Oebisfelde l Mit Blumensträußen und anerkennenden Worten wurden Sonnabend der Gründerin Anneliese Kaul, damals noch Lehrling Fräulein Schulz, der langjährigen Leiterin Waltraut Sierau und der heutigen Leiterin Annegret Schumann von Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch namens des Ortschaftsrates im Verlauf des Festaktes im Rittersaal der Burg dafür gedankt.

Doch der Reihe nach: Es glich einem Ansturm an Gästen, die diesen Festakt zum 70-jährigen Bestehen der Stadtbibliothek miterleben wollten – Stuhlreihen mussten zusätzlich aufgestellt werden. Während Annegret Schumann vor Anspannung das Herz bis zum Halse schlug, eröffnete der Kammerchor All´Cantara mit dem Volkslied „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ die Festfolge. Und mit dem irischen Volkslied und dem in der Popmusik immer wieder neu arrangierten Welterfolg „Wiskey in the Jar“ erinnerte der Chor, dass Musik und Literatur allein für sich und in der Kombination international angesagt waren und sind.

Es folgten zwischen den Ansprachen die für diese Altersgruppen anspruchsvollen Gratulationsprogramme der Grundschulen aus Oebisfelde und Rätzlingen mit selbst getexteten Liedern, Geschichten und Gedichten. Es war der feine Dank der Schulen für eine kontinuierliche Betreuung mit einer dauerhaft spürbaren Motivation der Grundschüler fürs Lesen.

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Bürgermeister Hans-Werner Kraul drückte in seiner Laudatio die Sorge um eine zunehmende Verdrängung des aktiven Lesens im Verhältnis zur digitalen Welt durch Soziale Medien, Spielekonsolen und Internetangeboten aus. Kraul befand in seiner Rede, dass eine Gesellschaft „die stets und nur hip, cool und angesagt lebt, vereinsamt“. „Ich erachte das Smartphone als wichtig, aber das gesammelte Wissen und der Erfahrungsschatz der Menschheit wurden durch Bücher erhalten und Generation für Generation weitergegeben“, betonte der Bürgermeister. „Menschen die Literatur für ,kleines Geld‘ zur Verfügung stellen, diese ehrenwerte und wichtige Aufgabe kommt den Bibliotheken zu“, dankte Kraul namens aller Mandatsträger und der Verwaltung. Und er hofft für die Zukunft, dass „das Buch als ein Zwilling im Geiste mit der digitalen Medienwelt erhalten bleibt“.

Auf den Initiator der Stadtbibliothek, dem damaligen Bürgermeister Otto Koch, ging Ortsbürgermeisterin Jacksch ein. Er war es, der bereits in der bitteren Nachkriegszeit im Jahre 1948 für dieses Freizeitangebot sorgte. Eigens dafür erlernte Anneliese Kraul zusätzlich den Beruf der Bibliothekarin. Dank ihres Engagements wuchs das Angebot an Lektüre zusehends, betonte Jacksch. Ganze 35 Jahre später übernahm Waltraut Sierau diese Institution, trat erfolgreich in die Fußstapfen ihrer Vorgängerin. Sie war nicht nur in der Bibliothek zu finden, sondern spendierte das Lesen an Schulen wie Kitas und las in Krippen vor. Dieses vorzügliche Engagement hat nun Annegret Schumann in Qualität und Tradition übernommen, dankte die Ortsbürgermeisterin im Namen aller Bürger der Oebisfelder Region.

In den Bibliotheksräumen boten derzeit die Teams der Horte ein vielfältiges Beiprogramm für die jüngsten Besucher an. Unterstützung erhielten sie dabei von Sabine Wieter von der Naturparkverwaltung, die über die Junior-Ranger und Moorwichtel informierte. Und auch fleißige Helferinnen vom Heimatverein unterstützten die Veranstaltungsfolge, trugen so im Hintergrund zum Gelingen bei.