Oschersleben l Das Stehpult für das Gästebuch macht sich gut direkt am Eingang des neuen Oschersleber Schulmuseums. Grit Röhrborn und Kristin Zybura von der Geschäftsführung der Wohnungsgenossenschaft „Neues Leben“ haben es gerade in den Keller der Puschkin-Sekundarschule getragen. Hier hat das Museum in den vergangenen Wochen mehr und mehr Gestalt angenommen. Und an diesem Nachmittag herrscht geschäftiges Treiben in den Räumen. Hans-Georg Hahn und Dirk Cholewinski hängen die letzten Tafeln an die Wände des Museums. Die insgesamt 29 Tafeln spiegeln die Geschichte des Schulwesens der Stadt Oschersleben von 1986 bis zum heutigen Tage wieder. Das Schulmuseum wird sechs Ausstellungsbereiche umfassen. Es wird die Geschichte des Schulgebäudes, der Oschersleber Schulen und die Entstehung des Museums erzählt. Die Museumsbesucher erleben die alte bürgerliche Schule mit ihren Lehrmethoden, den alten Bänken und den Schiefertafeln. Diese und auch Federkiel samt Tintenfässer sind nicht einfach nur zum Angucken, sondern zum Ausprobieren da. Schließlich soll es ein Museum zum Mitmachen und Anfassen sein.

In einem weiteren Themenblock wird über die Folgen des Krieges und über den Neuanfang nach dem Krieg berichtet. Im neuen Oschersleber Schulmuseum wird die Schule in der DDR von der Jugendarbeit, über die Mitwirkung der Eltern und die poytechnische Erziehung genauso eine Rolle spielen, wie die Geschichte des Kinderspielmannszuges Oschersleben. Schließlich findet der Besucher eine Lesecke vor, in der Jung und Alt nach Herzenslust in alten Büchern und Dokumenten stöbern können und dürfen.

Gunhild Dannenberg, die Vorsitzende des Fördervereins Schulmuseum Oschersleben, freut sich, dass ihre Idee von „Schülerlotsen“, die durch das Museum führen, unter den Schülern großen Anklang fand. Selbst in der 10. Klasse. Lilly Victoria Winkelmann und Yves Niclas Triebener sind an diesem Nachmittag in eine alte Schuluniform geschlüpft. Sie und auch Samira Meier wollen das, was sie selbst über die Schulgeschichte Oscherslebens erfahren haben, gern an Besucher weiter geben.

Bilder

Sammeln, bewahren, dokumentieren

„Sammeln, bewahren und dokumentieren – das sind die großen Ziele unseres Schulmuseums, das wir auch als ‚Lernlabor‘ verstehen. Entstehen wird ein außerunterrichtlicher Lernort mit unterrichtsergänzender Aufgabenstellung. So können wir uns generationsübergreifende Zeitzeugenprojekte, beispielsweise Interviews mit ehemaligen Schülern vorstellen“, berichtet Gunhild Dannenberg. Sie und ihre Mitstreiter vom Förderverein sind nach wie vor überwältigt von den zahlreichen Spenden und Leihgaben für das Museum. Egal, ob Schulbücher, Fotos oder noch gepackte Schultaschen, als würde der ehemalige Schüler sich gerade auf den Weg zur Schule machen wollen. „Genau so wichtig oder noch wichtiger sind die Schulgeschichten, die Erinnerungen, die uns etliche Oschersleber aufgeschrieben haben. Würden die Menschen sie nicht aufschreiben oder uns erzählen, würden sie der Nachwelt verloren gehen. Darum sind uns diese Geschichten so wichtig. Darauf sind wir weiterhin gespannt und rufen die Menschen in Oschersleben und Umgebung auf, ihre Schulerinnerungen aufzuschreiben oder sich bei uns zu melden“, ruft Gunhild Dannenberg auf. Die Schulgeschichten sollen gesammelt und möglicherweise als Buch heraus gegeben werden.

Im Übrigen gab es an der Puschkin-Sekundarschule schon einmal ein Schulmuseum. Es bestand von 1986 bis 2013.

Die ersten Rundgänge durch das Schulmuseum starten am Sonntag, 8. September, von 15 bis 17 Uhr startet werden.