Oebisfelde/Detmerode l Die Erinnerung an ihre eigene Jugendweihe war es, die das Feuer in ihr für dieses Fest vor sieben Jahren wieder entfachte. Seitdem ist die einstige Oebisfelderin Anika Gerchel als eine der Organisatorinnen der Interessengemeinschaft Jugendweihe Oebisfelde Feuer und Flamme für die Begleitung der Jugendlichen bis zum feierlichen Festakt. Die 39-jährige gebürtige Klötzerin ist die „Taffe Frau“ im Januar. Es gibt gleich mehrere Gründe, weshalb Anika Gerchel seit mittlerweile sieben Jahren zum festen Stamm der Interessengemeinschaft Jugendweihe Oebisfelde zählt. Hauptgrund war ihre Bereitschaft, bei den Vorbereitungen und bei der Feierstunde einer Jugendweihe selbst auszuhelfen. „Das hatte schon etwas, die ganze Sache einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben. Was ich bis dahin aber noch nicht erahnen konnte, es kamen ähnliche Emotionen bei mir hoch, wie bei meiner eigenen Jugendweihe, als ich erst 14 Jahre jung war“, beschreibt die in Klötze aufgewachsene Gerchel, die später der Liebe wegen nach Oebisfelde zog. Mittlerweile erlebte auch der Sohn die Jugendweihe „unter Mutters Fittischen“, und Anika Gerchel wohnt seit einiger Zeit in Detmerode. Die Bindung zu Oebisfelde ist jedoch geblieben, wie sie sagt. So gut wie alle ihree Freunde leben in „Oebis“, und wann immer sie es einrichten kann, „bin ich dort zu Haus“, beschreibt die Leiterin eines Discountermarktes ihre weiterhin bestehenden Bindungen.

Nicht zuletzt ist es auch die Interessengemeinschaft Jugendweihe, die in die alte Wirkungsstätte lockt. „Es bereitet sehr viel Freude, alle Jahre wieder die Jugendweihe von A bis Z zu planen, die Termine zu organisieren und die Jugendlichen bis zum Festakt zu begleiten, bekräftigt Gerchel ihr Brennen für diese Traditionsveranstaltung.

Übrigens: Der Begriff Jugendweihe tauchte in Deutschland erstmals im Jahr 1852 auf und geht auf einen Vorschlag von Eduard Baltzer zurück. Baltzer war ein deutscher Demokrat und evangelischer Theologe. Er war unter anderem Pionier der Lebensreform-Bewegung und der erste Präsident des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands. 1852 prägte er den Begriff der Jugendweihe. Die freireligiöse und freidenkerische Tradition wurde später auch von der Arbeiterbewegung übernommen. Der spätere Vorsitzende der KPD, Ernst Thälmann, nahm im Jahr 1900 an einer Jugendweihe teil, der kommunistische Schriftsteller Erich Weinert 1904 und der spätere Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht, im Jahr 1907 (Quelle: Wickipedia).

Verjüngungskur notwendig

Der geschichtliche Ursprung spielt bei dem Oebisfelder Frauen-Team keine Rolle. Jedoch ist der Gedanke, die jungen Menschen auf ein Erwachsenenleben vorzubereiten, ein tragender. Mit Anika Gerchel zeichnen sich Anja Wehr, Sandy Klaus, Doreen Gang­loff, Kristin Bomballa-Schramm und Melanie Stefanie verantwortlich fürs alljährliche Gelingen der Jugendweihe.

Dass sich bislang kein männlicher Akteur offiziell im Team engagiert, das kann sich Gerchel auch nicht erklären. Allerdings werden die Frauen aber durchaus von ihren Ehemännern und Lebenspartnern „aus der zweiten Reihe heraus“ unterstützt, bricht Gerchel eine Lanze für die Männer.

Doch die Interessengemeinschaft unterliegt durchaus einem Wandel, der sein muss, meint Gerchel. „Es muss eine Verbindung, sei es über die Generationen oder über Kontakte zu den Jugendlichen, bestehen. Deshalb muss es eine Verjüngungskur zu einem passenden Moment im Team geben, auch wenn diese Gemeinschaft bestens funktioniert. Auch ich trage mich mit solchen Gedanken“, gibt Anika Gerchel unumwunden preis. Was allerdings bei solchen Wechseln garantiert sein muss, so Gerchel, ist die Beständigkeit und Zuverlässigkeit für das gesamte Team.

Ein Garantiefaktor von der Jahresplanung bis zum Festakt. „Keine Feier lockt mehr Emotionen hervor, als die Jugendweihe. Und das gilt für die Jugendlichen wie deren Eltern“, weiß Gerchel aus eigener Erfahrung. Ihre Jugendweihe erlebte sie mit 14 Jahren. „Das Ganze wurde damals noch von der Schule aus organisiert. Es ist und bleibt ein unvergessliches Erlebnis für mich, wofür ich meinen Eltern bis heute danke“, kommt es aus vollem Herzen von Gerchel. Und dieses Herzblut, so Gerchel über Gerchel, hat sie sich bis heute bewahrt. Es gab in den sieben Jahren noch nicht einen Festakt, bei dem ihr nicht die Tränen rannten. Erst recht, wenn ihr eine der sogenannten Mutterrosen überreicht wurden.

Engagement ist ehrenamtlich

Das Engagement von der Planung bis zum Festakt vergleicht Anika Gerchel mit dem Erfolgsrezept eines Clowns: Es ist eine bierernste Angelegenheit, um den Applaus zu ernten. „Von uns als Team wird jede Menge abverlangt. Das gilt insbesondere für die Eltern. Die verlangen nicht selten Perfektion, was unbedingt für den Festakt gilt“, weiß Gerchel nur zu gut aus Erfahrungen. Doch sie hält dagegen, was für das gesamte Team gilt, dass die Interessengemeinschaft Jugendweihe Oebisfelde ausschließlich ehrenamtlich arbeitet. „Selbstverständlich stellen wir an uns selbst einen hohen Anspruch. Doch Fehler passieren nun einmal. Doch wir können auch über kleine Pannen hinweg improvisieren“, schmunzelt Gerchel zuversichtlich.

Auch nach sieben Jahren ist Anika Gerchel bei vielen Veranstaltungsangeboten und Elternversammlungen immer wieder dabei. Ob es beim Erste-Hilfe-Lehrgang oder beim Kurs fürs Schminken und Stylen oder beim Kegeln ist, die Teenager sind dankbar für diese Begleitung. Dankbar ist das Jugendweihe-Team aber auch für die Bereitschaft der Betriebe, die es Jahr für Jahr erst ermöglichen, dass die Jugendlichen in das Erwachsenenleben hineinschnuppern können.

Dankbar sind Anika Gerchel und ihre Mitstreiterinnen, dass in diesem Jahr wieder der Festakt im Oebisfelder Rittersaal veranstaltet werden kann. „Das Ambiente ist einfach unschlagbar. Und überhaupt: Der Rittersaal hat das besondere Extra, gerade für die Jugendweihe“, gerät Gerchel dann doch leicht ins Schwärmen. Gefragt, wie lange sie noch mit Herzblut dabeibleiben will, gab es die klare Ansage: „So lange wie es mir Freude bereitet, jedes Jahr ein paar Tränen der Freude zu vergießen.“

In der Serie „Taffe Frauen“ wurden bislang Bettina Klinnert aus Rätzlingen im Juli, Susanne Sass aus Bösdorf im August , Susanne Gätzschmann aus Oebisfelde im Oktober und Sigrun Klose aus Oebisfelde im Dezember vorgestellt. Sollten Sie ebenfalls eine ähnlich taffe Frau kennen, melden Sie sich doch bitte telefonisch unter 039002/98 48 98 oder auch gern per E-Mail: info.volksstimme@vsoebisfelde.com