Oschersleben l Der historische Bahnhof von Oschersleben gehört zu den ältesten von ganz Deutschland. Seit Jahren steht das Gebäude, das 1843 eingeweiht wurde, leer, wird nicht mehr genutzt. Doch für den neuen Besitzer, seit 2012 ist es die Bewos, steht fest: Im Frühjahr 2021 zieht die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft in ihr neues Domizil. Das wird sich im Obergeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes befinden.

Erster Umbau im Jahr 1905

Der Oschersleber Bahnhof wurde 1905 erstmals umgebaut. Im Jahr 1960 entstand die heute noch vorhandene Eingangshalle. 2005 gab die Deutsche Bahn das Gebäude auf, 2010 erfolgte ein erster Verkauf, 2012 erwarb die Bewos das Bahnhofsgebäude. Erste Sanierungsarbeiten begannen. 2014 folgte die Sanierung des Hauptdaches, 2017 wurde das schon einmal vorhandene Glasdach wieder eingebaut. Die Sanierung des historischen Bahnhofsgebäudes ist am 23. Mai offiziell gestartet. Seit dieser Zeit wurde beispielsweise das Vordach am Bahnsteig entfernt. Aktuell entsteht im alten Toilettenhäuschen die Heizungsanlage für den „neuen“ Bahnhof.

Das alte Toilettenhaus hat bereits ein neues Dach bekommen, im Innern erinnert nichts mehr an das „stille Örtchen“, ist erste Technik installiert. „Die Avacon hat inzwischen begonnen Gas- und Stromleitungen am Bahnhofareal zu verlegen, deshalb wurde auch das große Bauschild versetzt. Dort, wo es vorher stand, wird das Trafo-Häuschen aufgestellt. Sind die Anschlüsse geschaffen, werden die Zuleitungen vom neuen Heizhaus in das alte Bahnhofsgebäude hergestellt. Damit hätten wir für die Bauarbeiten im Winter die nötige Bauwärme“, erklärt Bewos-Chef Thomas Harborth. Er berichtet darüber hinaus, dass für nötige Abbrüche außen und innen, die keine statische Relevanz haben, die Aufträge erteilt worden sind. Im nächsten Schritt sollen Aufträge für den Rohbau und die Haustechnik erteilt werden.

Während im Wesentlichen feststeht, wie das historischen Gebäude im Innern aussehen soll, gibt es für das Foyer noch immer Fragezeichen, die nun nach einer neuerlichen Beratung mit der unteren Denkmalschutzbehörde kleiner geworden sind. „Bei der Abstimmung der Gestaltung der Eingangshalle konnte ein Kompromiss gefunden werden“, erklärt Thomas Harborth.

Zwei Welten treffen aufeinander

Im Foyer des einstigen Bahnhofsgebäudes treffen zwei Welten aufeinander. Dort versprühen die gelben, hellblauen oder schwarzen Fliesen noch immer den Charme der sechziger Jahre, als das Bahnhofsgebäude umgebaut wurde. Andererseits stecken unter den mit Fliesen ummantelten Säulen gusseiserne Stützen aus der Zeit um 1843, als der Bahnhof erbaut wurde. Der nun gefundene Kompromiss sieht so aus, dass die Fliesen, die die Stützen ummanteln, entfernt werden. Historische Konstruktionen würden so sichtbar gemacht und zugleich würde geschaut werden, in welchem Zustand die mehr als 170 Jahre alten gusseinsernen Stützen sind. Die Wandgestaltung mit den Fliesen stattdessen würde erhalten bleiben. Bei der Sanierung des Bahnhofs samt Foyer würden eben auch die 1960er Jahre eine große Rolle spielen. „Ich denke wir haben einen guten Kompromiss zwischen Alt und Neu gefunden“, ist Thomas Harborth überzeugt. Am 7. November hat er den Bauantrag für die Sanierung des Foyers unterschrieben.

Hat die unklare Situation bei der Planung des Foyers zu Verzögerungen geführt? „Nur gedanklich“, so Harborth. „Wir können nun mit einem entsprechenden Konzept und einer konkreten Aufgabenstellung an den Verhandlungstisch mit den künftigen Mietern, vornehmlich aus dem sozialen Bereich, treten“, erklärt der Bewos-Chef weiter. Bei der Nutzung des Erdgeschosses samt Foyer werde an die historischen Funktionen angeknüpft. Hier werde ein Wartebereich, eine „Mitropa“ (Bistro) entstehen, der in den nächsten zweieinhalb Jahren als Baubüro, auch für den Bau der Schwimmhalle in unmittelbarer Nachbarschaft, genutzt werden könnte. In diesem Zusammenhang berichtet Thomas Harborth, dass im Dezember der Ausschreibungsstart für Oscherslebens neue Schwimmhalle ist.

Zuschuss aus "Stadtumbau Ost"

Der Umbau des Bahnhofs sei mit 3,9 Millionen Euro geplant. Der Zuschuss aus dem Fördermittelprogramm „Stadtumbau Ost“ liegt bei 71 Prozent. Bei steigenden Baukosten werde die Kostenoptimierung ein Dauerbrenner sein, erst recht da die Fördermittelgeber ein Auge auf das Projekt werfen werden.