Oschersleben l Bereits im Mai besuchte Marco Tullner Oschersleben. Seinerzeit war er Gast der Veranstaltung „Zukunft braucht Bildung“, die der CDU-Stadtverband Oschersleben organisiert hatte. In der Gesprächsrunde war viel Kritik am Oschersleber Gymnasium geübt worden. Der Minister hatte damals versprochen, nochmals nach Oschersleben zu kommen, um das Gymnasium zu besuchen. Weil vor allem die Elternschaft auf das Einlösen des Versprechens drängte, gab es am Dienstagvormittag den Ministerbesuch mit Gesprächsrunde.

Schüler, Eltern und auch Lehrer hätten sich wohl gewünscht, dass Marco Tullner nicht nur das Lehrgebäude I, ein Bauhaus-Gebäude, welches in den vergangenen Jahren in mehreren Bauabschnitten für knapp 1,5 Millionen Euro vor allem brandschutztechnisch saniert worden war, in Augenschein nimmt. Natürlich spielt auch am Oschersleber Gymnasium der Lehrermangel eine große Rolle. Wenn aber Schülersprecherin Ha Mi Nguyen sagt, dass Lehrer eher an ihre Schule kommen und bleiben würden, wenn die Attraktivität des Lehrgebäudes II erhöht werden würde. Hier sei es mitunter schwierig, technisch geeignete Räume für Präsentationen zu finden.

Alte Toiletten nerven Schüler und Lehrer

Der Minister hoffe, dass tatsächlich bis 2020 alle Schulen mit einem schnellen Internet versorgt seien. Aber dieses Problem drücke im Lehrgebäude II gar nicht so arg wie ein schlichtweg menschliches: die veralteten Toiletten. Diese brachten auch die Elternvertreter Andreas Bruns, Carsten Hinzpeter, Daniela Sommermeier und Andrea Deutschmann ins Spiel. Größtes Problem seien nicht abschließbare Toilettentüren und eine starke Geruchsbelästigung. „Die Türen werden schon in den nächsten Tagen erneuert“, so Schulleiter Dr. Bernd Malkowski.

Ansonsten habe das Lehrgebäude II in der Bruchstraße nur geringe Chancen in naher Zukunft von grundauf saniert zu werden. Das machte Katrin Arnold vom Fachdienst Gebäudemanagement des Landkreises Börde mehr als deutlich. Der Landkreis schiebe einen Investitionsstau gerade an den Schulen in Millionenhöhe vor sich her. Für das Gymnasium Oschersleben stünden nur Klimageräte für den Serverraum aktuell in der Planung. Dass diese Geräte den Vorrang vor neuen Toiletten haben, sieht vor allem Vater Andreas Bruns kritisch.

Gespräch über Unterrichtsausfall

Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch, die ebenso mit ins Gymnasium gekommen war, wünschte sich trotz der zahlreichen Probleme mehr positives Denken und auch Eigeninitiative. Die möchte sich „Neu-Lehrer" Jan Hausmann im Namen seiner gestandenen Kollegen nicht absprechen lassen. Aber Eigenintiative wie Malern oder das Anbringen einer Pinnwand werden mitunter in öffentlichen Gebäuden eher ausgebremst. Hier wolle man künftig über die Schulleitung in Zusammenarbeit mit dem Landkreis nach neuen Wegen und Möglichkeiten suchen. Natürlich sollte auch das Thema Lehrermangel und Unterrichtsausfall in der Gesprächsrunde eine große Rolle spielen.

Die 750 Oschersleber Gymnasiasten werden aktuell von 52 Stammlehrern unterrichtet. Hinzu kommen Abordnungen von anderen Gymnasien. Diese seien aber nur in einem gewissen Rahmen möglich, da, wie hinlänglich bekannt, überall Lehrermangel herrsche.

Versorgung von 98 Prozent

„In Zeiten des Mangels sind den Abordnungen Grenzen gesetzt, da kann niemand zaubern“, so Malkowski. Das Gymnasium habe eine Unterrichtsversorgung von rund 98 Prozent. „Wenn alle da sind“, betont Schulleiter Bernd Malkowski.

In jüngster Vergangenheit waren schon mal sechs, sieben, acht Lehrer auf einen Schlag krank, hinzu kommt ein Dauerkranker. Vater Andreas Bruns bedrückt die Tatsache, dass seine Tochter seit acht Wochen keinen Biologieunterricht habe, aber Bio im Abitur schreiben möchte. Was passiere, wenn Aufgaben zu lösen seien, die gar nicht Bestandteil des Unterrichts gewesen seien? Die Schüler könnten in diesem Fall Aufgaben auswählen. Wobei Dr. Bernd Malkowski betont, dass dieses Problem so noch nie passiert sei. „Können Sie uns direkt helfen?“, so die Frage von Andreas Bruns an den Minister. Könne er nicht. Auch die Frage von Andrea Deutschmann, ob nicht von zentraler Stelle Hilfe für die Schulen bei längerem Ausfall von Lehrern organisiert werden könne, musste der Minister verneinen.

Mittelfristige Erfolge erwarten

„Wir haben den Lehrermangel selber produziert und nicht genügend ausgebildet. Auch wenn wir 2018 über 1000 Lehrer neu gestellt haben, laufen wir weiterhin auf dünnem Eis. Stellenausschreibungen sind weiterhin das A und O“, erklärte der Minister. Auch wenn die „alten“ Kollegen nicht begeistert seien, würde sich das Arbeiten mit Zulagen, um Anreize zu schaffen, bewähren.

„Wir haben die Zahl der Studienplätze von 550 auf 1200 erhöht. Doch die Wirkungen zeigen sich eben auch erst mittelfristig“, so Tullner. Die Auswahl der Referendare durch die Schulen selbst habe bereits positive Nebeneffekte, die Referendare würden häufiger an den Schulen bleiben.