Wackersleben l Die Situation, sagt Heimleiterin Nicole Böttger, sei für die Senioren „schon sehr bedrückend“. Insbesondere das Besuchsverbot, aber auch der eingeschränkte Kontakt untereinander mache den 26 Bewohnern zu schaffen. „Wir sind daher bemüht, intern viel Abwechslung reinzubringen“, so Böttger. „Und im Hinblick darauf wollen wir uns Neuem nicht verschließen.“ Warum also nicht auch mal modernste Technik nutzen?

Diesem Gedanken folgend, hat Böttger für die Bewohner eine so genannte VR-Brille angeschafft. VR steht für Virtuelle Realität und ist vor allem unter Computerspielern ein gängiger Begriff. Mittlerweile ist VR allerdings noch in viele weitere Bereiche vorgedrungen – so auch in den der Seniorenbetreuung. Nicole Böttger erklärt dazu: „Diese Brille wurde extra für Senioren entwickelt. Sie ist mit Filmaufnahmen von beliebten Orten wie Parks, Zoos und Stränden programmiert. Der Benutzer kann also virtuell dorthin reisen und ganz realitätsnah Erholung und Erlebnisse genießen, ohne die eigenen vier Wände zu verlassen.“

Die 95-jährige Irmgard Junge war eine der Ersten, die dieser Tage von der neuen Art des Rauskommens Gebrauch machte – und sie war ganz aus dem Häuschen. Einen Ausflug an die Ostsee hatte sie sich ausgesucht. Für 20 Minuten, so lange laufen die in der Brille enthaltenen Filmchen, war das Meer zum Greifen nah. Die Investition habe sich gelohnt, meint Nicole Böttger: „Die Senioren waren bei der ersten Probe begeistert. Erinnerungen an Orte, die man mit Freunden oder den Kindern besuchte. Oder sich an Orte träumen, das ist einfach himmlisch und gibt Lebensfreude, und Biografiearbeit macht wieder Spaß. Solche Dinge versüßen uns jetzt die schwere Zeit.“ Einziges Manko: „Nicht für jeden ist die VR-Brille geeignet, weil das Erleben der virtuellen 3D-Umgebung ein starkes Schwindelgefühl erzeugen kann.“

Doch nicht nur das neue Kopfspielzeug bringt Freude und Abwechslung in den Alltag des Wackersleber Alten- und Pflegeheims. Auch so genannte Demenztablets oder die Sandwanne für kreative und feinmotorische Zwecke werden derzeit rege genutzt. „Alle möchten natürlich gesund bleiben und wahren daher den Abstand zueinander“, sagt Böttger. Auf der anderen Seite sehne man sich nach sozialen Kontakten, nach Nähe und Zugehörigkeit. „Wir müssen also Wege finden, etwas Schönes an Beschäftigung und seelischer Auflockerung anzubieten.“ Über Ostern gehörte dazu neben einem kleinen Trompetenkonzert auch eine Ausstellung von Bildern, die Kinder der evangelischen Grundschule Magdeburg gemalt hatten, um den Senioren eine Freude zu machen.