Oschersleben l „Die Herausforderung in der Zukunft wird sein, den Status Quo zu erhalten“, erklärt Bernd Franke. Er arbeitet in der Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt. Das Problem: Ein Drittel der Haus- und Fachärzte im Landkreis Börde ist mindestens 60 Jahre alt. Wenn sie in den Ruhestand gehen, braucht es mehr als 60 neue Ärzte, um den sogenannten Nachbesetzungsbedarf auszugleichen.

Doch beim Nachwuchs gibt es einen Engpass. „Unserer Auffassung nach ist es zwingend notwendig, deutlich mehr Ärzte auszubilden, also mehr Studienplätze zu schaffen“, so Bernd Franke. Anfang 1990 sei die Zahl der Studienplätze reduziert worden. Damit stünden noch heute in etwa so viele „Medizinstudienplätze zur Verfügung wie 1979 allein für den westlichen Teil Deutschlands“, hält Franke fest.

Förderung im Studium

Darüber hinaus müssten der ambulanten Versorgung ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Nicht zuletzt hat die Kassenärztliche Vereinigung selbst einen Maßnahmenkatalog auf die Beine gestellt. Enthalten sind unter anderem Fördermöglichkeiten im Studium sowie bei der Facharzt-Weiterbildung und der eigentlichen Tätigkeit.

Dem Landkreis Börde als Ganzes geht es laut Bernd Franke derzeit relativ gut. „Für die Arztgruppen der allgemeinen fachärztlichen Versorgung“ bestehe keine Unterversorgung. Zu diesem Bereich gehören Augenärzte, Chirurgen, Orthopäden, Frauenärzte, Hautärzte, HNO-Ärzte, Kinderärzte, Nervenärzte, Psychotherapeuten und Urologen. In den letzten fünf Jahren hätten „nahezu alle schließenden Facharztpraxen nachbesetzt werden“ können, teilt Franke mit. Lediglich bei den Augenärzten habe es ein Problem gegeben. Konkret kam es zu einem Rückgang um drei Stellen. Im Gegenzug habe die Zahl der Nervenärzte um 2,25 Stellen zugenommen. Aber auch bei den ärztlichen Psychotherapeuten gibt es Bedarf. Hier sind 3,5 Stellen unbesetzt.

Hinzu kommt: Wenn es laut KV für den kompletten Landkreis auch relativ gut aussieht, kann sich vor Ort ein anderes Bild ergeben. Denn für die Kassenärztliche Vereinigung gliedert sich der Kreis in die drei Bereiche Oscherleben, Haldensleben und Magdeburg-Umland.

In Oschersleben beispielsweise hat die einzige Hautarztpraxis vor 13 Jahren geschlossen, ohne dass es einen Nachfolger gab. Patienten müssen seither die Wege nach Wanzleben oder Magdeburg auf sich nehmen. Bernd Franke hält jedoch fest: „Jede fünfte Arztstelle des Landkreises befindet sich in Oschersleben.“ Damit zähle die Stadt zusammen mit Haldensleben und Wanzleben zu den „drei großen Versorgungsstandorten“ im Landkreis Börde.

Genügend Hausärzte in Oschersleben

Für die Neuzulassung weiterer Hausärzte ist Oschersleben beispielsweise gesperrt, weil es laut KV genug gibt. Das sieht in Haldensleben ganz anders aus: Dort sind sechs Stellen für Hausärzte offen. Damit drohe durchaus eine Unterversorgung. Im Bereich Magdeburg-Umland fehlen 2,5 Hausärzte. Auf den ganzen Landkreis bezogen sei die Zahl der Hausärzte in den letzten fünf Jahren um 3,5 Stellen gesunken.

Bei bestimmten Fachärzten erfolgt die Stellenplanung laut Bernd Franke in größeren räumlichen Gebieten als dem Landkreis. So gebe es in der „Raumordnungsregion Magdeburg“ drei offene Stellen für Kinder- und Jugendpsychiater. In ganz Sachsen-Anhalt seien 6,5 Stellen für Physikalische und Rehabilitationsmediziner unbesetzt.