Hadmersleben l Manche engagieren sich freiwillig in der Feuerwehr, andere geben ehrenamtlich Nachhilfe. Melitta Glötzl sorgt in ihrer Freizeit für Recht und Ordnung. Sie ist Schiedsperson und für zwei Oschersleber Ortsteile zuständig.

Wenn in Hadmersleben oder Peseckendorf der Haussegen schief hängt, dann ist Melitta Glötzl Ansprechperson Nummer 1 für die Anwohner der beiden Ortsteile. Sie ist Schiedsperson und jedem Bürger in den Orten ein Begriff. Viele kennen sie als Frau von der Bibliothek in der Ortsmitte und als Fremdenführerin, doch nebenbei schlichtet sie auch noch Konflikte, die sonst unweigerlich vor Gericht landen würden. „Ja, ich mach meine ehrenamtliche Tätigkeit wirklich gerne“, erzählt sie zwischen den Bücherregalen der kleinen Bibliothek und lacht. Immer sei sie ja schon ein paar Jahre in dieser Position. „Das Amt als Schiedsperson begleite ich mittlerweile seit dem 30. Juni 2003“, erklärt sie und wirkt dabei durchaus stolz. Schon so einige Fälle habe sie glücklicherweise zum Guten wenden können.

Gang zum Gericht ersparen

Glötzl ist eine von zwei Schiedspersonen in Hadmersleben und Peseckendorf. Gemeinsam mit Anette Junghans versucht sie zu helfen, wo sie kann. Sie kommen zum Einsatz, wenn der Gang zum Gericht nicht mehr weit entfernt ist. Gründe für solche Schlichtungen können zum Beispiel Delikte wie Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Hausfriedensbruch sowie Bedrohung und Verletzung des Briefgeheimnisses sein. „Im Prinzip versuchen wir vor allem private Fehden zu schlichten.“ Das könne zum Beispiel ein Streit unter Nachbarn oder ehemaligen Lebenspartnern sein. Ziel sei es letztendlich, die Gerichte bei solchen „kleineren Delikten“ zu entlasten und eine einvernehmliche Lösung zu finden. „Gleichzeitig sind wir auch um einiges billiger als ein Verfahren vor Gericht“, erklärt Glötzl weiter.

Solche Streitigkeiten werden meist an einem neutralen Ort geklärt, dabei handelt es sich meist um die Bibliothek in Hadmersleben. „Ich stelle dann für die beiden Parteien Tische auf, an denen sie sich gegenübersitzen.“ Das dabei ein gewisser Abstand notwenig sei, habe ein Fall in ihrer Amtszeit gezeigt. „Die beiden Parteien wollten sich dabei doch wirklich an die Gurgel gehen“, erinnert sie sich. Letztendlich sei man aber dann doch noch zu einer gütlichen Einigung gekommen. Das ist auch wichtig bei den Schiedsstellen, denn urteilen dürfen Melitta Glötzl und andere Schiedspersonen nicht. „Es wird ein Vergleich erzielt, der beide Parteien zufrieden stellen soll und dann auch 30 Jahre gültig ist. Zumindest was die daraus resultierenden Verpflichtungen angeht.“

Vierte Amtszeit möglich

Wenn es nach Melitta Glötzl geht, dann sollte auch einer vierten Amtszeit nichts im Wege stehen. „Auch wenn dieses Ehrenamt manchmal ganz schön an den Nerven zerrt und anstrengend ist, mache ich es doch ziemlich gerne.“ Deswegen habe sie sich auch wieder auf die Stelle der Schiedsperson beworben, denn ihre Amtszeit endet im November diesen Jahres. „Ich glaube, dass es durchaus von Vorteil für die Stadtverwaltung wäre, wenn ich wieder eingesetzt würde. Immerhin habe ich schon die ganzen kostenintensiven Lehrgänge besucht und ein Raum für die Schiedsstelle existiert mit der Bibliothek ja auch schon.“

Ihre Mitstreiterin Anette Junghans ist sich da noch nicht so sicher. Sie lässt über Glötzl ausrichten, dass sie das Amt aufgeben werde, wenn sich jemand neues bewerben würde. Das ist bis zum 30. September bei der Stadtverwaltung Oschersleben möglich (siehe Infokasten). Bis dahin wollen die beiden Frauen weiterhin für ein angenehmes Leben in Hadmersleben und Peseckendorf sorgen. „Auch wenn wir alle Nachbarn sind, so kann es ja trotzdem mal zu Problemen kommen. Dann sind wir Schiedspersonen da und versuchen zu helfen“, sagt Glötzl abschließend. Natürlich geschehe das alles unter dem Deckmantel der Justiz und vor allem der Verschwiegenheit.