Peseckendorf l In den vergangenen zehn Jahren haben die Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins sich bemüht, die Historie ihren kleinen Heimatdorfes zu bewahren. Und Peseckendorf hat da schon einiges zu bieten. Wer wusste schon vor wenigen Jahren, dass Johannes Thal, der Namensgeber einer Klinik der bekannten Fernsehserie „In aller Freundschaft -  Die jungen Ärzte“ keine fiktive Figur ist, sondern tatsächlich lebte? Der Arzt und Botaniker starb 1583 in Peseckendorf. Heute erinnert eine Gedenktafel am Wasserturm des Schlossparks an den berühmten Mann.

Jüngste Tat des rührigen Heimatvereins: Kürzlich fanden Vereinsmitglieder heraus, dass die Glocke der kleinen Dorfkapelle aus dem Jahr 1591 stammt. Das gleicht einer kleinen Sensation.

Peseckendorf war im Jahr 1707 im wahrsten Sinne des Wortes Ort einer mordsmäßigen Geschichte. Dazu hat Vereinsvorsitzender Mario Engelmann in Kirchen- und Geschichtsbüchern geforscht und heraus gefunden, dass der Ölmüller Johann Grabe die schwangere Magd tötete. Am 8. Juli 1707 kam es zum „hochnothpeinlichen Halßgericht“ in Peseckendorf. Die Geschehnisse vor mehr als 300 Jahren hat Mario Engelmann in einer kleinen Broschüre niedergeschrieben.

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Tag des offenen Denkmals

Zum Tag des offenen Denkmals hatte der Peseckendorfer Kultur- und Heimatverein zum Dorfrundgang eingeladen und eine kleine Ausstellung über die Kapelle und Johannes Thal im Kulturhauses des Dorfes vorbereitet. Im Kulturhaus fand schließlich auch die Feierstunde zum zehnten Geburtstag des Vereins statt. 30 Vereinsmitglieder waren gekommen, Vereinsvorsitzender Mario Engelmann begrüßte zudem Wegbegleiter und Gäste wie Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer, Ortsbürgermeister Jürgen Schlee, den Bürgermeister von Ummendorf, Reinhard Falke, den Leiter des Landesarchives in Wernigerode Jörg Brückner und vom Landesdenkmalamt Halle, die Verantwortliche für Parks Heike Tenzer (vormals Mortell).

Mario Engelmann hielt einen kurzen Rückblick auf die erfolgreichen zehn Jahre des Peseckendorfer Kultur- und Heimatvereins.

Schatzmeisterin Sylvia Frehde berichtete, dass der Verein seit Bestehen mehr als 30.000 Euro „bewegt“ hat, beispielsweise für die Sanierung des Parks und der Sandsteinsäulen des Westtores auf dem Friedhof.

Während der Feierstunde wurde ein Erinnerungsbuch der Luftaufklärer, die für wenige Wochen im Herbst 1937 in Peseckendorf stationiert waren und das die originalen Luftbilder nicht nur des Rittergutes Peseckendorf enthält sondern auch die des Klosterhofes Hadmersleben und der Schlosses Groß Germersleben an Jörg Brückner und damit an das Landesarchiv Wernigerode übergeben. Dort kommt das Buch in die Abteilung der Guts-archive und ist nun Kulturgut des Landes.

Mario Engelmann bedankte sich bei Sylvia Frehde, Heidrun Pätzold, Kirstin Schröder und Volker Niemeyer für ihre stete Einsatzbereitschaft. Zugleich bedankte sich der Verein beim Vereinsvorsitzenden.

Lobende Worte vom Bürgermeister

Bürgermeister Benjamin Kanngießer fand für die Arbeit des Kultur- und Heimatvereins Peseckendorf viele lobende Worte. Ortsbürgermeister Jürgen Schlee überreichte im Namen des Ortschaftsrates eine Uhr, auf der die Jubiläums zahl aufgedruckt ist. Sie wird einen Ehrenplatz im Kulturhaus finden.

Ummendorfs Bürgermeister Reinhard Falke hofft, dass die Vereine weiterhin gut zusammen arbeiten, insbesondere bei der Umsetzung des Projektes „Börde-Perlen-(Rad-)Wandernadel“. Im nächsten Jahr soll es los gehen.

Heike Tenzer drückte ihre Freude über den aktuellen Zustande des Parks aus. Andererseits äußerte sie ihre Sorge zur Wassersituation. Deshalb soll kurzfristig eine Sitzung aller Verantwortlichen zur Lösung des Problems organisiert werden.

In besonderer Mission waren Schmiedemeisters Christian Schreiner und seine Frau Claudia aus Remkersleben nach Peseckendorf gekommen. Das Ehepaar Schreiner überreichte 67 (Schoko-)Taler, denn 67 Taler hatten der Prozess und die Hinrichtung im Jahr 1707 in Peseckendorf gekostet. Der damalige Peseckendorfer Gutsherr und ebenfalls Besitzer von Remkersleben stritt sich lange mit den eigentlich freien Remkersleber Bauern wegen des Geldes. Nun sind die „Schulden beglichen“.

Bei Christian Schreiner ist im Übrigen das schmiedeeiserne Westtor des denkmalgeschützen Friedhofs eingelagert. Der Verein spart aktuell eisern, um das nötige Kleingeld für die Sanierung des Tores aufzubringen.