Oschersleben l Der Malteser Hilfsdienst unterstützt Asylbewerber in ihrer Gemeinschaftsunterkunft auf diesem Weg. Doch die Corona-Pandemie erschwert diese Arbeit. Aus der Heimat in ein fremdes Land zu flüchten, ist für viele Menschen unvorstellbar. Eine neue Sprache erlernen oder sich an eine neue, unbekannte Kultur anpassen sind nur zwei von mehreren Dingen, mit denen man sich auseinandersetzen muss.

Geflüchteten Menchen bei Integration helfen

Um den geflüchteten Menschen bei der Integration zu helfen, gibt es in Oschersleben eine Gemeinschaftsunterkunft des Malteser Hilfsdienstes. Hier leben derzeit 100 Asylbewerber. Kathrin Stein leitet die Unterkunft und hilft den Menschen gemeinsam mit ihren Mitarbeitern, sich zu integrieren.

„Wir versuchen zu erklären, wie Deutschland funktioniert“, sagt sie. So helfen sie unter anderem bei Behördengängen und bieten Integrationskurse an. Bei Projekten versuchen sie, dass die Flüchtlinge in Kontakt mit Oschersleber Bürgern treten. Eines davon ist das Frauenprojekt. Pegah Amini, Ehrenamtskoordinatorin in der Gemeinschaftsunterkunft, leitet es. Denn bei den Projekten sind ehrenamtliche Helfer sehr wichtig. Beim Nähcafé treffen sich Ehrenamtliche und Asylbewerber, um nicht nur zu nähen, sondern auch um sich auszutauschen. Um die deutsche Sprache besser zu lernen, gibt es das Sprachcafé. Außerdem haben die Malteser einen Schrebergarten, in dem die Asylbewerber und die Ehrenamtlichen sich mit der Gartenarbeit beschäftigen.

Schrebergarten für eine gemeinsame Nutzung

Doch all diese Dinge sind seit 2020 nicht mehr möglich. Corona machte dem Projekt einen Strich durch die Rechnung. In der Gemeinschaftsunterkunft sei es ruhig geworden, berichtet Kathrin Stein. „Gerade ist es schwierig, Integration zu leben, wegen Corona“, sagt sie. Denn Integration finde viel über die Sprache statt. Die angebotenen Sprachkurse sind ebenfalls momentan nicht möglich. Durch vorherige Terminvereinbarungen entschleunigen auch Behördengänge und Arztbesuche den Alltag. Hinzu kommt, dass viele Bewohner durch ihren Aufenthaltstitel keine Möglichkeit haben, die deutsche Sprache zu lernen oder arbeiten zu dürfen. Einige seien nur geduldet. Ihr Antrag auf Asyl wurde abgelehnt. „Sie können nicht abgeschoben werden, weil sie ihren Pass nicht abgegeben haben“, erklärt Kathrin Stein. Wenn sie den Pass abgeben, könnten sie eine Arbeit aufnehmen. Doch laut der Einrichtungsleiterin habe es schon viele negative Beispiele gegeben, bei denen Bewohner ihren Pass abgaben und abgeschoben wurden. Daher haben viele Bewohner Angst, dass es ihnen genauso ergeht.

Kontakt teilweise über Youtube-Videos

Um den Kontakt zu den Ortsansässigen zu behalten, wird das nun über den digitalen Weg versucht. „Wir versuchen gerade, über Social-Media-Kontakte Sprachtandems zu initiieren“, sagt Pegha Amini. Dadurch können auch Freundschaften entstehen, ist sie sich sicher. Auf dem Internet-Videoportal Youtube hat Pegha Amini Handarbeitsvideos hochgeladen. „Auf die Dauer funktioniert es nicht“, sagt sie. Das Produzieren der Videos nehme viel Zeit in Anspruch. Regelmäßig bekomme sie Rückmeldungen, dass es schade sei, dass die Freizeitaktivitäten nicht stattfinden können. Gerade für die Kinder in der Unterkunft sei es schwer. Durch die Notbetreuung in Schule und Kita sind sie unter sich. „Die deutsche Sprache kann nicht so schnell gelernt werden“, sagt Kathrin Stein. Denn im Alltag sprechen sie mit ihrer Familie ihre Muttersprache. Im Kinder- und Jugendzentrum „ Der Treff“ in Oschersleben wird derzeit Hausaufgabenhilfe für die Kinder angeboten.

Ehrenamtliche sind wichtige Helfer

Ein wichtiger Bestandteil der Integrationsarbeit sind die ehrenamtlichen Helfer. Direkt für die Gemeinschaftsunterkunft engagieren sich derzeit acht Helfer. Unter ihnen sind Einheimische und ehemalige Bewohner der Unterkunft. Seit 2016 besteht auch eine Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft (AG) Willkommenskultur. Hans-Ekkehard Stieglitz ist der Koordinator der Netzwerkstelle für ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe des Kirchenkreises Egeln für den Landkreis Börde. Er koordiniert außerdem die AG Willkommenskultur. Hier helfen etwa 30 Ehrenamtliche bei der Integration der Asylbewerber in Oschersleben. „Hier in Oschersleben können wir mittlerweile stolz darauf sein, dass wir pari haben“, so Stieglitz. Denn auch bei der AG Willkommenskultur engagieren sich Menschen mit Migrationshintergrund ehrenamtlich. Laut Stieglitz werde die Integrationsarbeit noch viele Jahre dauern. Man müsse weg von der Flüchtlingsarbeit hin zur Integrationsarbeit.

„Wir möchten eine Willkommenskultur schaffen mit internationaler Nachbarschaft“, sagt der Koordinator. Durch die positive Zusammenarbeit mit der Gemeinschaftsunterkunft des Malteser Hilfsdienstes sind auch weiterhin gemeinsame Projekt geplant. Erika Schütze ist eine ehrenamtliche Helferin. Beim Nähcafé ist sie auch mit dabei. Kontakt zu den anderen Frauen hält sie über WhatsApp. „Da wird dann mal ein Foto geschickt von den fertigen Arbeiten“. Auch die AG Willkommenskultur schlägt den digitalen Weg ein. Über die Internetplattform Zoom werden jetzt Treffen organisiert. „Ich bin jetzt bei den Ehrenamtlichen unterwegs, um bei ihnen Zoom am PC einzurichten“, so Stieglitz. Dann solle das Quasselcafé, das sonst im „Treff“ stattfindet, online ermöglicht werden.

Kathrin Stein ist sich sicher, dass das Thema Integration die Bevölkerung noch viele Jahre begleiten werde. Denn noch immer kommen viele Flüchtlinge nach Deutschland. Doch in den Medien ist es ruhig geworden. Es scheint so, als gebe es keine Flüchtlinge mehr. „Sie sind da, wir sehen sie nur nicht“, sagt Kathrin Stein.