Colbitzer Naturfreund sammelt Belege, die mit Eulen zu tun haben, und eröffnete sogar ein kleines Eulenmuseum Herbert Bilang ist vom Vogel der Weisheit fasziniert
Einer sammelt Briefmarken, der andere Postkarten, beim nächsten drängeln sich Gartenzwerge im Vorgarten. Einige Einwohner des Landkreises mit besonders ungewöhnlichen Sammelobjekten werden in dieser Serie vorgestellt. Heute Herbert Bilang aus Colbitz.
Colbitz l Schon wenn man den Weg zum Haus von Herbert Bilang entlanggeht, wird man von etlichen Eulen begrüßt. Dennoch versucht der Sammler, das Aufkommen von Eulen "zum Anfassen" im eigenen Haus in Grenzen zu halten. Auch die Tassen oder die Servietten mit Eulenmotiv werden nur ganz selten aus dem Schrank geholt.
"Diese Eulen sind eigentlich ein schönes Nebenprodukt", erklärt Herbert Bilang. Seit der dritten Klasse befasst sich der gebürtige Altmärker mit der Ornithologie und hatte, als er etwa zwölf Jahre alt war, einen lebenden Steinkauz in der Voliere auf dem Hof. "Mich haben die Vögel der Nacht schon immer fasziniert", so Bilang weiter. Mit zunehmendem Alter hat er alles gesammelt, was mit den Vögeln der Weisheit zu tun hatte, obwohl es gerade zu DDR-Zeiten nicht einfach war, Material über Eulen zu finden.
Deshalb hat er auch Zeitungsausschnitte mit Berichten über die nachtaktiven Vögel gesammelt. Ergebnis sind heute etwa 80 Ordner, in denen die Sammlerschätze schlummern, alles thematisch oder alphabetisch geordnet. "Mit dem intensiven Sammeln habe ich erst in den vergangenen 20 Jahren begonnen, als ich auch Kontakte ins Ausland knüpfen konnte", sagt Herbert Bilang und berichtet von besonders fruchtbringenden Kontakten zu zwei Gleichgesinnten in Baden-Württemberg, einem in der Schweiz und einem in Holland.
Dieser intensive Gedankenaustausch bildet auch immer die Grundlage zum Forschen, das für den Colbitzer im Vordergrund seines Hobbys steht. So hat er mithilfe dieser vier Kontakte in den vergangenen zehn bis zwölf Jahren etwa 5000 Eulenbelege zusammengetragen. Dabei handelt es sich um Briefmarken verschiedener Länder, Flyer, Plakate, Zeitungsartikel, Figuren oder auch Reklame. Interessant sind für Herbert Bilang, der Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Eulen der Bundesrepublik sowie stellvertretender Landesvorsitzender beim NABU Sachsen-Anhalt ist, aber auch Eulen, die sich in der näheren Umgebung befinden. So ist er inzwischen in 22 Ortschaften des Landkreises Börde bei der Suche nach Eulenplastiken fündig geworden.
In seinem "kleinen Eulenbuch" notiert er fein säuberlich seine Beobachtungen, die er teilweise später auch noch einmal nachrecherchiert. "Ich bin mit dem Eulenblick unterwegs", so Bilang, den Dachfirstdekorationen ebenso interessieren wie Straßenbezeichnungen oder jüngst Kürbisfiguren in Eulenform beim Kürbisfest in Bülstringen. Für jeden Hinweis ist er dankbar. "Es hat einen Anfang, aber nie ein Ende", meint der Sammler, der sein Hobby lediglich mithilfe des Alphabets in Grenzen fassen möchte: Eulen als Gestaltungselement von A wie Aschenbecher bis Z wie Zuckerverpackungen, örtlich von Altdorf bis Zwiesel, in Sachsen-Anhalt von Altenbrak bis Zeitz, in der Verarbeitung von Aluminium bis Zierkürbis, thematisch von Architektur bis Zoologie. Ein Fachgebiet dabei ist auch die Heraldik, also Wappenkunde.
So weiß Herbert Bilang, dass es in Deutschland 37 Orte gibt, die eine Eule im Wappen haben, in Sachsen-Anhalt waren es bisher mit Athenstedt, Eilenstedt und Oebisfelde drei.
"Ich fröne dem Hobby des Sammelns nicht nur für mich allein, denn ich habe die Chance, es auch anderen zu vermitteln", sagt Herbert Bilang, der sich auch freut, wenn andere an seinem Hobby teilhaben. Vor etwa drei Jahren hat er mit Unterstützung der Gemeinde Colbitz die Chance bekommen, auf dem Museumshof in Colbitz eine öffentlich zugängliche Dauerausstellung unter dem Titel "Eule und Mensch" einrichten zu können.
"Wenn Harry Potter nicht mehr in ist, dann grab ich ihn wieder aus"
Sammler Herbert Bilang
Wie er selbst sagt, könnte die Ausstellung in dieser Form und Gestaltung möglicherweise einmalig in Deutschland sein. In diesem Jahr zum Heidefest konnte die Schau erweitert werden, so dass noch mehr Eulen in unterschiedlicher Form hier ihren Platz haben. Nur einer der Einträge im Gästebuch, den die Magdeburger Ornithologen bei einem Besuch verfasst haben, lautet: "Das muss ein komischer Kauz sein, der so viele Eulen sein Eigen nennt." Die Rede ist, speziell auf die öffentliche Ausstellung bezogen, von 4500 Figuren und anderen Exponaten rund um die Eule, wie beispielsweise auch Eulenbier, Weihnachtsdekoration oder Bücher über Till Eulenspiegel. "Die Eulenbelege, die ich habe, habe ich nicht gezählt, aber ich schätze, es sind mehr als 20000 aus knapp 150 Ländern", erklärt der Sammler, der keinen Wert auf Vollständigkeit legt. Spaß soll das Hobby bringen. Dennoch kann sich der Ruheständler vorstellen, mit seinem Material auch an anderen Orten Ausstellungen zu verschiedenen Themen zu gestalten.
Beispielsweise schlummern etliche Dokumente rund um Harry Potter in seinem Fundus, die er bisher noch nicht ausstellen konnte. "Wenn Harry Potter nicht mehr in ist, dann grab ich ihn wieder aus", ist sich Herbert Bilang sicher, der auch abschließend betont: "Und wenn jemand zu mir sagt, ¿Du bist ein komischer Kauz\', dann ist das für mich eine Ehre, denn der Kauz ist ein schlauer Vogel."