Oschersleben l Die Feuerwehr ist in jeder Kommune Deutschlands fester Bestandteil der Infrastruktur. Oftmals halten Ehrenamtliche in den ländlichen Regionen das Leben am Laufen. Auch in Oschersleben gibt es eine schlagkräftige Truppe, die trotz der Corona-Beschränkungen weiter ihren Dienst verrichtet. Nach mehr als einem halben Jahr ziehen die Männer und Frauen ein erstes Zwischenfazit.

Für die Männer und Frauen der Ortsfeuerwehr ist dieses Jahr alles andere als gewöhnlich. Neben dem regulären Einsatz-Geschäft mussten sich die ehrenamtlichen Retter auch mit den Kontaktbeschränkungen im Zuge der Corona-Krise auseinandersetzen. Das bedeutete den fast endgültigen Stillstand. „Seit Mitte März ruhte bei der Oschersleber Feuerwehr der Ausbildungsdienst. Weder Dienstabende noch Schulungen, Beratungen oder Veranstaltungen fanden statt“, erklärt der Pressesprecher der Feuerwehr Andreas Ehrhardt. Kontakte hätten meist nur über Telefon oder Messenger stattgefunden. „Unsere Einsatzbereitschaft war trotzdem jederzeit gegeben“, versichert der Pressesprecher. Gerade im Bereich der Einsätze können die Oschersleber auf ein sehr breites Spektrum zurückblicken.

Brände

Insgesamt 19 Einsätze unter dem großen Stichwort „Brand“ mussten die Oschersleber bis Ende Juli abarbeiten. Dabei ging es bei einem Großteil der Alarme meistens zu automatischen Brandmeldeanlagen, welche sich auch meist als Fehl­alarmierung erwiesen. Aber es gab auch Brandeinsätze, die sich als durchaus scharf erwiesen. Am 11. Juni wurden die Einsatzkräfte in die Rosa-Luxemburg-Straße gerufen. Kurz nach 1 Uhr hatten Anwohner Brandgeruch im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses wahrgenommen und den Notruf gewählt. Vor Ort stellte sich schnell heraus, dass es sich dabei um angebranntes Essen handelte. Die Mieterin der Wohnung musste mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus gebracht werden.

Unfälle

Insgesamt drei zum Teil schwere Verkehrsunfälle sorgten in der ersten Jahreshälfte für den Einsatz der Feuerwehr Oschersleben. Während zwei Unfälle, einer im Stadtgebiet und einer auf der Bundesstraße 246, relativ glimpflich mit leichten Personenschäden endeten, erforderte der dritte Einsatz das volle Können der Retter. Am 23. Juni waren auf der B246 zwischen Oschersleben und Andersleben ein Kombi und ein hochmotorisierter Sportwagen zusammengestoßen. Den Rettern bot sich ein schreckliches Bild. Auf der gesamten Straße lagen Trümmerteile der beiden Fahrzeuge, welche in den Straßengraben geschleudert waren. Ersthelfer hatten bereits ein Kind aus dem Kombi befreit. Der Fahrer hingegen war schwer eingeklemmt worden. Nach rund 45 Minuten war der Mann aus seinem Wagen befreit, jedoch kam für ihn jede Hilfe zu spät. Er verstarb noch an der Unfallstelle.

Einsätze ohne Happy End

Ebenso ohne Happy End ging am 22. Februar ein Einsatz Im Bruch aus. Hier hatte die Polizei die Feuerwehr angefordert. In einem Schöpfbecken war eine mutmaßlich leblose Person entdeckt worden. Bei der Absuche mit einem Schlauchboot bestätigte sich die Vermutung. Den Rettern blieb nur noch die Bergung der Person. Doch wie gehen die Männer und Frauen der Feuerwehr Oschersleben eigentlich mit solchen Situationen um? „Natürlich gehören auch Schwerverletzte oder verstorbene Personen, wie auch beim Rettungsdienst und der Polizei, bei der Arbeit der Feuerwehr dazu. Jeder Kameradin und jeder Kamerad ist dies stets bewusst und man hat es im Hinterkopf, dass man zu jedem Zeitpunkt mit so einer Situation konfrontiert werden kann“, erklärt Ehrhardt weiter. Im Rahmen der Einsatznachbereitung werde natürlich über das Erlebte und Gesehene geredet, aber auch präventiv spreche man über die Thematik. „Auch während solcher belastenden Einsätze wird von Seiten der Einsatzleitung auf die Reaktionen der eingesetzten Kräfte geachtet. Die Notfallseelsorgeteams leisten hier eine wichtige Arbeit“, so der Feuerwehrmann weiter. Jederzeit könne über die Rettungsleitstelle ein entsprechendes Notfallseelsorgeteam angefordert werden.

Rettungsdienst braucht Hilfe

Ein weiteres Einsatzgebiet, welches immer prägnanter in der Welt der Feuerwehr wird, ist die Amtshilfe für den Rettungsdienst. Immer wieder wird die Feuerwehr Oschersleben zu Einsätzen gerufen, bei denen es gilt, den Rettungsdienst in seiner Arbeit zu unterstützen. In solchen Fällen müssen meist Türen geöffnet werden, hinter denen sich verletzte Personen befinden oder Personen, die nicht mehr aus eigener Kraft den Einsatzkräften öffnen können. Andererseits unterstützt die Feuerwehr auch beim Personentransport zum Rettungswagen. Bei sogenannten Tragehilfen müssen Patienten meist durch enge Treppenhäuser oder unwegsames Gelände transportiert werden. Auch beim Tragen besonders stark übergewichtiger Personen, man spricht hierbei von adipösen Patienten, kommt die Feuerwehr zum Einsatz. Insgesamt 16 Mal mussten Oschersleber in diesem Jahr dem Rettungsdienst schon zur Hilfe eilen.

Kurios und trotzdem ernst

Auf die Frage, ob es denn auch kuriose Einsätze bei der Feuerwehr Oschersleben gibt, hat Pressesprecher Ehrhardt schnell eine Antwort parat: „Als kurios kann man sicherlich einen Einsatz vom 3. Januar bezeichnen. Am Abend forderte das Krankenhaus in Neindorf die Unterstützung der Feuerwehr an. Einem Patienten mussten zwei Metallringe entfernt werden.“ Um was für Ringe es sich handelte und wo sich diese befanden, will Ehrhardt nicht weiter ausführen.

Unwettereinsätze

Auch Unwetter fordern die ehrenamtlichen Kräfte immer wieder. Starke Regenfälle sorgten am 13. Juni für Großalarm in und um Oschersleben. Insgesamt 16 wetterbedingte Einsätze mussten dabei die Oschersleber und umliegende Ortswehren abarbeiten. Ein weiteres Unwetter zog am 15. August mit Starkregen über die Bodestadt. „Glücklicherweise blieb Oschersleben dieses Mal relativ verschont.“ Am Samstagmorgen sei die Berliner Straße kurzfristig überflutet gewesen. „Da lief das Wasser aber selbstständig ab, so dass wir nicht zum Einsatz kamen“, erklärt Ehrhardt. Auch die Unterführung in der Magdeburger Straße sei überflutet gewesen. Daraufhin habe man den Bereitschaftsdienst der Stadt angefordert, welcher sich um das Problem gekümmert habe.

Ausbildung

Wer so viele verschiedene Einsätze abarbeitet, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 89, muss sich auch dementsprechend ausbilden lassen. Deswegen werden regelmäßig Dienstabende bei der Feuerwehr Oschersleben ausgerichtet, jedoch wurden diese Ausbildungen im Rahmen der Corona-Krise stark eingeschränkt. „Wie bereits erwähnt, ruhte unsere Ausbildung seit März“, erklärt Ehrhardt. Am 2. Juni habe man dann wieder die Ausbildungstätigkeiten fortführen können, jedoch in einem stark verminderten Umfeld. „Aktuell dürfen wir nur in Gruppen mit maximal zehn Personen die Ausbildung durchführen.“ Betroffen sind 36 Kräfte der Einsatzabteilung. Dabei werde auf die aktuellen Hygienevorschriften sowie den Mindestabstand geachtet. Die Ausbildung finden jeden Dienstag zeitlich versetzt statt. „Wir können aktuell nur praktische Ausbildungen im Freien durchführen, theoretische Ausbildungen in geschlossenen Räumen sind vorerst nicht machbar.“ Die Jugendfeuerwehr, sie hat immerhin 28 Mitglieder, hat im Bezug auf Ausbildungsdienste weniger Glück. Seit Mitte März dürfen die heranwachsenden Brandschützer keine Ausbildung mehr machen. „Trotzdem stehen unsere Jugendwarte per Telefon in ständigen Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen“, versichert Andreas Ehrhardt.

Wann die komplette Normalität wieder bei der Feuerwehr Oschersleben Einzug hält, ist noch nicht absehbar, jedoch beruhigt trotzdem die Gewissheit dass die Männer und Frauen zu jederzeit bereit stehen um anderen Menschen in Not zu helfen.