Oschersleben l Der Oschersleber Rainer Rose ist in Sachen Betreuung von Flüchtlingen und Asylbewerbern sehr aktiv. Für Ahmad Altameme, Mahmoud Hetezi, Hammam Al Faraj, Ramazan Ali Sebgat, und Hesam Swargatmand ist er ein guter Bekannter, der sich kümmert, wenn es Probleme und Fragen gibt. Der Zufall wollte es, dass sich Rainer Rose und Christian Strümpel, Abteilungsleiter Fußball beim Sportverein Turbine Krottorf, über den Weg liefen und der Fußballer von seinen Sorgen berichtete, den Spielbetrieb mit einer funktionierenden Mannschaft und ausreichend Fußballern abzusichern.

Rainer Rose indes weiß um die Probleme der jungen Männer in den Wohnungen oder in der Oschersleber Gemeinschaftsunterkunft, ihren Tag nach den Deutsch- oder Integrationskursen sinnvoll zu gestalten. Rainer Rose knüpfte die Verbindungen und so kam der Krottorfer Sportverein zu sieben neuen Fußballspielern, wozu auch die Fünf oben im Text genannten Männer gehören. Sie sind die Aktivsten und vor allem geblieben.

Win-Win-Situation

„Für uns alle ist es eine Win-Win-Situation. Wir können unseren Spielbetrieb absichern. Ohne unsere Sportfreunde aus Syrien und Afghanistan hätten wir die Mannschaft abmelden müssen. Andererseits werden die Jungs integriert und lernen vor allem besser Deutsch sprechen. Denn das ist auch eine Bedingung: Beim Training wird deutsch gesprochen“, erklärt Christian Strümpel. „Der Sport ist die beste Integration, die wir machen können“, ist auch Rainer Rose überzeugt. Anfangs stellte er seinen Bus zur Verfügung, damit die Fußballer mittwochs um 18.30 Uhr zum Training nach Krottorf kommen.

Inzwischen gibt es Fahrgemeinschaften auch für die sonntags anstehenden Punktspiele. Über WhatsApp werden die Verabredungen getroffen, natürlich in Deutsch.

Christian Strümpels anfänglichen Befürchtungen, dass es möglicherweise im Ort Probleme oder gar Anfeindungen geben könnte, haben sich zerschlagen. „Krottorf zeigt sich weltoffen. Auch während der Spiele in anderen Orten gab es bislang nie Probleme“, erklärt er.

Nach dem Training wird bei einer Cola oder Wasser noch „gelabert“ und genau das hilft den Asylbewerbern, ein „Alltagsdeutsch“ außerhalb der Integrationskurse zu lernen. Sie alle seien mit der neuen Sprache ein gutes Stück vorangekommen und sie wissen längst, dass es ohne Deutsch kein Vorankommen, keine berufliche Zukunft in Deutschland gibt. Neben den Kursen, die sie alle besuchen, versuchen sie auch über das Internet ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Sport verbindet

Ahmad ist 26 Jahre alt, stammt aus Syrien und ist studierter Architekt. Ehe er aus seiner Heimat fliehen musste, hat er auch in seinem Beruf gearbeitet. „Was ich natürlich auch hier in Deutschland gern tun würde“, sagt er. Mit Frau und Kind ist der 35-jährige Mahmoud aus der bekannten syrischen Stadt Homs nach Oschersleben gekommen. In seiner Heimat war er Verkäufer, hat Kaffee und Schokolade verkauft. Hier in Deutschland würde er gern eine Ausbildung zum Maurer oder Elektriker machen.

Hammam hingegen könnte in den Grundschulen der Region mit zahlreichen Flüchtlingskindern eine große Hilfe sein. Der 27-jährige syrische Grundschullehrer wäre der ideale Dolmetscher oder Pädagogische Mitarbeiter, vorausgesetzt sein Deutsch verbessert sich.

Einen ersten großen Schritt für seine neue berufliche Zukunft hat Ramazan genommen. Der 24-Jährige hat in Afghanistan Abitur gemacht und als Dolmetscher für die ISAF gearbeitet. Als ihm gedroht wurde, flieht er nach Deutschland. „Aber 100 Stunden Deutsch an der Volkshochschule sind zu wenig, da ich aus Afghanistan komme und dieses als sicheres Land eingestuft ist, habe ich keine Chance einen Integrationskurs zu besuchen“, berichtet er im guten Deutsch. Am 1. August konnte er eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei der Avacon beginnen. „Dafür muss ich ganz besonders mein Deutsch verbessern, denn ich habe es in der Ausbildung mit vielen Fachbegriffen zu tun. Egal, ich schaffe das“, meint er zuversichtlich.

Hesam ist ebenso aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Der 20-Jährige absolviert gerade ein Schweißer-Praktikum bei der Firma Peinert in Schermcke. Dieses Praktikum hat ein Projekt ermöglicht, welches gerade an der Rahn-Akademie in Gröningen läuft. Im Rahmen dieses Projektes lernen Asylbewerber Deutsch und haben zugleich die Möglichkeit, in Berufe wie Maler oder Schweißer zu schnuppern. Auch Hesam ist in der Krottorfer Fußballmannschaft „angekommen“, immerhin hat er schon zwei Tore geschossen.

„Sport verbindet“, setzt Christian Strümpel den Schlusspunkt unter eine interessante Gesprächsrunde. Anschließend geht‘s auf den Krottorfer Sportplatz zum Training, der nächste Punktspieltag wartet.