Lidzbark/Oebisfelde l Die Antwort aus der polnischen Partnerstadt Lidzbark auf die öffentlich geäußerte Forderung, die Städtepartnerschaft unter bestimmten Voraussetzungen zu beenden (Volksstimme berichtete), ließ nicht lange auf sich warten. Der Bürgermeister von Lidzbark, Maciej Krzysztof Sitarek, persönlich hatte sich schriftlich mit einer offiziellen Erklärung bei Oebisfeldes Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch gemeldet, um damit die Forderung nach einer Prüfung auf ein ausgrenzendes Verhalten durch die Lidzbarker Bürgerschaft zurückzuweisen.

Lidzbarks Bürgermeister erklärte, „dass in Bezug auf die Diskussion über die Herangehensweise an die LGBT-Ideologie in Lidzbark dieses Thema weder während der Stadtratssitzung in Lidzbark noch im öffentlichen Raum diskutiert wurde“. LGBT steht für Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender. Sitarek weiter: „Lidzbark ist eine gastfreundliche und tolerante Gemeinschaft, offen für andere Sprachen und Kulturen. Dieser Ort ist freundlich sowohl für Einheimische als auch für Touristen, unabhängig von Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, Religion, ethnischer Herkunft und Grad der Fitness.“ Als Bürgermeister versichert Sitarek den Oebisfelder Bürgern, „dass wir in Lidzbark wie in den Ländern der Europäischen Union demokratische Verhaltensweisen fördern, die auf Freiheit, Toleranz und Respekt basieren“.

Anlass dieser Erklärung war eine Wortmeldung des Oebisfelders Uwe Schulz in der Einwohnerfragestunde der vergangenen Stadtratssitzung. Schulz forderte, diese Städtepartnerschaft zu beenden, wenn sich seine Beobachtungen auch für die Stadt Lidzbark bestätigen würden, dass sich in Polen mittlerweile immer mehr Städte politisch als sogenannte LGBT-freie Zonen bezeichnen. Was bedeutet, dass in solchen Zonen die Meinung vorherrscht, Menschen ihre Rechte abzuerkennen, die für eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft eintreten oder auf solche Weise zusammenleben.

Der Oebisfelder kritisierte, dass diese gesellschaftliche Orientierung von der polnischen Staatsregierung gestützt und zudem von der dortigen katholischen Kirche toleriert werde. Eine Entwicklung, die von der Europäischen Gemeinschaft bereits im Jahr 2019 mehrheitlich abgelehnt wurde, führte Schulz aus. Er befürchte, dass eine solche Haltung auch für die Partnerstadt Lidzbark in Betracht kommen könnte. Deshalb hatte er die Verwaltung zur Prüfung aufgefordert.

Städtebündnis nicht generell infrage gestellt

Auf Anfrage der Volksstimme betonte Schulz am Montag, dass er grundsätzlich voll und ganz hinter dieser gewachsenen Städtepartnerschaft stehe. Er hielt „dieses Wachrütteln im Verlauf der Stadtratssitzung für notwendig“, weil die LBGT- Strömung in Polen bereits in über 30 Prozent der Städte und Gemeinden von offizieller europäischer Seite erkannt wurde und weiter zunehme. Diese Entwicklung in einem Land, das der Europäischen Union angehört, ist nach seiner Ansicht nicht zu tolerieren. Unverständlich ist für Schulz zudem, dass die katholische Kirche in Polen nicht gegen diese Ausgrenzung aufbegehrt, sondern sie toleriert.

Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch sieht dieses seit 20 Jahren bestehende enge Bündnis beider Städte aufgrund der Schulz-Kritik nicht als beschädigt an. Die Befürchtungen seitens Schulz seien durchaus berechtigt, würden aber aus ihrer persönlichen Erfahrung und Begegnungen mit der Lidzbarker Bürgerschaft und den Menschen dort nicht zutreffen, meinte Jacksch. „Wir müssen abwägen. Auch in der Bundesrepublik Deutschland gibt es die heile Welt nicht. Der Radikalismus ist ein Beispiel dafür. Diese nicht zu tolerierende Gewalt kann nicht pauschal der gesamten Republik zur Last gelegt werden. Wichtig ist, die demokratische Grundordnung zu schützen“, schlug Jacksch eine Brücke von Oebisfelde zur Partnerstadt.