Neindorf l Axel Weber ist der ärztliche Leiter, sein Kollege Sebastian Thiel der pflegerische Leiter der Notaufnahme der Bördeklinik Neindorf. Beide drücken im Namen aller Mitarbeiter ihre Enttäuschung, ihre Bestürzung darüber aus, dass mit den Vorwürfen eines Vaters die Notaufnahme insgesamt und damit auch das Personal ins schlechte Licht gerückt wurde.

Die Volksstimme hat am 12. September berichtet, dass der Klein Oschersleber Frank Kranhold mit seiner ein Jahr und drei Monate alten Tochter nach einer Verbrennung an der Hand von der Notaufnahme abgewiesen worden sei mit der Begründung, die Bördeklinik sei keine Kinderklinik.

Erstversorgung vorgenommen

„Wir betonen aber nochmals, dass in unserem Hause eine Erstversorgung der kleinen Patientin vorgenommen worden ist, der diensthabende Arzt sich sofort um den Notfall gekümmert hat. Bundesweit sind Krankenhäuser zur Erstbehandlung verpflichtet und da gibt es auch keine Altersbegrenzung“, erklärt Axel Weber. Es werde bei Ankunft in der Notaufnahme eine Sichtung des Patienten vorgenommen, geschaut, ob der Zustand des Patienten lebensbedrohlich ist. „Je nach Erkrankung und nach der Erstbehandlung sowie Stabilisierung wird entschieden, ob der Patient im Neindorfer Krankenhaus weiter behandelt werden kann, ob die benötigten Fachärzte im Haus angesiedelt sind. So haben wir keinen Neurochirurgen und eben auch keine Kinderärzte“, erklären Axel Weber und Sebastian Thiel.

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„Hat ein Krankenhaus nicht die Fachärzte, ist es verpflichtet, die Patienten ‚weiterzureichen‘. Ansonsten machen sich die Kliniken strafbar. Das wird im Fachjargon auch Übernahmeverschulden genannt“, erläutert Klinik-Chefin Heike Bien. Zum aktuellen Fall sagt sie: „Es gelang nicht, dem verständlicherweise aufgeregten Vater verständlich zu machen, dass unsere Klinik für die stationäre Betreuung von Kleinkindern nicht geeignet ist und wir uns eines sogenannten Übernahmeverschuldens schuldig machen würden“, so die Chefärztin.

„Die Behauptung des Vaters, er habe eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet, lässt die Menschen glauben, in der Klinik sei etwas Böses passiert. Dem ist aber nicht so. Unsere Mitarbeiter haben alles richtig gemacht“, betont die Ärztin.

„Ich arbeite seit 19 Jahren in unterschiedlichen Kliniken, davon lange Zeit auch in einer Notaufnahme. Also dieser Fall und diese Vorwürfe haben uns hier schon sehr betroffen gemacht“, so Weber.

Anfeindungen ausgesetzt

Heike Bien, Axel Weber und auch Sebastian Thiel berichten, dass sich die Mitarbeiter der Notaufnahme Anfeindungen ausgesetzt sehen, über Facebook sehr negativ diskutiert worden sei.

„Ich möchte mich ausdrücklich hinter unsere Mitarbeiter stellen, die einen anspruchsvollen und auch sehr anstrengenden Job sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr machen, erst recht in der Notaufnahme. Die Motivation und Qualifikation unserer Mitarbeiter ist hoch. Es ist leider nicht mehr selbstverständlich, für diese Arbeitszeiten junge Menschen zu begeistern. Umso betroffener macht es uns, wenn wir uns ungerechtfertigter Vorwürfe ausgesetzt sehen“, betont die Chefärztin.

Nach wie vor bietet die Klinik den Eltern ein persönliches Gespräch an.