Oebisfelde l Ein Rausch an kurzen Sequenzen aus unterschiedlichsten Texten der deutschsprachigen Literatur wurden von den 49 Jugendlichen am Donnerstagabend geboten, die die Sekundar- und Gemeinschaftsschule in Oebisfelde besuchen. Weitaus mehr Zuhörer lauschten diesen Präsentationen, die mal mehr mal mit weniger Ausdrucksstärke im Verlauf von etwa 10-Minuten-Takten in den sechs Klassenräumen zu Gehör gebracht wurden.

„Es gehört schon eine gehörige Portion Mut und persönliche Stärke dazu, sich als Vorlesender oder Vorlesende seinen Mitschülern, Eltern oder fremden Gästen zu präsentieren. Auch wenn es Stoff aus einem Lieblingsbuch ist“, attestierte Schulleiterin Kerstin Grimm-Neubauer allen Vorlesern solch eine gewisse Reife.

Berührungsängste mit Mitschülern aus europäischen Staaten oder mit anderen Glaubens- und Lebenseinstellungen, die sind an der Drömlingschule kein Thema innerhalb der Schülerschaft – das war zu erleben. „Das gibt Mut, besonders den Schülern, die erst kurze Zeit bei uns sind“, meinte Grimm-Neubauer. Und deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Renas Melek, ein Jugendlicher mit syrischer Abstammung aus dem Roman „Da waren es nur noch zwei“ von Mel Wallis de Vries vorlas. Auch sein polnischer Mitschüler Kamil Kaluzny machte es ihm nach und las aus dem Buch von Peter Bichsel „Ein Tisch ist ein Tisch“. Die Leseprobe von Omar Hawa, nämlich „Knigge für Nichtmuslime“, forderte dann schon mehr Konzentration der Zuhörer.

Bilder

Die Geschwister Boshra und Medyan Aibesb stammen beide ebenfalls aus Syrien. Medyuan flüchtete übers Mittelmeer und zu Fuß weiter, bis er vor zwei Jahren in Oebisfelde ankam. Seine Schwester folgte erst vor Monaten mit dem Flugzeug. Sie hatten sich erst am Donnerstag entschlossen, am Leseabend ihrer Schule teilzunehmen. Wie sie hinterher fanden, war es eine sehr gute Entscheidung.