Oschersleben l Als die Schüler des Oschersleber Gymnasiums am Donnerstag nach fünfwöchiger Zwangspause wieder zum Unterricht gekommen sind, durften sie nicht wie üblich die Schule betreten. Schulleiter Bernd Malkowski steht mit einer Flasche Desinfektionsmittel auf dem Schulhof. „Alle Schüler müssen zuerst ihre Hände desinfizieren“, sagt der Schuldirektor.

Streng ausgemessen

In den vergangen Tagen haben Lehrer und Hausmeister in der Schule alles vorbereitet. Alles sei streng ausgemessen worden. Mindestens 1,50 Meter Abstand gebe es vor, neben und hinter jedem Schüler. Die Abschlussjahrgänge sollen gute Bedingungen vorfinden, um sich bestmöglich auf die Prüfungen vorzubereiten. In jedem Klassenraum werden nur noch fünf bis neun Schüler unterrichtet, sagt Malkowski.

Nase-Mundschutz-Masken bräuchten die Schüler im Schulgebäude nicht zu tragen, wohl aber auf dem Schulweg im öffentlichen Personennahverkehr. Für die Prüfungen wird es Masken für die Schüler geben. Für jeden, der den Wunsch habe, schon jetzt eine Nase-Mundschutzmaske zu tragen, haben die Elternvertreter selbst genähte Masken zur Verfügung gestellt.

Erste Tage nach dem Schulstart

Alles in allem würden sich seine Schüler wieder freuen, in der Schule zu sein. „Die letzten Wochen waren sehr anstrengend für die Mädchen und Jungen. Sie mussten vieles in Heimarbeit selbstständig erarbeiten“, sagt Bernd Malkowski. Oberstes Ziel sei es jetzt, die Schüler auf ihre Abschlussprüfungen vorzubereiten. So werde sich in den kommenden Tagen auf die Prüfungen konzentriert und trainiert, wie man diese bewältigt.

Versammlung mit Abstand

Auf dem Schulhof der Sekundarschule „A.S. Puschkin“ haben sich Neunt- und Zehntklässler mit Abstand versammelt, die meisten ohne, ein paar mit Mundschutz. Die Stimmung war gelöst, fröhlich, irgendwie erleichtert. „Ich bin froh, dass wir die Schüler wieder hier auf ihren Abschluss vorbereiten können“, sagt Schulleiterin Astrid Ribke. Den Schülern geht es ähnlich. Ohne großen Widerstand oder Albernheiten lassen sie sich erklären, dass sie jetzt erst mal alle ihre Hände desinfizieren müssen. Die restlichen Sicherheitsbelehrungen folgen in der Klasse.

In noch nicht mal drei Wochen werden diese Schüler ihren Abschluss machen. Sicher ist: Am 11. Mai wird Deutsch geprüft, danach Englisch und Mathe. Für die Mädchen und Jungen geht es um viel. Es ist das Ende der Schulzeit, die letzte Note ihrer Schulkarriere, die Qualifikation für die Oberstufe.

Aufsicht für die Pausen

Die Schulleiterin hat besondere Vorkehrungen getroffen. Die 60 Schüler der Abschlussklassen werden in zehn Gruppen unterrichtet und auch die dürfen nur gestaffelt in das Gebäude. Zwei Eingänge wurden geöffnet, damit sich die Mädchen und Jungen nach Möglichkeit nicht begegnen. Allein acht Kollegen wurden für die Pausenaufsichten eingeteilt. Bis vor ein paar Tagen hat das Kollegium noch Bänke und Stühle in den Klassenräumen umgeräumt, damit der notwendige Abstand eingehalten werden kann. Auch hier gilt: 1,50 Meter in der Klasse, zwei Meter auf dem Gang.

Großer Respekt für die Lehrer

Auch an der Europaschule würden sich die Schüler an die Abstandsregelung halten. Zwischendurch vergesse immer wieder mal einer den Sicherheitsabstand oder fasse doch eine Türklinke an, sagt Toralf Schröder, stellvertretender Schulleiter an der Europaschule. Viele Schüler kamen mit eigenen Nase-Mundschutz-Masken zum Unterricht. Alle seien aber hochmotiviert und freuten sich, dass es endlich wieder losgehe. In seiner Schule sei zur Vorsorge ein Desinfektionsspender installiert worden.

Der Unterrichtsbeginn wurde auch hier an die Busfahrzeiten des öffentlichen Personennahverkehr angepasst, da der normale Fahrplan erst ab dem 4. Mai aktiv ist.

Ein Stück Normalität

Wenn es auch nur für ein paar Stunden ist: Die Schüler freuen sich über ein bisschen Normalität. Susann Raap, Eltersprecherin am Gymnasium, sieht den Unterrichtsbeginn als Herausforderung für die Schulen. Sie befürworte, dass es mit den Prüfungen voran gehe, danach müsse man aber wieder neu überlegen, wie es weitergeht. Auch die Lehrer, stellt Raap fest, seien derzeit „in einer ganz schwierigen Lage“. Dass sie trotz aller Schwierigkeiten zum Unterrichten kommen, verlange den Schülern großen Respekt ab.

„Wir können froh sein, dass es bei uns derzeit verhältnismäßig wenig Fälle von Covid-19 gibt“, sagt Rapp. Jedoch müsse man genau überlegen, wie und ob es so weitergehen könne, wenn täglich mehrere Tausend Schüler aus der gesamten Börde in den Bussen auf dem Weg zur Schule sind.