Sanierung

Im alten Bahnhof Oschersleber Historie bewahrt

Knapp zehn Jahre sind ins Land gegangen, seit die Bewos das Gelände rund um das historische Bahnhofsgebäude gekauft hat. Nochmals fünf Jahre sind ins Land gegangen, ehe die Sanierung starten konnte, die nun beendet ist.

Von Yvonne Heyer 11.07.2021, 18:41
So zeigte sich das Foyer des Oschersleber Bahnhofsgebäudes vor Beginn der Sanierung ...
So zeigte sich das Foyer des Oschersleber Bahnhofsgebäudes vor Beginn der Sanierung ... Fotos: Yvonne Heyer

Oschersleben - Im Jahr 2012 hat die Bewos das Bahnareal gekauft. In einem ersten Schritt wurde seinerzeit das alte Postgebäude saniert, in dem sich heute unter anderem Gästewohnungen befinden.

Thomas Harborth, Geschäftsführer der Bewos, erinnert sich, dass nur wenig später die ersten Diskussionen geführt wurden, wie die Entwicklung des Bahnareals aussehen könnte, was aus dem historischen Bahnhofsgebäude werden soll. Den Oscherslebern wird in Erinnerung geblieben sein, dass das Freibad samt neuer Schwimmhalle auf das Bahnhofsgelände ziehen sollte. Wie die Diskussionen ausgingen, sehen wir heute: Das Freibad hat seinen angestammten Platz an der Breitscheidstraße behalten, die neue Schwimmhalle, gleich neben dem historischen Bahnhofsgebäude , befindet sich im Bau, im Frühjahr des nächsten Jahres könnten die Oschersleber den ersten Kopfsprung in das neue, kühle Nass wagen.

Historischer Bahnhof und Schwimmhalle liegen unmittelbar beieinander. Als die Planungen für die Sanierung des historischen Bahnhofsgebäudes begannen, sahen diese vor, dass die Badegäste durch das alte Bahnhofsgebäude in die neue Schwimmhalle gelangen. Das jedoch ließ sich nicht realisieren.

Konsens mit dem Denkmalschutz finden

Gut sechs Jahre sei geplant worden, ehe die Sanierung des historischen Bahnhofsgebäudes starten konnte. Für das Erdgeschoss wurden Gewerbeeinheiten und Praxen geplant, iim Obergeschoss, in dem sich einst die Bahnhofsverwaltung und Wohnungen befanden, sollte das neue Domizil der Bewos entstehen. Offizieller Sanierungsstart war im Mai 2019

Das Bahnhofsgebäude, 1843 in Betrieb genommen, gehört zu den ältesten Bahnhofsgebäuden in ganz Deutschland und steht damit unter Denkmalschutz.

Alle Sanierungsschritte waren mit den Denkmalschutzbehörden abzustimmen, galt es einen Konsens zu finden. So sind im Obergeschoss die originalen Holzfußböden erhalten oder wurden durch neue Holzdielen ersetzt, wo die Böden nicht erhalten werden konnten. Gleich zu Beginn der Sanierungsarbeiten bekam das Bahnhofsgebäude, welches einst zwei Bahnlinien vereinte, das Glasdach zurück.

Lange Diskussionen wurden um das Foyer geführt. Der Charme der 1960er Jahre sollte mit den verschieden farbigen Kacheln erhalten bleiben. Für die Wandgestaltung war das auch einzusehen, aber nicht für die originalen Metallsäulen, die erst im Nachhinein die Fliesenummantelung bekamen.

Die Metallstützen sind ihren Fliesenmantel los, die Wände des Foyers erstrahlen weiterhin vorwiegend in Himmelblau.

Charme des alten Foyers erhalten

Wer heute das ehemalige Bahnhofsfoyer betritt und das alte Bahnhofsgebäude kennt, fühlt sich schon sehr an alte Zeiten erinnert. Die alten Eingangstüren sind noch da, wie auch die „Schaufenster“, in denen einst die Fahrpläne hingen. Das Gebäude ist barrierefrei und behindertengerecht gestaltet.

Insgesamt 2,7 Millionen Fördermittel sind von Bund und Land geflossen, der Eigenanteil der Bewos liegt bei 1,8 Millionen Euro.

Thomas Harborth spricht angesichts der Kostenexplosionen auf dem Bau hinsichtlich der Bahnhofssanierung von einem guten Timing. „Wir haben Glück gehabt. Sicher ist auch die Bahnhofssanierung etwas teurer geworden als geplant, aber durch frühe Ausschreibungen konnten wir viele Firmen frühzeitig binden und damit eine große Kostensteigerung vermeiden“, so Harborth.

Die Bewos hat Ende Mai/Anfang Juni nicht nur den Umzug aus dem angestammten Domizil in der Wasserrenne gemeistert und die neuen Büros im historischen Bahnhof bezogen. „Mit dem 1. Juli sind alle Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurück. Das macht viele Abstimmungen leichter. Wenn auch im Nachhinein festgestellt werden kann, dass das Homeoffice viele neue Erfahrungen und Entwicklungen aufzeigte. Aber ein Gespräch am Telefon kann niemals das persönliche Gespräch ersetzen, gerade wenn es darum geht, neue Ideen zu entwickeln“, sagt Bewos-Geschäftsführer Thomas Harborth.

Mieter für Imbiss ist gefunden

Der Umzug der Bewos in den historischen Bahnhof vollzog sich zeitgleich mit den neuen Mietern wie Hausärztin, Podologie und Physiotherapie. Zum 1. August ist auch ein Mieter für das Bistro oder Imbiss gefunden. Mitropa darf die gastronomische Einrichtung allerdings nicht heißen, auch wenn es sich die Bewos gewünscht hätte. Der Name ist geschützt.

Aktuell müsse die Ausschilderung im Haus noch nachgearbeitet werden.