Oschersleben l In Oschersleben ist das Bier schon seit Jahrhunderten ein beliebtes Getränk. Wurde zunächst in Klöstern und Herrensitzen gebraut, gab es 1402 schon die erste „Taberne“, in der Bier ausgeschenkt werden durfte. Im 17. Jahrhundert kamen dann zwei Brauhäuser dazu. Korn und Hopfen kamen aus der Stadt und der Umgebung. Im 19. Jahrhundert gab es dann schon fünf städtische Bierbrauereien. 1865 wurde die Germania Brauerei als „Brauerei Oschersleben“ gegründet. Diese stellte 1995 den Betrieb ein.

Gelernter Braumeister

Einer, der die Zeit in der Germania Brauerei miterlebte, ist Hartwig Bölke. Von 1969 bis 1991 arbeitete der gelernte Braumeister in der Brauerei. Das Brauen gehört auch heute noch für den 80-Jährigen zum Leben dazu. Denn seit 1999 braut er hobbymäßig in einem kleinen Gebäude in seinem Garten. Sogar ein für ihn erstelltes Wappen ziert die Wand. Im Garten findet man neben Blumen und Tomaten auch eine Zutat, die für die Herstellung von Bier wichtig ist: Hopfen. „Die Ernte scheint in diesem Jahr gut zu werden“, sagt Hartwig Bölke. Mit Beginn der Hopfenernte Ende September/Anfang Oktober stellt der Hobbybrauer etwa 200 bis 300 Liter Bier her. „Ich freue mich, wenn ich wieder Bier brauen kann“, sagt der Braumeister. Den frisch geernteten Hopfen gibt er mit in den Kochtopf. Der Hopfen könne aber auch getrocknet werden. Hartwig Bölke braute über 17 Biersorten. Mittlerweile hat er sich auf die Standardbiere beschränkt. Dazu zählen Pilsener, Schwarzbier, Bockbier und das Rubin. Letzteres ist eine Mischung aus Cola und hellem Bier. Auch das in der Germania Brauerei und bei den Oscherslebern damals sehr beliebte Gambrinus hat Bölke in seiner kleinen Braustube schon hergestellt.

Das fertige Bier füllt er in zwei bis drei Liter-Flaschen ab. Bis vor kurzem gab Bölke noch Brauseminare. Hier kamen sogar Gäste aus Miami, um das selbst gebraute Bier zu kosten. „Hier in Oschersleben hat das Bier einen besonderen Geschmack“, ist im Gästebuch von Bölke zu lesen.

Wissen wird weitergegeben

Hartwig Bölke gibt sein Wissen gern an andere Interessierte weiter. So auch an Utz Hehne. Der Wirt des Neindorfer Krugs kam 2006 nach dem Ausfall eines Pächters auf die Idee, sein eigenes Bier zu brauen. „Wenn man das noch nie gemacht hat, braucht man jemanden, der es einem zeigt“, sagt Hehne. Begonnen hat er mit einer Brumas Braueule. Mit dieser kleinen Braumaschine stellte er 30 Liter Bier her. Vor fünf Jahren vergrößerte der Wirt seine Brauanlage. Wo einst die Küche seiner Oma war, braut Utz Hehne nun sein Bier und gibt Brauseminare. Bis man seinen eigenen Geschmack finde, dauere es eine Weile, so Hehne. Doch gerade dieses Ausprobieren mache ihm am Bierbrauen besonders Spaß. „Das hat schon was“, sagt er.

Die Zutaten für seine Biere bekommt er von unterschiedlichen Händlern. Die Gerste ist aus Bamberg. Das Geheimnis des Bierbrauens sei es laut Hehne, wie man aus der Stärke in der Gerste den Zucker bekommt. Anders als Hartmut Bölke verwendet Utz Hehne keinen frischen Hopfen, sonder Hopfenpellets. Sehr gerne nehme er die Cascade Pellets. „Die sind aus Amerika und das Bier wird dadurch fruchtig“, sagt der Wirt. Der Geschmack des Bieres werde durch die Verwendung von Wasser, Hopfen und Hefe gemacht. Auch bei der Hefe greift er auf ein amerikanisches Produkt zurück. „Weil sie relativ neutral ist“, sagt Hehne. Sein fertig gebrautes Bier füllt er in 18 Liter Coca Cola-Fässer ab und stellt es in den Fasskühler. Bei ihm gibt es helles Wiener, Kupferbier oder auch Himbeerweizen. Alles selbst gebraut vom Fass. Etwa 1800 Liter hat er in diesem Jahr bereits gebraut. Vor der Corona-Pandemie waren es 3000 Liter. Es freue ihn, wenn den Gästen sein Bier schmecke.