Oschersleben l Auch ehemalige Eisenbahner waren bei dem Fest mit von der Partie. Denn mit dem als Bahnhofsfest titulierten Mieterfest wollte die kommunale Wohnungsgesellschaft ihre Visionen für den klassizistischen Bau inmitten der Oschersleber Innenstadt vorstellen und dessen 175-jährigen Geburtstag feiern.

So wurde das Haus im Jahre 1843 an der ersten durchgängigen Bahnverbindung zwischen Köln und Berlin errichtet. Nur wenige Jahre nach der politischen Wende wurde das Gebäude stillgelegt und soll nun wieder belebt werden.

Bahnhof vor 175 Jahren gebaut

Die Pläne verriet der Geschäftsführer der Bewos, Thomas Harborth, während mehrerer Führungen. Wegen des großen Interesses mussten die Gruppen sogar geteilt werden. So erklärte der Bewos-Chef den Interessierten, dass die unteren Flächen bereits an soziale Dienstleister wie beispielsweise eine Physiotherapie vermietet werden wird. Der erste Stock soll der Bewos selbst vorbehalten sein. „Wir werden hier unseren Hauptsitz haben und das Gebäude in der Wasserrenne leerziehen. Doch auch dort gibt es bereits Nachnutzungskonzepte, es werden soziale Dienstleistungen einziehen“, verriet der Geschäftsführer.

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Doch oben im ersten Stockwerk angekommen hatten plötzlich Teilnehmer mehr von der Vergangenheit zu erzählen als der Bewos-Chef von seinen Visionen. So erzählte beispielsweise Rosel Runge von ihren Erlebnissen in dem altehrwürdigen Gebäude. Denn mehr als zehn Jahre habe sie als Bahnaufsicht mit ihrem damaligen Mann eine Wohnung bewohnt.

Nachnutzung geplant

„Das ist ein schönes Erlebnis heute, in unserer ehemaligen Bleibe zu stehen“, sagte sie und ließ ihren Erinnerungen freien Lauf: „Wir hatten im Gegensatz zu unseren Nachbarn keine Dusche, sondern nur eine Toilette mit Waschbecken. Andere Bewohner hatten ein großes Wohnzimmer und ein Bad.“

Auch Heinz Reschke hatte viel zu erzählen. Denn seine Oma wohnte bis zur Wendezeit in dem klassizistischen Bau, weil Opa Hugo als Eisenbahner unter anderem an der Fahrkartensperre im unteren Teil des Bahnhofs arbeitete. „Als Kind sind wir durch den ganzen Bahnhof geturnt. Und ich erinnere mich, wie ich 40 Eimer mit Kohlen pro Woche aus dem Gewölbekeller bis in die Wohnung getragen habe“, berichtet der Oschersleber. Und den Nordturm habe die Feuerwehr genutzt, um hier nach Einsätzen ihre Löschwasserschläuche zu trocknen.

Auch der ehemalige Bahnhofschef ist zu Gast und schaut sich derweil die Ausstellung in der Lobby des alten Bahnhofes an. Rudolf Hesse war 40 Jahre lang Eisenbahner und hat in den unterschiedlichsten Funktionen für das Riesenunternehmen gearbeitet. „Der derzeitige Zustand des Gebäudes ist erschreckend, aber hier passiert ja jetzt was“, erklärte der Senior gegenüber der Volksstimme.

Fertig in zwei Jahren

Laut Thomas Harborth sollen nämlich schon in zwei Jahren die Sanierungsarbeiten beendet sein und wieder richtiges Lebens einziehen. Der Innenhof mit seinem Schmetterlingsdach erstrahlt bereits in neuem Glanz. Elf Monate habe die Bearbeitung des Antrags zur Genehmigung gedauert, erzählt er.

Für die Umsetzung der Pläne wünschte Noch-Landrat Hans Walker, der auf seiner Abschiedstour am Bahnhof vorbeischaute, der Stadt und der Bewos viel Erfolg. Auch Ex-Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) fand ein paar Worte: „Die Entwicklung dieses Areals begann ja bereits im Jahr 2005 mit dem Schnittstellenprogramm. Heute fällt der Startschuss für die weitere städtebauliche Entwicklung der Stadt. Dafür gilt der Bewos mein Dank.“ Nun hoffe er, dass die Leute in Oschersleben nicht nur in den Zug ein-, sondern auch aussteigen.

Wer das Gebäude bereits in Augenschein genommen hatte, konnte sich auf dem Außengelände vergnügen. Für Musik sorgte die Big Band der Kreismusikschule „Kurt Masur“. Außerdem war Bauchredner Steffen Bistry mit seiner Figur, dem Schweinehund, auf der Bühne. Ferner versorgten die Damen des Lions-Clubs „Oscherleben – Die Börde“ die Besucher mit frisch gebackenem Kuchen. Die Kinder vergnügten sich in der Hüpfburg oder an der Schminkstation. Gefeiert wurde bis in den Abend.