Beerdigung in biologisch abbaubarer Urne unter ausgesuchten Bäumen

Bestattung im Harbker Wald: An der Ruine entsteht ein Ruheforst

Von Ronny Schoof

Im Harbker Wald werden vom kommenden Frühjahr an Bestattungen ermöglicht. Der Gemeinde und dem Privatbetreiber liegen die entsprechenden Genehmigungen vor. Geschaffen wird ein Naturfriedhof unter der Patentmarke RuheForst.

Harbke l Acht Jahre alt sei die Idee bereits, einen Teil des Floridatals im Harbker Lustwald zu einer Stätte der ewigen Ruhe zu widmen, erklärt Bürgermeister Werner Müller. Eigentümer Harald Binroth von der Harbker Wald GbR sei 2005 mit diesem Gedanken erstmals an die Gemeinde herangetreten, woraufhin im Oktober 2006 vom Gemeinderat auch ein Grundsatzbeschluss gefasst wurde, auf den Flurstücken 499 und 500 nahe der Turmruine einen Naturfriedhof zu etablieren. "Die Umsetzung dieses Beschlusses sollte sich jedoch als schwierige und langwierige Angelegenheit erweisen", so Müller.

Zwar gebe es bundesweit etliche solcher Anlagen, aktuell allein 55 unter der Marke "RuheForst", aber für Sachsen-Anhalt mussten Eigentümer, Gemeinde und Verwaltung absolutes Neuland beschreiten. "Es gab einiges zu klären, schon was die Zuständigkeit im Land angeht; ebenso bei der bestehenden Gesetzeslage, da sich bei diesem Konzept kommunale und privatrechtliche Belange kreuzen", beschreibt der Bürgermeister die Schwierigkeiten bei der Zulassungsfindung. Nach langem Hin und Her habe man letztlich den vom Ordnungsamt ausgearbeiteten Vertrag nebst Satzung "einfach beim Land eingereicht" und sich gesagt: "Entweder wird es jetzt so abgelehnt oder genehmigt." Letzteres war der Fall.

"Damit wird das in Sachsen-Anhalt der erste RuheForst, der in einem Privatwald über die Gemeinde betrieben wird", stellt Werner Müller fest. Harald Binroth dazu: "Wir haben jetzt sozusagen eine Vorreiterrolle eingenommen, aber es hätte mich doch sehr gewundert, wenn es ausgerechnet hier nicht geklappt hätte, wo es doch im ganzen Rest der Republik funktioniert." Zur eigentlichen Idee meint Binroth: "Diese Form der Bestattung kommt hierzulande immer mehr in Gebrauch. Und es bietet sich im Floridatal auch an, weil das Areal der Ruine mit dem Ehrenhain für Kriegsgefallene ohnehin schon eine Gedenkstätte ist."

Binroth wolle in den nächsten Monaten nun die ersten zwei Hektar so herrichten lassen, dass die Waldesruhestätten den Anforderungen der Marke RuheForst sowie den ordnungsrechtlichen Vorgaben entsprechen. In Kraft treten soll die jüngst beschlossene Friedhofssatzung "RuheForst Harbker Wald" im April 2014. Darin ist auch klar geregelt, dass es sich um eine öffentliche Einrichtung unter Trägerschaft der Gemeinde Harbke handelt. Bestattungen erfolgen unter ausgewählten Bäumen ausschließlich unter Verwendung von biologisch abbaubaren Urnen. Das Erscheinungsbild des Waldes bleibe dabei unverändert, betont Binroth, was unter anderem bedeutet, dass keinerlei Grabsteine oder Umfriedungen zulässig sind.