Oschersleben l Der Fachkräftemangel zieht sich durch alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, macht also um Gerichte und andere Bereiche der Justiz keinen Bogen. Das sind die Beweggründe für das Oberlandesgericht Naumburg, in die Offensive zu gehen und mehr junge und (etwas) ältere Menschen zum Justizfachwirt auszubilden. „In den letzten Jahren ist nicht so viel ausgebildet worden, jetzt brauchen wir mehr Nachwuchs. Deshalb werden in diesem Jahr, am 1. September 2019, 40 Anwärter ihre Ausbildung beginnen. Im kommenden Jahr werden es 50 sein“, berichten Yvonne Dittmann, am Oberlandesgericht Naumburg Referatsleiterin für den Mittleren Dienst, und Sachbearbeiter Markus Frenzel bei ihrem Besuch im Oschersleber Amtsgericht.

Dafür gab es einen besonderen Grund. Für die zahlreichen neuen Auszubildenden werden Gerichte für die praktische Ausbildung gesucht. Ein Ausbildungsgericht wird künftig auch das Amtsgericht Oschersleben sein.

Hoffnung auf mehr Bewerber

Für Direktor Dietmar Beddies, Geschäftsleiterin Nancy Blauth und Ausbildungsleiterin Katharina Kadlubski ist es eine frohe Botschaft, die Yvonne Dittmann und Markus Frenzel in dieser Woche überbrachten. Zuvor hatten sie sich an mehreren kleineren Gerichten umgeschaut. „Wir erhoffen uns so mehr Bewerber aus der Börde. Bislang wurde vornehmlich im Süden Sachsen-Anhalts ausgebildet oder die Leute wollen dorthin zurück. Dabei gibt es im Harz und in der Börde einen großen Bedarf an Fachleuten in der Justiz. Der Beruf des Justizfachwirtes mit verschiedenen Einsatzmöglichkeiten im Gericht ist nicht so bekannt“, meint Yvonne Dittmann. „Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Wer einen guten Realschulabschluss und ein Praktikum vorweisen kann, hat gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz“, so Frenzel.

„Die ersten zwei Anwärter werden am 1. September ihre praktische Ausbildung am Amtsgericht Oschersleben beginnen. Die theoretische Ausbildung ist in Magdeburg. Mit Katharina Kadlubski haben wir hier im Gericht eine erfahrene Ausbildungsleiterin, die bis dato erfolgreich für die Ausbildung von Rechtspflegern verantwortlich ist“, erklärt Dietmar Beddies. Der Direktor des Amtsgerichtes Oschersleben sieht einerseits die Notwendigkeit, Nachwuchs aus der Region zu gewinnen, aber andererseits ihn auch hier zu halten.

Bewerber dürfen nicht älter als 42 sein

„Und auch das ist neu: Bislang war die theoretische Ausbildung der Justizfachwirte nur in Sachsen möglich. Nun sind Magdeburg und Halle hinzugekommen“, berichtet Markus Frenzel, der einen weiteren Fakt in der Nachwuchsgewinnung ins Spiel bringt: „Im Übrigen haben auch jene Leute gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz, die nicht mehr frisch von der Schule kommen, vielleicht bereits in einem anderen Beruf wie Rechtsanwaltfachangestellte gearbeitet haben. Die Bewerber dürfen nicht älter als 42 Jahre sein. Die Bewerbungsfrist für den Ausbildungsstart am 1. September 2020 endet am 30. November 2019“, so Frenzel.

Bewusst wurden kleinere Gerichte wie das Amtsgericht Oschersleben für die Ausbildung der Justizfachwirte ausgewählt, weil es hier weniger anonym als in großen Justizzentren zugeht, die Auszubildenden sozusagen eine „familiäre“ Atmosphäre vorfinden.