Oschersleben l Das Budget für laufende Aufgaben liegt 2020 bei 18,3 Millionen Euro. 15,2 Millionen Euro davon sind für Investitionen eingeplant. Wie Vinny Zielske als Geschäftsführerin des Trink- und Abwasserverbandes (TAV) Börde mitteilt, hat die Verbandsversammlung den Wirtschaftsplan 2020 vor einigen Tagen beschlossen. Es fehlt allerdings noch die Genehmigung durch die Kommunalaufsicht des Landkreises Börde. Sie ist nötig, weil der TAV einen Kredit über 2,7 Millionen Euro einplant. „Wir hoffen, dass die Genehmigung bis Weihnachten erfolgt“, informiert Vinny Zielske.

Dreileben am zentralen Netz

Für das Geld hat der TAV Börde zahlreiche Projekt geplant. Ein wichtiger Punkt ist der Anschluss von Dreileben an das zentrale Abwassernetz. Er hat 2019 bereits begonnen. Wie Vinny Zielske berichtet, wurde bereits eine Überleitung nach Groß Rodensleben gebaut. Von dort geht das Abwasser über Klein Rodensleben und Domersleben zur Kläranlage nach Wanzleben. Auch die ersten Dreileber Straßen wurden bereits an das zentrale Netz angeschlossen. Alle weiteren Haushalte sollen bis zum Jahr 2024 oder 2025 Stück für Stück folgen. Die Gesamtkosten veranschlagt die Verbandsgeschäftsführerin mit fünf bis sechs Millionen Euro.

Mit Straßenbau Hand in Hand

Darüber hinaus sind zahlreiche Instandhaltungsmaßnahmen geplant. In der Regel beginnen sie, wenn der zuständige Baulastträger ohnehin Straßenarbeiten vornehmen will. Dadurch ergeben sich Synergieeffekte. Alle Beteiligten können sparen, so Zielske. Ein Beispiel dafür sind die jüngst abgeschlossenen Arbeiten in der Oschersleber Friedrichstraße. Die genauen Termine dieser Arbeiten sind häufig nicht ganz fix. Oft sind sie auf Seiten der Kommunen mit Fördermittelanträgen verbunden. Werden die Gelder nicht oder nicht zum erhofften Termin bereitgestellt, kommt es zu Verschiebungen. Wenn Arbeiten dringend zu erledigen sind und kein Partner mitzieht, wird der TAV auch allein aktiv, so Vinny Zielske. In vielen Fällen wird aber gewartet, bis alle Beteiligten bereit sind.

Neue Photovoltaik-Anlage geplant

Ein Projekt, das den TAV Börde über mehrere Jahre hinweg beschäftigen wird, hängt mit dem Thema Klärschlamm zusammen. Wie Vinny Zielske berichtet, wurde die entsprechende Verordnung 2019 erneuert. „Das hat zur Folge, dass wir Klärschlamm nicht mehr landwirtschaftlich ausbringen lassen können“, so die Verbandsgeschäftsführerin. Letztlich werde er verbrannt werden müssen. Doch als Zwischenschritt hat der TAV eine andere Idee: Laut Vinny Zielske ist Klärschlamm ein Rohstoff, der genutzt werden könne. Beispielsweise könne er in Faulbehälter eingebracht werden, um Biogas zu erzeugen.

Kläranlage versorgt sich selbst

„Dafür muss er zunächst etwas getrocknet werden. Das braucht Energie“, erläutert Vinny Zielske. Um keinen Strom einkaufen zu müssen, soll an der Oschersleber Kläranlage eine Photovoltaik-Anlage entstehen. Durch ein Blockheizkraftwerk könnte mithilfe des Biogases ebenfalls Strom erzeugt werden. Im Idealfall kann sich die Kläranlage am Ende selbst mit Energie versorgen und autark arbeiten. „Das wäre unsere Wunschvorstellung“, hält Vinny Zielske fest. Zugleich betont sie, dass es sich bei diesem Vorhaben um einen mehrjährigen Prozess handele.

Erste Erfahrungen hat der TAV Börde schon gemacht. Auf den Dächern der Kläranlage Wanzleben gibt es bereits eine Photovoltaik-Anlage, die dabei hilft, die Stromkosten zu verringern. In Oschersleben sollen die Kollektoren allerdings auf freier Fläche aufgestellt werden, weil unter anderem die Ausrichtung der Gebäudedächer laut Zielske ungünstig ist.

Keine deutliche Veränderung

Eine gute Nachricht zum Abschluss: Bei den Gebühren des Verbandes gibt es keine deutlichen Veränderungen. Trinkwasser wird etwas teurer, Abwasser dagegen günstiger.

„Die Trinkwasserversorgung Magdeburg als unser Vorlieferant hat den Grundpreis angehoben. Das müssen wir leider weitergeben“, sagt Vinny Zielske. Allerdings hätten die Kunden 2019 und 2018 ein Stück weit gespart. Auslöser war ausgerechnet die große Trockenheit. Denn als Reaktion auf den großen Wasserumsatz hat der TAV den Grundpreis pro Monat und Anschluss gesenkt. 2017 lag er bei 9,27 netto, 2018 und 2019 bei 7,27 Euro. Hintergrund ist, dass der TAV Börde keinen Gewinn machen darf. Üblicherweise werden die Gebühren für einen Zeitraum von drei Jahren festgesetzt. Aber: Wenn die Einnahmen höher als geplant sind, müssen die Gebühren entsprechend gesenkt werden. Für den Zeitraum von 2020 bis 2022 soll der Grundpreis bei 9,74 Euro netto liegen. Der Kubikmeter Leitungswasser kostet derzeit 1,16 Euro netto. Ab 2020 werden 1,18 Euro netto fällig.

Pump- und Rechenanlagen modern

Beim Schmutzwasser sinkt die Grundgebühr von 6,82 Euro brutto auf 5,69 Euro brutto je Anschluss und Monat. Die Kosten pro Kubikmeter verringern sich von 2,45 Euro brutto auf 2,07 Euro brutto. Zur Erklärung teilt Vinny Zielske mit: „Wir haben zum Beispiel die Kosten im Energiebereich reduziert, indem wir Pump- und Rechenanlagen in den Klärwerken erneuert haben.“

Zum Verbandsgebiet des TAV gehören Oschersleben, Wanzleben, die Obere Aller, die Westliche Börde und das Sülzetal. Letzteres hat jedoch eigene Abwasser-Gebührensätze. „Das ist historisch gewachsen“, führt Vinny Zielske aus. „Die Sülze ist ein Naturschutzgebiet, deshalb wird das Abwasser nach Schönebeck geleitet.“ Darüber hinaus profitierten die Kunden dort vom großen Wasserverbrauch im Industriegebiet. Der halte die Preise niedrig. So liege die Grundgebühr beim Abwasser aktuell bei 5,01 Euro brutto. Ab dem 1. Januar 2020 sinkt sie auf 4,27. Der Kubikmeterpreis reduziert sich von 2,45 Euro brutto auf 1,92 Euro.