Oebisfelde/Rätzlingen l Einen offenen Hilferuf hat die Behindertenbeauftragte der Stadt Oebisfelde-Weferlingen, Bettina Klinnert, an Bürgermeister Hans-Werner Kraul, politische Mandatsträger, an die Seniorenbeauftragte Angelika Odenbach sowie an die Deutsche Bahn AG gerichtet. Klinnert kritisiert das Verhalten derr Abellio-Rail-Mitteldeutschland-GmbH, die Regionalbahnzüge (RB) komplett nicht mehr in Dörfern halten lässt.

Ihre Kritik hat sie gegenüber der Abellio-Rail bereits kundgetan. Auch der Einsatz von Schienenersatzverkehr zwischen Rätzlingen, Bösdorf und Oebisfelde ist für behinderte Menschen schwerlich zu bewältigen.

Die Behindertenbeauftragte führt in ihrem Schreiben und gegenüber der Volksstimme aus, dass Stand vergangenem Oktober auf der Strecke Wolfsburg-Haldensleben-Magdeburg fünf RE-Verbindungen (Regionalexpress) bestehen – in umgekehrter Richtung ebenfalls diese Anzahl. Allerdings würden die Züge nicht mehr in den Bahnhöfen der Dörfer halten.

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Erschwerend komme hinzu, so Klinnert, „dass Abellio in sich nicht stimmige Fahrpläne in Umlauf bringt“. So sei bei den RE-Verbindungen in Rätzlingen ein fahrplanmäßiger Halt verzeichnet, tatsächlich würden die Züge durchfahren, klärt Klinnert auf. Daraus resultiere eine erhebliche öffentliche Verunsicherung, und das Unverständnis und Misstrauen der Fahrgäste sei dementsprechend hoch. Viele der sonst so treuen Fahrgäste seien aufs Auto umgestiegen.

Zugnutzer verunsichert

Klinnert selbst ist auf einen Rollstuhl angewiesen und es trifft wohl nicht nur sie doppelt: Der Rätzlinger Bahnhof, wie auch der in Oebisfelde, ist nicht barrierefrei. „Behinderte werden massiv benachteiligt. So etwas demontiert massiv das Lebensgefühl“, urteilt Klinnert. „Durch die aktuelle Maßnahme von Abellio wird es den Pendlern und Dorfbewohnern sehr schwer gemacht, ihre Arbeitsstellen und ausgewählte Ziele, wie beispielsweise Arzttermine, zu erreichen“, beklagt die auf einen Rollstuhl angewiesene Frau.

Die Abellio Rail Mitteldeutschland GmbH hat unmittelbar auf die Kritik der Behindertenbeauftragten Klinnert schriftlich reagiert. Darin gibt das Unternehmen zu, dass es Mängel in der Infrastruktur gebe. „Deshalb mussten zwei Langsamfahrstellen eingerichtet werden. Somit sei es nicht mehr möglich, den Regionalbahn-Fahrplan (RB) einzuhalten. Für die Infrastruktur sei allerdings die Deutsche Bahn-Netz AG zuständig. Wir können Ihren Unmut über den geänderten Fahrplan auf der Strecke Wolfsburg-Haldensleben-Magdeburg nachvollziehen und verstehen“, heißt es in dem Schreiben.

Zur Erläuterung fügt Abellio an: In der Vergangenheit waren die Linien RB 36/RB 35 und RE 6 auf der Strecke zwischen Haldensleben und Wolfsburg häufig von Verspätungen betroffen. Ursache hierfür sind zwei Langsamfahrstellen auf dem Streckenabschnitt zwischen Flechtingen und Rätzlingen.

DB Netz auch in der Pflicht

Auf diesem Abschnitt wird die normale Fahrgeschwindigkeit reduziert, infolgedessen kommt es zu Abweichungen vom Fahrplan. Langsamfahrstellen werden eingerichtet, wenn Mängel an der Infrastruktur vorliegen. Auf dem Streckenabschnitt ist dies der Fall. Die Geschwindigkeit zu reduzieren, diene hier der Gewährleistung der Sicherheit.

Die Abellio Rail ist lediglich Nutzer der Schienen-Infrastruktur und besitzt keine Möglichkeiten, die strukturellen Bedingungen zu ändern, stellt das Unternehmen klar. „Wir stehen jedoch im regelmäßigen Kontakt zur DB-Netz AG und gehen auf die Mangelzustände ein. Leider war nach dem Auftreten der Störungen auf der Strecke zunächst unklar, welche Einschränkungen dauerhaft bestehen oder noch hinzukommen würden“, so ein Pressesprecher.

„Da permanente Fahrplananpassungen nicht sinnvoll sind, haben wir uns entschieden, bis zum Fahrplanwechsel im Dezember Anpassungen des Fahrplans im Streckenabschnitt Haldensleben–Wolfsburg vorzunehmen. Dadurch soll auf der gesamten Strecke wieder ein stabiler Betrieb erreicht werden. Das solle mit dem Winterfahrplan ab dem 15. Dezember der Fall sein.