Oebisfelde l Der Kriminalist Mathias Matschoß referierte Freitag über das Thema Internetkriminalität mit einer bemerkenswerten Professionalität, die er aus der, wie er sagte, neu geschaffenen Abteilung Cybercrime beim Landeskriminalamt (LKA) Sachsen-Anhalt mit nach Oebisfelde zum Unternehmerfrühstück mitgebracht hatte. Das Ressort Cybercrime hat im LKA seinen Platz neben den Abteilungen Kriminaltechnik, Spezialeinheiten, Ermittlungen, Staatsschutz und Verwaltung.

Internetkriminalität betrifft mittlerweile alle Lebensbereiche und Personen. Kann das LKA in der statistischen Erfassung im Jahr 2010 um die 1424 Delikte nachweisen, so liegt dieser Wert mit Ende 2018 bereits bei deutlich über 3559 Fällen, denen die Ermittler nachgehen mussten. Eine Steigerung von knapp 140 Prozent.

Hohe Dunkelziffer

Allerdings, auch das ist Matschoß bewusst, besteht ein sogenanntes defizitäres Aufkommen an Anzeigen, weil potenzielle Opfer den Schaden, auch den finanziellen, gar nicht bemerken. Aber auch ein befürchteter Imageschaden hält die Opfer häufig von einer Anzeige ab. Dadurch dürfte die Dunkelziffer solcher Vergehen oder Straftaten weitaus höher liegen, schätzt der LKA-Beamte. Die Fälle, bei denen das Internet in irgendeiner Art und Weise als Tatwerkzeug genutzt wurde, liegt für das Jahr 2018 sogar bei über 11 000 Fällen. Was immer wieder zum Erstaunen der Cybercrime-Ermittler führt, ist die Sorglosigkeit viele Internetnutzer, den sogenannten Usern, was den privaten wie unternehmerischen Bereich gleichermaßen betrifft, so die Erkenntnis des LKA. „Digitale Verwundbarkeit trifft oft auf digitale Sorglosigkeit“, bemängelt Matschoß mit Blick auf die sich rasant zunehmenden Fallentwicklungen (siehe Grafik).

Matschoß präzisiert diese Aussage, in dem er den Zuhörern beim Unternehmerfrühstück die Eigenverantwortung, in diesem Fall die Verantwortung als Unternehmer, gegenüber einer sicheren virtuellen Kommunikation verdeutlichte. Eine seiner Kernaussagen lautete dabei: „Die digitale Sorglosigkeit öffnet Tür und Tor“. Und auch dabei betrifft es den kompletten Nutzerkreis im Umgang mit Hardware wie Endgeräten.

Professionelles Agieren

Die Vorgehensweisen von Straftätern, die im Internet und in den Datenströmen nach Opfern unterwegs sind, werden immer professioneller, erfordern gerade von Unternehmen eine ebensolche Professionalität, um den höchstmöglichen Schutz gewährleisten zu können.

In seinem Referat kommt Matschoß zu dem Schluss, „dass Cybercrime-Täter Rechnungen, Mahnungen, Faxe, Umstellungen von Sicherheitsstandards, Kontosperrungen, Überweisungen, Gewinne oder Schnäppchen als Lockmittel für unterschiedlichste kriminelle Absichten verwenden. Diese Ziele können erreicht werden, indem Viren, im Fachjargon auch als Trojaner bezeichnet, als nur schwer erkennbare Mail-Anhänge oder in Link-Angeboten platziert werden. Erfolgt der Klick zum Öffnen des Anhangs oder wird der Link angeklickt, ist der Trojaner unentdeckt im System und löst das in ihm steckende Programm aus. Ohne entsprechende Sicherheitssoftware kann für einen Betrieb ein nicht wiedergutzumachender finanzieller oder struktureller Schaden entstehen, war den Ausführungen von Matschoß zu entnehmen.

Aber auch die sogenannte soziale Manipulation wird dazu genutzt, um beispielsweise über die Mail-Korrespondenz bei einem potenziellen Opfer, was durchaus ein komplettes Unternehmen betreffen kann, ein bestimmtes Verhalten zu erzwingen. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um Geldforderungen.

Diese Summen sollen dann an eine entsprechende Bankverbindung transferiert werden, damit der virtuelle Schaden wieder vom Rechner verschwindet.

Grundsätzlich gilt die schützende Formel „Warten, denken, dann erst klicken“. Meint, dass jeder Nutzer für sich und seine Daten sowie für die eigene IT-Sicherheit selbst verantwortlich ist. „Cybercrime kann jeden treffen und das jederzeit. Deshalb ist nicht die Frage, ob es den Nutzer irgendwann trifft, sondern vielmehr, wann und ob der es dann bemerkt?“, lautete die Mahnung vom Cybercrime-Experten Mathias Matschoß.

Das Unternehmerfrühstück war die Auftaktveranstaltung für 2020. Bürgermeister Hans-Werner Kraul (CDU) freute sich über das wiederum große Interesse. Unter anderem interessierte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Behrens für die bunte Zuhörerrunde. Kraul hält das Unternehmerfrühstück der Stadt Oebisfelde-Weferlingen als ein thematisch breit aufgestelltes Angebot für die lokalen Unternehmer, die von überregionalen Interessenvertretern aus Handel, Wirtschaft und Landesbehörden sozusagen am Frühstückstisch informiert werden, hieß es von Kraul gegenüber der Volksstimme.

Diese Veranstaltung, vom städtischen Wirtschaftsförderer Peter Schorlemmer ini­tiiert, soll weiterhin zum Meinungsaustausch und zum Miteinander der Firmeninhaber und Gewerbetreibenden dienen, so Kraul.