Rätzlingen l Was ihr dabei hilft, ist, dass sie diese für sie belastende Zeit nicht allein bewältigen muss. Die Ur-Letzlingerin lebt seit wenigen Wochen bei ihrer Tochter in Rätzlingen. Eva Haberlands Tochter ist Bettina Klinnert, die Behindertenbeauftragte der Stadt Oebisfelde-Weferlingen. Die seit Jahren auf einen Rollstuhl angewiesene und trotzdem ihr Leben weitestgehend selbstständig organisierende Ehe- und Hausfrau kennt die Befürchtungen „allein dastehen zu müssen“ aus zig Gesprächen mit betroffenen Menschen.

Sie selbst hatte nach ihrem Unglück die gesamte Familie um sich, die sich sorgte, das Wohnhaus für sie umbaute, sie soweit wie es eben ging, mitnahm ins tägliche Leben.

Corona kann soziale Isolation massiv fördern

„Ein Lebensglück, das insbesondere älteren, alleinlebenden Menschen nicht vergönnt ist. Da kann soziale Isolation schnell entstehen. Und die notwendigen Auflagen durch die Corona-Krise können solch eine Notlage massiv fördern“, sieht Klinnert die Nähe und das Kümmern gerade in Corona-Zeiten als essenzielle Lebenshilfe an. Umso mehr können Briefe, eine Grußkarte oder regelmäßige Telefonate gerade zu Ostern helfen, die derzeit strikten Kontaktverbote bei Bewohnern von Altenheimen abzumildern, ist die Behindertenbeauftragte überzeugt.

Bilder

Um der sozialen Isolation entgegenzuwirken, war es für Klinnert der Anlass, ihrer Mutter in Rätzlingen ein neues Zuhause zu schaffen. Es ist nun ihr erstes Osterfest, das die putzmuntere und selbstständige Eva Haberland als ständiges Familienmitglied bei ihrer Tochter erlebt. Und dass dieser Umzug ins Börde-Dorf erfolgt ist, empfindet die verwitwete Rentnerin als pures Glück. Durch einen Schlaganfall wurde sie nämlich plötzlich entwurzelt, wie sie selbst sagt.

Hinter Eva Haberland liegt eine längere Zeit im Krankenhaus. Von dort führte der Weg nicht zurück zur vertrauten Letzlinger Mühle, ins Dorf zurück, wo sie geboren und aufgewachsen ist, ihr Lebensglück mit Mann und Kindern verbracht hatte. Der Weg führte die dort fest verwurzelte Seniorin in ein Pflegeheim nach Gardelegen.

Trotz Fürsorge im Heim unwohl gefühlt

„Ich habe schon eingesehen, dass dieser Umzug für meine Gesundheit und zur Bewältigung des alltäglichen Lebens von Vorteil war“, räumte die Neu-Rätzlingerin ein. „Doch ich fühlte mich fremd, oft kam auch Einsamkeit auf, obwohl man sich dort um mich wirklich kümmerte. Ich bin in dem Pflegeheim einfach ,nicht angekommen‘“, resümierte Eva Haberland und lächelte dabei zu ihrer Tochter hinüber.

Dass die 90-jährige Seniorin nun sozusagen wieder feste Wurzel gefunden hat, sich als „angekommen“ fühlt, liegt nach ihrer eigenen Empfindung an dem Alltag im Kreise vertrauter Gesichter aus ihrem langen Leben.