Kindergarten

Hausschwamm wütet im Schloss Trautenburg in Ottleben

Dieser Balken ist gebrochen, hängt völlig durch. Hier wird ein Stahlträger eingezogen und eine neue Wand gesetzt. Die Alte bleibt allerdings wegen der polychromen Decke drin.
Dieser Balken ist gebrochen, hängt völlig durch. Hier wird ein Stahlträger eingezogen und eine neue Wand gesetzt. Die Alte bleibt allerdings wegen der polychromen Decke drin. Foto: Yvonne Heyer

Von Yvonne Heyer

Ottleben l Robert Arlt von der Planungs-Gesellschaft Börde und verantwortlicher Planer bei der Sanierung der Kindertagesstätte „Schloss Trautenburg“ in Ottleben begrüßt an diesem Morgen die Teilnehmer der Bauberatung vor der Kindereinrichtung. Hier zeigt er auf die nachträglich eingebauten Gauben. Auf der Gebäudeseite, die zum Park zeigt, sowie bis zum Innenhof sind die Arbeiten am Dach und an den Gauben bereits abgeschlossen. „Die Gauben machen schon was her und werten das historische Gebäude auf“, sind sich die Bauberatungs-Teilnehmer einig. Robert Arlt berichtet zugleich, dass das Anbringen der Schindeln gerade in den Kehlen der Gauben schon sehr aufwendig ist. „Ist alles fertig, wird es aussehen wie am Wernigeröder Schloss“, meint der Planer.

Die Gauben und auch „Bullaugen“ im Dach schaffen ausreichend Licht für den im Dachgeschoss geschaffenen Bewegungsraum. Ende August soll dieser fertig sein. Aktuell sind die Handwerker hier dabei, den Fußboden aufzubauen. Dazu gehört eine Schüttung aus Quarzsand und Schallschutz. Kita-Leiterin Kerstin Busse berichtet, dass sich die Kinder schon darauf freuen, dass sie sich hier oben bewegen können. Aber die Mädchen und Jungen wollen vorn dort aus auch die Sterne beobachten. Und für sie gibt es ein weiteres Highlight: Das Dachtragwerk bleibt für sie teilweise sichtbar.

Im Dachgeschoss finden darüber hinaus eine Bibliothek und ein Lagerraum Platz. Hier oben wird einmal mehr sichtbar, wie viel Holz bei der Sanierung der Kita „Schloss Trautenburg“ verbaut wurde. Da kommen wohl etliche Kilometer zusammen. Andererseits muss bedacht werden, dass das Schloss aus dem 16. Jahrhundert stammt und mehrfach umgebaut wurde. „Das älteste Holz stammt aus dem Jahr 1512“, erzählt Robert Arlt.

Doch kehren wir an den Ausgangspunkt der Bauberatung zurück. Vor einigen Wochen haben Mitarbeiter des Bauhofes, um die anderen Handwerker zu entlasten, begonnen, punktuell die Decken zwischen dem ersten und zweiten Obergeschoss zu öffnen.

Gutachter notwendig

Damit wurde die Suche nach weiteren schadhaften Stellen, vom Hausschwamm verursacht, gestartet. Etliche Schäden sind so tatsächlich entdeckt worden. Ein Holzschutzgutachter bewertet diese. Nach seinem Gutachten werde festgelegt, wie weit die Decken noch geöffnet werden müssen, um die Schäden zu beseitigen. Teilweise müssen die Decken bis an die Maurerschwellen geöffnet und repariert und müssen die Balken stückchenweise ausgetauscht werden.

„Auf diese Weise verlieren wir einen Großteil des bereits sanierten Bereiches und müssen dort noch einmal renovieren. Aber die Schäden waren komplett versteckt und konnten im ersten Bauabschnitt der Kita-Sanierung nicht entdeckt werden. Jetzt aber muss der Hausschwamm endgültig beseitigt werden“, stellt Robert Arlt fest. „Mit dem weiteren Öffnen der Decken werden wir ab dem 14. Juni beginnen. Die Arbeiten führen wiederum die Mitarbeiter des Bauhofes aus. Eher könnten sie nicht beginnen, da sie die erste Runde bei der Grünlandpflege in den Dörfern erledigen müssen“, erklärt Bürgermeister Schmidt.

Im zweiten Obergeschoss mussten in weiten Teilen ebenso Balken und Decken erneuert werden. Eine wertvolle polychrome Decke aus dem 18. Jahrhundert war gesichert worden. Sie ist inzwischen wieder angebracht, die neue Decke wird drumherum gebaut. Die wertvolle Decke „hängt“ an einem Balken, der sich etliche Zentimeter wölbt. Der Balken, der auch eine Fachwerkmauer trägt, kann nicht entfernt werden, deshalb wird ein Stahlträger eingezogen und eine neue Fachwerkmauer vor die alte gesetzt. So ist die Statik wieder im rechten Lot, und die wertvolle Decke ist gesichert. Auch wenn die Sanierung der Kita „Schloss Trautenburg“ bautechnisch wie finanziell eine Herausforderung ist, die zusätzlichen „Überraschungen“ die Sanierung zurückwarfen, Handwerker, Planer, Kita-Leiterin und Bürgermeister sind sich einig: Hier entsteht eine wahre Perle.

Aktuell werden die Ausschreibungen für Heizung, Sanitär, Elektrik und den weiteren Innenausbau vorbereitet. Ende Mai werden die Fenster eingesetzt. „Uns sitzt weiter die Zeit im Nacken. Im Juni 2022 muss laut Fördermittelbescheid alles fertig sein“, sagt Bürgermeister Dietmar Schmidt.