmung des Festspielorchesters in kleiner Besetzung und dem Inneren der Nikolaikirche. Wie der Intendant der Altmark-Festspiele, Reinhard Seehafer, zugleich Ensemble-Mitglied am Cembalo, nach dem vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeierten Konzert berichtete, war das große Klangvermögen der Nicolaikirche ein Grund mit, weshalb die Zusage bereits vor einem Jahr zustande gekommen war. Ein anderer Grund, so Seehafer, bestand in der kulturellen Zusammengehörigkeit von Oebisfelde zur Altmark. Seehafer betrachtete das Konzert mit Barbara Hentschel (Violine I) und Christian Minea (Violine II) von der Philharmonie Magdeburg sowie mit Eike Stanek (Viola), Musikerin aus Bielefeld, Clara Berger (Violoncello), vom Gustav-Mahler-Jugendorchester Hannover, und An­dreas Nettels (Kontrabass) vom Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode und der international auftretenden Solistin Nikogosyan zudem als musikalische Botschaft des Miteinanders – was noch vor 30 Jahren nicht nur in Oebisfelde undenkbar gewesen wäre.

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Oebisfelde soll Spielort für Festspiele bleib

Etwas nüchterner, dennoch äußerst zufrieden, bewertete Nikogosyan die Nikolaikirche als Konzertort. Sie sprach von einem Spielort, der sich bestens für Konzerte in kleiner Besetzung eignet. Überaus erfreulich habe sie erlebt, dass die Klangfülle beim Konzert nicht durch eine für große Räume durchaus üblichen Verschallung gestört wurde.

Als Hausherr für den Förderverein und Bewahrer der Nicolaikirche freute sich Wilhelm Schrader nicht allein über die Premiere mit dem vorzüglichen Konzert, die dieses nach seinen Worten Bravissimo des Publikums allemal wert war. Auch die Zusage, dass Intendant Seehafer die Nicolaikirche als Konzertort weiterhin favorisiert, empfand Schrader als weitere Wertschätzung für die Arbeit des Fördervereins.

Zum Konzert: Das knapp zweistündige Konzert wurde von dem Festspiel-Ensemble mit Mozarts Serenade in G-Dur „Eine kleine Nachtmusik“ eröffnet. Die vier Sätze des Klassik-Klassikers wurden durch die Spielfreude des Quartetts ausdrucksstark mit hoher Musikalität dargeboten. Gemeinsam mit der Solistin bot das Festspiel-Ensemble dann einen musikalisch-emotionalen Wandel durch die Jahreszeiten. Stets stimmig, immer zum Grundthema zurückkehrend, alles in feinster Balance.