Oebisfelde l Die Gefahren- und Bedarfsanalyse der Feuerwehr für den Bereich der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen lässt in vielen Bereichen erkennen, dass ein hoher Bedarf an Modernisierung erforderlich ist. Nicht zuletzt sind es die Feuerwehrgerätehäuser selbst, die bis auf eine Ausnahme alle nicht der Norm, also grundsätzlich nicht oder nur mit Duldung nutzbar sind, so ein Ergebnis der Risikoanalyse. Aber auch bei der Einsatzbereitschaft der Einsatzkräfte, insbesondere zur Wochenarbeitszeit und tagsüber fehlt es zusehends an Freiwilligen. Weshalb Hartwig auf der Kathendorfer Versammlung anmerkte, dass er mit Blick auf die 2018er Statistik erkannt habe, „dass es in der Einheitsgemeinde einige Ortswehren gibt, in denen es nur ein oder zwei oder gar keine Atemschutzgeräteträger (AGT) gibt“. Hartwig: „Machen wir uns nichts vor, einen Wohnungsbrand kann man nur sinnvoll bekämpfen, wenn man da auch entsprechend reingehen kann.“

Feuerwehrmann Stiev Reppin ist in der Stadtfeuerwehr für die AGT-Ausbildung verantwortlich. In Kathendorf berichtete er: „2015 standen 142 Atemschutzgeräteträger, die irgendwann mal die Ausbildung absolviert hatten, auf der Liste. Aber davon hatten nur 44 die Bedingungen erfüllt, dass sie wirklich aktiv sein konnten. 2018 sieht das schon ganz anders aus, so Reppin: „Wir haben 137 ausgebildete Atemschutzgeräteträger auf dem Papier und davon sind tatsächlich 113 einsatzbereit.“

Laut Einsatzstatistik haben die Feuerwehrleute in der Einheitsgemeinde im vergangenen Jahr 104 Einsätze gefahren. Dabei stach der Monat Juli mit den vielen Flächenbränden her-aus.

Der Stadtwehrleiter informierte dann auch über den Sachstand für das geplante „Gerätehaus Mitte“. „Es gab eine Begehung von mehreren Standorten, die vom Bauamt ausgesucht worden. Es gibt zwei Standorte, die wir favorisieren. Das ist zum einen am Ortseingang Kathendorf aus Richtung Rätzlingen kommend. Dazu gab es eine Anfrage an den Besitzer. Er hat es als positiv signalisiert“, erläuterte Hartwig. Der andere Standort wäre an der Bahnhofstraße in Kathendorf. Der Besitzer – also die Agrargesellschaft – hat sich noch nicht dazu geäußert“, berichtete der Stadtwehrleiter.

Nach seinen Ausführungen sind in diesem Jahr 70.000 Euro im städtischen Haushalt, um die Planung voranzutreiben. „Ob und wie die Bausumme von etwa 1,5 Millionen Euro mit Fördermitteln unterlegt ist oder ob wir auch ohne Fördermittel bauen, kann ich nicht sagen“, gestand Hartwig. Wichtig sei erst einmal, einen gemeinsamen Standort zu finden. „Wir müssen unsere Kräfte bündeln“, sagte der Stadtwehrleiter.

Gerätehäuser für Großfahrzeuge

Als Beispiel nannte er eine Alarmierung auf dem Mariannenhof am 25. Januar in Etingen. „Es waren vier Feuerwehrleute aus Etingen vor Ort, davon ein AGT, Kathendorf mit vier Leuten, davon drei AGT, Eickendorf waren mit zwei Kameraden am Gerätehaus, mussten dann aber nicht mehr ausrücken. Rätzlingen war mit drei Kameraden am Gerätehaus, davon war ein AGT“, so Hartwig. Insgesamt waren es 13 Leute. „Wenn die 13 Mann zu einem gemeinsamen gut ausgerüsteten Standort fahren, wo ein Löschzug steht, dann hat man vom taktischen Einsatzwert her weitaus mehr, als wenn man dort nur mit ein paar Hanseln und vielen roten Autos steht“, betonte Hartwig. Daher soll das große Gerätehaus, das in der Mitte steht, gebaut werden. Außerdem, so der Stadtwehrleiter, muss ein Rüstwagen gekauft werden. Der kann nach seiner Ansicht nicht in Oebisfelde stehen. Dort ist schon die Drehleiter schlecht stationiert, weil die so am nördlichsten Punkt der Kommune steht. Wir haben eine große Einheitsgemeinde. Deshalb wollen wir ein Gerätehaus bauen, wo wir Großfahrzeuge, wie Gerüstwagen, Lösch- und Tankfahrzeuge unterstellen können“, erklärte Hartwig.

Stadträtin und Vorsitzende des Ordnungs- und Wirtschaftsausschusses, Bogumila Jacksch von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), steht der „Drei-Standorte-Regelung“ kritisch gegenüber. Sie befürchtet, dass diese Lösung viele Feuerwehrkameradinnen und -kameraden „kosten“ wird. Die geplanten Stützpunkte Oebisfelde, Weferlingen und Kathendorf aufzubauen, darf nur passieren, wenn die gewachsenen Strukturen der freiwilligen Feuerwehren in den Orten erhalten bleiben. Nach Auffassung von Jacksch besteht aktuell die Priorität, den Einsatzkräften normgerechte Feuerwehrgerätehäuser zu bieten. Und zwar überall dort, wo das Feuerwehrwesen in Tradition und Ausbildung gelebt wird.

Bürgermeister Hans-Werner Kraul (CDU) sieht die Feuerwehren selbst in der Verantwortung. Nach deren Empfehlung muss die Politik reagieren, mit den ihr zur Verfügung stehen Mitteln. Der Hartwig-Äußerung, dass Investitionen auch ohne Fördermittel möglich sein könnten, erteilte Kraul eine Absage. „Wenn es zukünftig zu Verschmelzungen von Ortsfeuerwehren oder gar Auflösungen komme, dann ist es der Wille der Feuerwehrgemeinschaft. Die Politik wird und darf keinen Druck ausüben“, bekräftigte Kraul.

Auch die Stationierung von Einsatzfahrzeugen sieht Kraul in vorderster Verantwortung der Feuerwehr-Führungskräfte. „Sie bestimmen am Einsatzort doch die Vorgehensweise und besitzen die Kompetenz über die Einsatzmittel“, ist die Auffassung von Kraul.

In Sachen Neubau eines Gerätehauses in Oebisfelde weist er darauf hin, dass die Stadt unmittelbar hinter dem Gerätehaus über eine große Freifläche verfügt. Diese Chance gelte es mit ins Kalkül zu ziehen, bevor die Jugendbegegnungsstätte ausziehen müsse. Auch wenn der Verkauf des Gebäudes im Konsolidierungkonzept steht, gibt Kraul zu bedenken.