Oebisfelde l Im Mittelpunkt des Regionaldialogs in Oebisfelde wurde am Dienstag die Frage nach den Chancen für einen sanften Tourismus im Biosphärenreservat Drömling erörtert. Dabei kam es zum sachlichen Meinungsaustausch bei der Podiumsdiskussion und anschließend zu einem kontrovers geführten Dialog zwischen der Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie in Sachsen-Anhalt, Prof. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) mit den Zuhörern. Ein vorläufiges Fazit: Wichtige Faktoren auf Länder- und EU-Ebene sind im Fluss, manch Konkretes kann vorgewiesen werden, viel ist in unmittelbarer Vorbereitung.

Große Akzeptanz spürbar

Die Ministerin hatte zuvor ein durch und durch positives Statement nicht nur für einen sanften Tourismus, sondern insbesondere für die Bewohner dieser Naturlandschaft aufgezeichnet. Dalbert stellte fest, dass der Drömling bereits seit 30 Jahren eine Entwicklungsregion im Einklang mit der Natur ist. Sie sah belegt, dass diese Naturlandschaft in der Struktur einen hohen Stellenwert und hohe Akzeptanz durch die Einwohner erfährt. Dalbert sieht das Potenzial dieser Natur als Tafelsilber an. Das Land investiert für die Region und im Sinne nachhaltiger Ökologie in vielfältiger Weise in nachhaltige Projekte, Personal und Bildungs- wie Öffentlichkeitsarbeit. Dabei werden Bewohner und Landwirtschaft nicht außen vorgelassen, bekräftige Dalbert in ihrem Statement. So konnten bereits drei neue Stellen in der Biosphären-Verwaltung etabliert werden, und explizit wird in Kürze eine weitere Stelle geschaffen, die für die Belange der Landwirtschaft eingerichtet wird.

Beispiele für das Vorankommen des Tourismus- und Vermarktungskonzepts gab Ulf Stautmeister von der Verwaltung des Biosphärenreservats in Oebisfelde. So informierte der stellvertretende Leiter, dass ein Wegekonzept existiert, die Ausweisung unmittelbar vor der Umsetzung steht. Die Vielfalt, die hinter dem Stichwort Biosphärenreservat Drömling steckt, konnte im Verlauf des ersten Drömlingsfests in besonderer Art und Weise erlebt werden, meinte Stautmeister.

Aushängeschild: die Ruhe

In Sachen Tourismus tut sich einiges, bekräftigt Stautmeister. So arbeitet die Verwaltung des Biosphärenreservats eng mit dem Landestourismusverband zusammen, um lokale Akteure zu gewinnen. Mit der in absehbarer Zeit geschaffenen Landwirtschaftsberatungsstelle wird zudem eine Möglichkeit direkter Kommunikation für den Agrarbereich geschaffen. „Wir sind dran“, sagte Stautmeister öffentlich zu. Offen ließ er hingegen eine Definition von sanftem Tourismus für das Biosphärenreservat Drömling. Was Stautmeister sich nicht wünscht, ist eine ähnlich hohe Dichte an Touristen wie die beim Elberadweg. „Unser Aushängeschild ist die Ruhe des Drömlings“, meinte der stellvertretende Leiter .

In der Funktion als Biobauer im Nebenerwerb warb das Stadtratsmitglied Jörg Lauenroth-Mago (Bündnis 90/Die Grünen) aus Rätzlingen ebenso wie Stautmeister für mehr lokale Akteure. Kremserfahrten, Touren zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Pferd sind Wünsche, die urlaubssuchende Menschen aus Ballungsgebieten und Familien hegen. Wichtig ist zudem das Angebot mit Tieren aus dem Bereich der Landwirtschaft und der Natur des Drömlings.

Als feste Größe für den sanften Tourismus im Drömling müssen sogenannte Dachmarken geschaffen werden. Die können plakativ für die Gastronomie, für landwirtschaftliche Produkte im Lebensmittelbereich und für die Region generell werben, führte Lauenroth-Mago an Beispielen aus.

In ihrer Funktion als Kreistagsabgeordnete für die Börde kritisierte die Breitenroderin Silke Wolf (Die Linken) unter anderem die schlechte bis überhaupt nicht funktionierende Abdeckung mit sogenannten GPS-Signalen für die Navigation in der Drömlingsregion. Wolf forderte zudem einen raschen Ausbau und das Ausweisen des länderübergreifenden Radwegenetzes entlang des grünen Bands.

Als Hemmschuh für die Landwirte, die ihre Viehbestände in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, also im Drömling, halten, sah der Tülauer Bürgermeister Martin Zenk (SPD) die unterschiedlichen veterinären Bestimmungen an. Hier müsse an einer Lösung dringend gearbeitet werden, um die Arbeit der Landwirte nicht unnötig zu erschweren.