Oschersleben l Es machte ein Unfall an einem Bahnübergang in Magdeburg Schlagzeilen. Weil eine junge Frau die Gleise betreten hat, obwohl die Schranken geschlossen waren, wurde sie von einem Zug erfasst. Dabei zog sie sich schwerste Verletzungen zu.

Auch Oschersleben hat zumindest einen neuralgischen Punkt, an dem Unverantwortliche die Schienen betreten, um sie überqueren. Der inzwischen geschlossene Bahnübergang in der Anderslebener Straße stand deshalb jüngst wiederholt im Fokus der Behörden. So trafen sich Ingo Kühl von der Bundespolizei, der Regionalbereichsbeamte der Polizei, Peter Hartling, sowie zwei Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung, Gabriele Lomott und Annegret Sterz, am neuen Wendehammer an der Einfahrt zum Schrottplatz. „Wir wissen, dass hier etwa 30 Personen täglich illegal die Bahngleise betreten, um diese an dieser Stelle zu überqueren“, erklärte Ingo Kühl.

Zaun bewusst zerstört

Zugleich zeigt der Bundespolizist auf einen Zaun, der bewusst zerstört worden ist, um die Gleise ungehindert betreten zu können. „Der Zaun ist schon seit längerer Zeit beschädigt. Deswegen stehen wir heute nicht das erste Mal hier“, ergänzte Polizist Peter Hartling. Beide Beamten betonen, dass das Betreten und Überqueren der Gleise strengstens verboten ist. Die ehemaligen Schranken an dieser Stelle öffneten sich zum letzten Mal, als im November 2017 der Tunnel in der Magdeburger Straße/Schermcker Straße für den Verkehr freigegeben wurde. Zu den Planungen der Bahn gehörte von Beginn an, dass die Schranke in der Anderslebener Straße fällt und eine Sackgasse nebst Wendehammer gebaut wird. Diese Arbeiten sind nun so gut wie erledigt. Mit dem Ergebnis, dass Autos, Radler und Fußgänger nur noch über den neuen Tunnel die Seiten wechseln können. Doch dieser Weg ist vielen wohl zu weit.

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In den vergangenen Wochen sind von den Bauarbeitern auf beiden Seiten der Gleise Gräben gezogen worden. Dies hat nun zur Folge, dass illegale Gleisbetreter die Schienen diagonal überschreiten müssen und damit einen noch längeren Weg in Kauf nehmen. „Dies macht die ganze Sache umso gefährlicher“, betonte Ingo Kühl und fügte hinzu: „Wir haben hier sogar Senioren gesehen, die mit Rollator über die Gleise gehen. Die Menschen, die das machen, spielen mit ihrem eigenen Leben und das anderer Menschen.“ So seien herankommende Züge oft nicht zu hören. „Die übersieht man dann mal und schon wird man von der Lokomotive erfasst. Ein Zug benötigt bis zu 1000 Meter an Bremsweg“, warnte Kühl.

Betreten kann teuer werden

Das illegale Betreten von Schienen ist nicht nur gefährlich, es kann auch teuer werden. So informierte Kühl, was illegalen Gleisüberschreitern droht, wenn sie erwischt werden. Mit 25 Euro werde der Betreffende zur Kasse gebeten. „Wenn allerdings ein Zug bremsen muss oder noch Schlimmeres passiert, bewegen wir uns im Bereich der Straftatsbestände. Hier drohen Strafen bis hin zum Freiheitsentzug“, warnte der Bundespolizist.

Nun geht es darum, wer für die Reparatur des defekten Zauns zuständig ist. Laut Annegret Sterz und Gabriele Lomott ist das die Bahn. Wie Ingo Kühl berichtet, werde es in naher Zukunft Kontakt mit dem Unternehmen geben um zu klären, wie der Zaun möglichst schnell erneuert werden kann. Die Bahn habe bereits Unterstützung zugesagt, um den Bereich möglichst schnell zu sichern. „Wir wünschen uns einen sogenannten Stabgittermattenzaun, wie er schon am ehemaligen Bahnübergang in der Fabrikstraße verbaut worden ist“, sagt Kühl. Dieser sei nur schwer zu überwinden, nahezu unzerstörbar und habe sich bewährt.