Oschersleben l In der Bodestadt steht eines der ältesten Bahnhofsgebäude Deutschlands, 1843 errichtet. In 176 Jahren ist viel passiert, wurde der Bahnhof 1905 erstmals umgebaut, entstand 1960 die heute noch vorhandene Eingangshalle. 2005 gab die Deutsche Bahn das Gebäude auf, 2010 erfolgte ein erster Verkauf, 2012 erwarb die Bewos das Bahnhofsgebäude. Erste Sanierungsarbeiten begannen. 2014 folgte die Sanierung des Hauptdaches, 2017 wurde das schon einmal vorhandene Glasdach wieder eingebaut. Damals musste die Bewos ein Jahr auf die Baugenehmigung warten.

Als nun die Genehmigung für die Sanierung des gesamtes Gebäudes im April eintrudelte, waren acht Monate seit der Antragstellung vergangen. Fast alle kritischen Punkte, die mit der Sanierung des historischen Gebäudes einher gehen, seien ausgeräumt. Fast alle. Die Frage, wie mit den von Fliesen ummantelten gusseisernen Stützen zu verfahren ist, bleibt offen. Gerade Stadtchronist und Architekt Günther Blume kann sich der Meinung der Denkmalpfleger, derartige Stützen seien zur Zeit der Entstehung der Bahnhöfe sozusagen Massenware, nicht anschließen.

Streit um Fliesen schwelt weiter

„Das mag ja in Magdeburg so gewesen sein, aber nicht hier. Es handelt sich um eines der ältesten Bahnhöfe Deutschlands“, betont er. Und Bewos-Geschäftsführer Thomas Harborth verweist nochmals darauf: „Der Träger für das Glasdach hingegen musste in seiner Form erhalten werden. Das war ein schwieriger Gang.“ Die Fliesenummantelung der gusseisernen Stützen habe keinerlei Funktion. Ihr DDR-Charme, wie es die Denkmalpfleger sehen, würde an den Wänden der Eingangshalle des einstigen Bahnhofs erhalten bleiben. So jedenfalls zeigen es die aktuellen Baupläne.

Nichtsdestotrotz sehen alle Beteiligten dem Baustart optimistisch entgegen. Zum offiziellen Start hatten sich nun Willi Altendorf (Elektroplanung), Andreas Röper (Sanitärplanung), Burkhard Przyborowski und Kirsten Lipplet (Architekten), Melanie Claus (Landschaftsplanerin), Günther Blume (Stadtchronist), Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer und die Vertreter der Bewos, Simone Siermann und Thomas Harborth, in der einstigen Eingangshalle des Bahnhofs versammelt.

Noch einmal wurde ein Blick auf die Zeichnungen geworfen, ehe diese in einer Hülse samt der Baugenehmigung, Kleingeld, einer Volksstimme und einem Speicherstick verschwanden. „Ob der wohl noch lesbar ist, wenn die Hülse wieder ausgegraben wird?“, fragten sich die Frauen und Männer. Anschließend wurde die Hülse im Erdgeschoss versenkt.

Baugenehmigung ist ein Meilenstein

„Wir sind stolz, dass wir hier mitspielen können. Ich bin überzeugt, dass hier die neue Mitte von Oschersleben entsteht. Welche Stadt hat schon so ein bedeutendes Bahnhofsgebäude“, meinte Architekt Burkhard Przyborowski auch mit Blick auf das gesamte Areal des einstigen Bahngeländes. Immerhin würden hier auf 15.000 Quadratmeter eine neue Schwimmhalle, ein Jugendzentrum mit Außengelände entstehen.

In Sachen Bahnhofssanierung war schon mehrfach vor allem Geduld gefragt. Ein Jahr es gedauert, ehe 2016 die Genehmigung für den Einbau des Glasdaches erteilt wurde. Im gleichen Jahr wurde auch der Abriss des Bahnsteigdaches erteilt. Abgerissen wurde das Dach Anfang Mai 2019. Da die Arbeiten aber sehr nah am Gleis stattfinden, mussten hier Fachplaner der Bahn ran.

„Wichtig ist, dass wir den Leuten zeigen, dass hier etwas passiert. Die Baugenehmigung ist ein wichtiger Meilenstein. Nun kann die bewegte Geschichte dieses Gebäudes für die Zukunft fortgeschrieben werden“, sagte Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos). Der Umbau des Bahnhofs sei mit 3,9 Millionen Euro geplant. Der Zuschuss aus dem Fördermittelprogramm „Stadtumbau Ost“ liegt bei 71 Prozent. „Ohne Fördermittel wären die Mieten zu hoch. Erdgeschoss und Obergeschoss sind bereits entsprechend der Mieter geplant“, so Harboth. 2021 soll die Sanierung abgeschlossen sein.