Sicherungsarbeiten

Frischekur für eines der ältesten Häuser Oscherslebens

Kornstraße 17 stammt aus dem 16. Jahrhundert / Sicherung und Sanierung geplant

Von André Ziegenmeyer
Bürgermeister Benjamin Kanngießer (rechts) übergibt den Förderbescheid an Investor Vasil Kress. Fotos: André Ziegenmeyer

Oschersleben. Seit vielen Jahren steht das Haus an der Ecke Kornstraße/Mittelstraße leer. Mittlerweile bietet es einen eher traurigen Anblick. Doch das soll sich ändern. Denn das denkmalgeschützte Fachwerkgebäude gehört zu den ältesten Häusern der Stadt.

Auf dem Türsturz findet sich die Inschrift „Andreas Brands und Margareta Stolten Anno 1701“. Doch wie Günther Blume erklärt, reicht die Geschichte des Hauses vermutlich sehr viel weiter zurück. Der Architekt hat unter anderem eine dreibändige Chronik über Oschersleben verfasst und sich auch mit der Historie der Kornstraße 17 beschäftigt. Seinen Recherchen zufolge hat das Haus schon den großen Stadtbrand von 1688 überstanden. Damals seien mehr als 70 Prozent der Häuser in Oschersleben abgebrannt.

Wie Günther Blume informiert, wurden Tür und Sturz vermutlich nachträglich eingebaut. „Die Balkenköpfe der oberen zwei Etagen verweisen auf ein älteres Erbauungsdatum des Hauses, nämlich eher im 16. Jahrhundert“, so der Fachmann. Außerdem kragen die oberen beiden Geschosse aus. Das bedeutet, dass sie ein bisschen größer sind als das jeweils darunter liegende Stockwerk. Diese Bauweise ist laut Günther Blume typisch für das 16. Jahrhundert. Das heutige Dach des Gebäudes sei dagegen nicht historisch, sondern ein Notdach, das zur Sicherung des Gebäudes zu DDR-Zeiten errichtet wurde.

Das Besondere des Gebäudes sei darüber hinaus seine Größe. „Typisch waren zu jener Zeit eher Zweigeschosser. Ein dreistöckiges Haus lässt daher auf eine eher wohlhabende Familie schließen, die es errichten ließ“, erläutert Günther Blume.

Nun blickt das Gebäude einem neuen Frühling entgegen. Das liegt an Vasil Kress, der in Magdeburg wohnt und das Haus 2019 gekauft hat. Unterstützt wird er von Lutz Bittner, der sich unter anderem als Vorsitzender des Vereins „Kirche und Kunst Emmeringen“ engagiert. Wie Bittner informiert, wurde das historische Gebäude bereits beräumt. Decken und Böden seien freigelegt, damit sie durch Gutachter in Augenschein genommen werden können. Der benachbarte Klinkerbau an der Mittelstraße soll dagegen eventuell abgerissen werden.

Wie Lutz Bittner erläutert, sei unklar, wie lange die Kornstraße 17 schon leer steht. Nach der Wende habe es mehrere Eigentümer gegeben. Nun solle aus dem Gebäude ein Geschäfts- und Wohnhaus werden. Bis Ende 2022 sollen Sicherung und Sanierung abgeschlossen sein.

Finanzielle Hilfe erhält Vasil Kress durch Mittel aus der Städtebauförderung. Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer überreichte dem Investor einen entsprechenden Bescheid. „Ich freue mich besonders, dass wir etwas für dieses Gebäude tun können“, betonte Benjamin Kanngießer. Denn die Kornstraße 17 sei zum einen sehr alt und zum anderen auch sehr markant.

Wie der Bürgermeister informierte, wird die Sicherung des Gebäudes mit rund 525.000 Euro unterstützt. Hinzu kommen Eigenmittel von etwa 93.000 Euro. Die nötige Sanierung wird nicht gefördert. Sie ist allein Sache des Investors. Doch wie der Bürgermeister erklärte, habe man durch die Städtebauförderung in den letzten Jahren bereits viel für den Erhalt historischer Gebäude tun können.

Wie Lutz Bittner ankündigte, werde es einen Antrag an die Stadt geben, dass auch Oscherslebens Stadtwächter in der Kornstraße 17 sein Domizil erhalten soll. Dahinter stehe die Idee eines Geschichtspfades durch die Stadt, den der Wächter bei seinen Führungen abschreite und der genau an diesem Haus beginnen solle.

„Außerdem gibt es die Idee, ein Brettspiel mit dem Stadtwächter für Oschersleben zu entwickeln“, erläuterte Lutz Bittner. So etwas gebe es bereits in anderen Kommunen. Der Verein „Kirche und Kunst Emmeringen“ sei gern bereit, das aufzugreifen.