Internationales Workcamp

Mauerspechte kommen für drei Wochen ans Grenzdenkmal Hötensleben

Etwas unverhofft, doch voller Tatendrang hat der Grenzdenkmalverein Hötensleben die Vorbereitungen für sein diesjähriges Internationales Workcamp aufgenommen. Es wird sich wieder über drei Wochen erstrecken, inhaltlich jedoch etwas kleiner gefahren als üblich.

Von Ronny Schoof 22.07.2021, 11:16
Blick aufs Grenzdenkmal Hötensleben. Die Workcamper werden auf dem Gelände auch wieder baulich tätig.
Blick aufs Grenzdenkmal Hötensleben. Die Workcamper werden auf dem Gelände auch wieder baulich tätig. Archivfoto: Ronny Schoof

Hötensleben - Obwohl man das Programm quantitativ wie auch qualitativ etwas herunterfahren muss, überwiegt beim Grenzdenkmalverein ganz klar die Freude darüber, dass man endlich wieder „Mauerspechte“ – so werden die internationalen Gäste aufgrund ihrer auch baulichen Tätigkeiten an der ehemaligen Grenze im Ort gern liebevoll genannt – in Hötensleben begrüßen darf. „Vor zwei Monaten hat noch niemand so richtig daran geglaubt, dass es möglich sein wird“, sagt Vereinsvorsitzender René Müller, „aber nun steht es fest, in diesem Jahr wird es wieder ein Workcamp in Hötensleben geben.“ Vom 30. Juli bis 22. August werden demnach sieben junge Menschen daran teilnehmen.

Rein europäische Runde

„Vermisst werden die Camper hier natürlich schon länger“, so Müller weiter. „Viele Hötensleber haben schon im letzten Jahr nach unseren Mauerspechten gefragt, doch bekanntermaßen bestand 2020 leider keinerlei Chance auf unser traditionelles Projekt.“ Umso glücklicher und weitgehend unbeschwert nun strebe man der Neuauflage entgegen. Kleiner Wermutstropfen: „In diesem Jahr bleiben wir europäisch. Die sieben Teilnehmer kommen aus Griechenland, Albanien, Spanien, Italien und Deutschland. Es ist wahrscheinlich der Pandemie geschuldet, dass sich aus anderen Teilen der Welt niemand angemeldet hat und somit diesmal keine Teilnehmer aus Übersee dabei sind.“

Auch werde das Camp nach außen hin „nicht ganz so kontaktfreudig ablaufen wie gewohnt“, so Müller. „In Anbetracht der Pandemie ist von unserem Projektpartner ein Hygienekonzept erarbeitet wurden, dass die Risken minimiert.“ So werde zum Beispiel das Hötensleber Dorfgemeinschaftshaus (Rathaus), das wieder als Unterkunft der Camper dient, für alle nicht am Projekt Beteiligten tabu sein. „Aber auf dem Hof des Rathauses oder auf der Wiese dahinter werden gern Gäste empfangen. Niemand ist also ausgeladen“, betont Müller.

Bundestag gestrichen

Im dreiwöchigen Programm, das üblicherweise Ausflüge, Feste und Empfänge beinhaltet, muss der Grenzdenkmalverein einige Streichungen vornehmen. Rene Müller: „Dazu zählt der Besuch im Bundestag, der immer ein Highlight war. Wir werden aber trotzdem ein Wochenende für einen Berlin-Aufenthalt nutzen.“ Die Konzertnacht „Rock am Rathaus“ sei ebenfalls kein Bestandteil der Camp-Aktivitäten, „da diese Veranstaltung erst für 11. September und somit nach dem Workcamp angesetzt ist und es jetzt zu kurzfristig war, das organisatorisch noch nach vorn zu schieben.“

Die Vorfreude steigt dennoch, denn immerhin bleibt im Programm auch vieles hängen, das abwechslungsreiche drei Wochen verspricht. „Nicht zuletzt können wir uns dabei auch auf die bewährten Partner verlassen, die uns unterstützen“, freut sich René Müller. Der Verkehrsgarten Völpke etwa, der die Workcamper mit Fahrrädern ausstatte und sie somit auch etwas mobiler mache. „Wir wollen unter fachkundiger Bergleitung von Wulf Biallas eine Fahrradtour durch die geologische Geschichte der Braunkohle bis hin zum heute prägenden landschaftlichen Bild der Tagebaue unternehmen“, kündigt Müller an. „Auch die Feuerwehr Hötensleben ist wie in allen Jahren ein zuverlässiger Partner. Gleiches gilt für unsere Schützen, die uns wieder einen Wettbewerb um den Camp-Schützenkönig organisieren.“

Fahrradstation soll errichtet werden

Nicht zu vergessen die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, die für die Camper erneut mit einem Geschichtslabor zu den Themen Diktaruren und innerdeutsche Grenze aufwarten wird. „Das wird sich auch wie ein roter Faden durch die drei Wochen ziehen“, so Müller. Das Forschungsmuseum Schöningen (ehemals Paläon) und die Weltkulturerbestadt Quedlinburg sind ebenfalls Ziele, die man mit den Gästen ansteuern will.

„Gearbeitet“, macht Müller deutlich, „wird aber natürlich auch noch.“ Der Bauhof Hötensleben übernehme dabei die Koordination. Vorgesehen ist unter anderem der Aufbau einer Fahrradstation am Grenzdenkmal.

„Schon jetzt bedanken wir uns als Gemeinde und Grenzdenkmalverein bei allen Beteiligten und Helfern“, sagt René Müller und fügt mit Stolz hinzu: „Die Ministerpräsidenten Reiner Haseloff und Stephan Weil übernehmen wieder die Schirmherrschaft über das Workcamp. Mit dieser Ehre sehen wir unsere Arbeit und Mühen hier gewürdigt.“