Gröningen l Im nächsten Jahr wird es 95 Jahre her sein, dass sich in Gröningen ein Kleingartenverein gründete. Ursprung der 16 Hektar großen Anlage ist das „Geschenk“ eines Großgrundsbesitzers an elf Arbeiter. Das war 1924. Die besagten elf Arbeiter gründeten 1926 dann den Kleingartenverein. Besonderheit der Gröninger Kleingartenanlage zu jener Zeit: Der Verein war Besitzer von Grund und Boden. Das sollte sich zu DDR-Zeiten ändern. Erst 1990, nach der Wende, konnte die Rückübertragung an den Verein erfolgen. „Wir sind somit wieder die Eigentümer der 16 Hektar“, erzählt Bianka Breier. Sie ist seit einigen Jahren Vorsitzende des Gröninger Kleingartenvereins, kommt seit Mitte der 1990er Jahre aus Magdeburg in die Kleingartenanlage.

Und mit Besitz des Grund und Bodens und der Tatsache, dass der Verein nicht Mitglied eines übergeordneten Verbandes ist, kann die Pacht gering gehalten werden. Lediglich drei Cent pro Quadratmeter plus 20 Euro Mitgliedsgebühr sind zu entrichten. Sechs Arbeitsstunden pro Jahr leisten die Mitglieder. Dann werden die Wege gepflegt, in Brachgärten gemäht oder Bäume gefällt. Wegen der Corona-Pandemie müssen die gemeinsamen Arbeitseinsätze aktuell ausfallen. Aber Bianka Breier weiß, dass sie sich auf ihre Kleingärtner verlassen kann und so zeigen sich an diesem Sonnabend auch die brachliegenden Gärten gemäht, haben etliche Vereinsmitglieder eben allein und nicht in der Gemeinschaft die Arbeiten erledigt. „Wir helfen uns hier alle gegenseitig“, erklärt Bernd Witteborn. Seit 1990 ist er Kleingärtner, aktuell kommt er täglich in seinen Garten. Selbst im Winter schaut das Vorstandsmitglied regelmäßig nach dem Rechten, füttert die Vögel.

Und ehe es in Vergessenheit gerät, soll an dieser Stelle an weitere Besonderheit nicht unerwähnt bleiben. Bis vor kurzem hatte der Kleingartenverein Gröningen einen Chor. Da aber der Leiter verstorben ist, löste sich der Chor auf.

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Und während Bianka Breier durch die Kleingartenanlage führt, kreist über unseren Köpfen der Rotmilan, haben die zahlreich vertretenden Singvögel ein Begrüßungskonzert angestimmt. „Hier stolziert sogar der Storch vorbei“, berichtet die Vorsitzende. Sie versteht die Kleingartenanlagen, das Wirken der Kleingärtner als Umwelt- und Naturschutz im wahrsten Sinne des Wortes.

Viele Laubenpieper aktiv

An diesem Sonnabendvormittag sind etliche Laubenpieper auf ihren Parzellen anzutreffen. Junge Leute, die vor einem Jahr einen Garten übernommen haben, „werkeln“ weiter an der Gestaltung ihres Gartens, an anderer Stelle genießen die „alten“ Hasen ihr Domizil, so wie Erika und Gerhard Behrenroth. Seit September 1972 sind sie Kleingärtner. „Damals mussten wir uns noch anmelden, gab es eine Warteliste“, erzählt das Ehepaar. Auch sie gehören zu jenen Leuten, auf die sich der Vorstand immer verlassen kann, wenn Hilfe benötigt wird. Gerhard Behrenroth hat selbst etliche Jahre im Vorstand mit gearbeitet. Neben ihren eigenen Parzellen betreuen Behrenroths auch einen Pflegegarten. Die 74-Jährige und der 77-Jährige haben sich im wahrsten Sinne des Wortes häuslich eingerichtet, schlafen in den Sommermonaten im Garten. Einen Brunnen haben sie sich nach der Wende selbst gebaut. „Dank unseres Gartens sind wir geistig und körperlich fit“, meint Erika Behrenroth. Einen wahren Wissenschatz können sie wie auch viele andere erfahrene Kleingärtner an Jüngere weitergeben. „Diese Erfahrungen müssen wir bewahren, dürfen uns nicht verloren gehen, davon können die Jüngeren profitieren“, meint Bianka Breier. Sie selbst hat ein großes Wissen rund um Kräuter und Heilpflanzen. Und ich verlasse die Kleingartenanlage mit wertvollen Tipps zum richtigen Beschneiden meiner Rosen.

Längst nicht alle Kleingärten sind auf dem riesigen Areal vergeben. Gerade die alteingesessenen Laubenpieper nehmen oft einen zweiten, einen sogenannten Pflegegarten dazu, damit die Anlage sauber und gepflegt ist. Mithilfe der Gröninger Bürgerstiftung konnten in den vergangenen Jahren Aufsitzrasenmäher und Balkenmäher angeschafft werden. „Wir haben auch Gelder beantragt, um einen Blumenwiese anlegen zu können. So bekommen brach liegende Gärten eine Nutzung, kommen auch die Imker, davon haben wir zwei in der Anlage, auf ihre Kosten. Mithilfe einer weiteren Zuwendung aus der Bürgerstiftung wollen wir unsere Vereinslaube sicherer machen, denn darin befindet sich unser Archiv und das Lager“, erklärt Bianka Breier. Sie lobt darüber hinaus die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Gröningen und der Verbandsgemeinde.

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, der kann sich unter der Telefonnummer 0173/936 35 09 gern nach einem freien Garten erkundigen und vielleicht einen Besichtigungstermin vereinbaren.