Oschersleben l Ihr Markenzeichen ist das Akkordeon. Schon Brigitte Uhdes Vater hat Akkordeon gespielt. Die Tochter hat erste Versuche unternommen und scheint Talent bewiesen zu haben. Als Rolf Hoppe 1964, damals ging Brigitte Uhde in die 3. Klasse, in der Schule fragte, wer denn Lust hätte Akkordeon zu spielen und auch Schüler testete, war die Oschersleberin dabei. Die Proben finden damals in der Sonderschule auf dem Gelände der Puschkin-Schule statt. Damit die Tochter das schwere Instrument nicht tragen muss, baut der Vater einen, ja nennen wir ihn ruhig so, Bollerwagen. Brigitte Uhde gehört zu den ersten Oschersleber Akkordeonschülern von Klaus Hoppe, der 1967 in Oschersleben eine Akkordeonspielgruppe gründete, die schnell zu einem Orchester heranwuchs und dessen Kultur und kulturelles Wirken in Oschersleben zur Tradition wurde.

Die Musik und das Spielen von Instrumenten soll Brigitte Uhde durch ihr ganzes Leben begleiten. Sie wird Musik-/Deutschlehrerin, arbeitet als solche im Landkreis Stendal. 1980 wird in Oschersleben die Musikschule gegründet. Vom damaligen Leiter wird die Musiklehrerin gefragt, ob sie nicht an der Musikschule unterrichten möchte. So wechselt Brigitte Uhde 1981 an diese Bildungseinrichtung, zieht zurück in die Heimat. Heute ist sie in Hornhausen zu Hause, wo sie seit 1991 den Frauenchor leitet.

An der Musikschule unterrichtet Brigitte Uhde vornehmlich Akkordeon. Vor einigen Jahren wird sie von Leiter Bernd Hohman gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, in der musikalischen Früherziehung einzusteigen. „Die ersten Jahren waren ganz aufwendig. Ich habe mir viele Gedanken bei der Vorbereitung gemacht, mir Themen und Geschichten ausgedacht. Aber die intensive Vorbereitung hat sich bewährt“, erzählt sie.

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Gut zwei Jahre ist Musikschullehrerin Brigitte Uhde immer mittwochs zu den 17 Mädchen und Jungen gekommen, die nun den DRK-Kindergarten „4 Jahreszeiten“ verlassen und in die Schule kommen. In den vergangenen Jahren haben die Kinder gesungen, getanzt, Instrumente kennen gelernt, sich mit der Musik beschäftigt. Etlichen Kindern hat Brigitte Uhde so den Weg zur Musikschule geebnet und damit den Weg, sich über das In-strumentenkarrussel für ein Instrument zu entscheiden und es spielen zu lernen.

Rundgang zum Abschluss

Traditionell endet die musikalische Früherziehung für die künftigen Abc-Schützen der Oschersleber DRK-Kita mit einem Rundgang durch die Musikschule, der Hauptwirkungsstätte von Brigitte Uhde. Gemeinsam mit ihr, Kita-Leiterin Elke Olicher und Erzieherin Rica Brenn klopfen die Mädchen und Jungen an diesem Tag an viele Türen, hinter denen ganz unterschiedliche Instrumente zu hören sind. Ordentlich laut ist es beim Schlagzeug. Eher sanfte Töne kommen aus dem Zimmer von Ingo Gremm. Der Gitarrenlehrer übt gerade mit dem 13-jährigen Maximilian Fedusov. Lilia Heinz lässt die Kinder die Geige ausprobieren. Staunend hören die Kinder zu, wie Philipp Graßhoff das Seeräumerlied spielt. Philipp ist Schüler von Walter Kruse. Er stellt den Kindern die Klarinette vor. Schnell erkennen sie, dass dieses Instrument die Katze aus „Peter und der Wolf“ darstellt.

Die künftigen Schulanfänger schauen noch bei Alexander Ditas vorbei, der ihnen Blechblasinstrumente vorstellt. Und schließlich endet der Rundgang durch die Musikschule im Zimmer von Brigitte Uhde. „Ich räume gerade aus“, entschuldigt sich die Lehrerin. Das Ausräumen sieht erst einmal so aus, dass 13 Akkordeons, die Kinder haben sie gezählt, in dem kleinem Raum zu finden sind. „Heute bekommen die Musikschüler ein Akkordeon geliehen. Diese haben sie nun zurück gebracht“, berichtet Brigitte Uhde den Kindern. Und sie erzählt, dass es zu ihrer Zeit nicht der Fall war. Ihre Eltern hatten ihr ein Instrument gekauft und ihr Vater ihr deshalb einen Wagen gebaut, mit dem sie das Instrument zur Musikschule fuhr.

Natürlich dürfen die Mädchen und Jungen das Akkordeon ausprobieren, bekommen sie ein Kinder-Akkordeon über die Schultern „gehängt“.

Mehr als 30 Kilogramm wiegt ein „großes“ Akkordeon. Mit nun 63 Jahren ist Brigitte Uhde das Instrument auch zu schwer geworden. Es ist an der Zeit, der Musikschule Tschüss zu sagen. Und damit Zeit für sich zu haben, den Computer zu ergründen, gemeinsame Stunden mit dem Lebenspartner zu verbringen.

Na klar wird die Musik weiterhin eine Rolle spielen, möchte Brigitte Uhde noch viele schöne Auftritte mit „ihrem“ Frauenchor bestreiten.