Hadmersleben l Montag, kurz nach 12 Uhr. Mehr als 40 Schüler warten an der Bushaltestelle Magdeburger Tor auf den Schulbus. Nicht alle Kinder bleiben auf dem viel zu schmalen Fußweg stehen. Es wird auf die Straße gelaufen, geschuppt und gedrängelt. Da sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite auch eine Bushaltestelle befindet, geht es mitunter hin und her, werden die Straßenseiten gewechselt. Anwohner haben beobachtet, dass selbst Fußball gespielt wird. Ein besonderer Spaß ist es, sich an den Fußgängerüberweg zu stellen, die Autos stoppen zu lassen, um dann doch nicht die Straße zu überqueren.

Zwischen den Großen warten auch die jüngeren Schüler aus der Grundschule. Die Lehrer, welche die Kinder zum Schulbus begleiten, versuchen schon, sich abseits vom Pulk der Sekundarschüler zu stellen, damit die Kleinen nicht zwischen die Rangeleien der Großen geraten. Schlimm ist es für die ältere Generation, die gerade zur Mittagszeit die gleich um die Ecke liegende Arztpraxis verlassen, um mit dem Bus nach Hause zu fahren. „

Gefährlich für die Kinder

„Das müssen Sie sich anschauen. Was sich hier in der Mittagszeit abspielt, ist gefährlich für die Kinder, für uns Anwohner, für Fußgänger und für die Autofahrer“, meint Anwohnerin Birgit Hüttner. Auch wenn die Schule gerade erst umgezogen ist und sich viele Dinge sicher erst einspielen müssen: Die Hadmersleberin will nicht warten, bis etwas passiert und erst dann gehandelt wird.

Mit Schulstart nach den Oktoberferien ist die Oschersleber Sekundarschule Oberschule V nach Hadmersleben ins Ausweichquartier gezogen. Knapp zwei Jahre sollen Schüler und Lehrer hier bleiben, in der Zwischenzeit wird das Schulgebäude in der Bodestadt einer Generalsanierung unterzogen. Von 203 Sekundarschülern sind 190 Mädchen und Jungen nun Fahrschüler. Und so gehörte zu den umfassenden Umzugsvorbereitungen auch die Neu-Organisation des Schülerverkehrs. Zugleich wurden mithilfe des Landkreises, der Polizei und der Landesverkehrswacht Schulbusbegleiter ausgebildet. Die aber sind, das haben die ersten 14 Tage am neuen Standort gezeigt, mit der Situation völlig überfordert.

Problem erst zum Mittag

Am ersten Schultag nach den Oktoberferien haben sich Polizei und Verkehrswacht die Ankunft der Kinder morgens angeschaut. Sahen hier kein Problem. Problematisch wird es erst zur Mittagszeit, vor allem gegen 12.30 Uhr. Das Gros der Schüler verlässt kurz nach 12 Uhr das Schulgelände, geht zur Bushaltestelle. „Die Anwohner haben uns die Probleme geschildert. Fakt ist aber auch, ich kann eine Begleitung der Schüler zur Bushaltestelle und eine Aufsicht dort nicht gewährleisten. Dafür kann ich keine Lehrer freistellen. Ich habe mir die Situation angeschaut und muss den Anwohnern recht geben“, sagt Schulleiterin Petra Gerloff. Sie wurde von den Bürgern auf eine zweite Bushaltestelle am Amt aufmerksam gemacht. Diese war weder der Schulleitung, noch der Polizei oder der Landesverkehrswacht bekannt. „Wir als Ortschaftsrat haben doch aber darauf gedrungen, dass die Sekundarschüler am Amt ein- und aussteigen. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Grundschüler und auch Patienten des MVZ am Magdeburger Tor sicher in den Bus einsteigen können“, so Ortschaftsrätin Beate Schulze.

Als am Mittwochabend der Ortschaftsrat in Hadmersleben zusammenkommt, haben sich Elternvertreter der Grundschule, Ärzte aus der Arztpraxis und Anwohner zu den Räten gesellt, um sich den Ärger über die entstandene Situation an der Bushaltestelle Magdeburger Tor von der Seele zu reden. An diesem Abend wird auch deutlich gemacht, dass nicht nur mittags die Situation prekär ist. Morgens werden gerade viele Grundschüler mit dem „Eltern-Taxi“ gebracht, zugleich rollen die ersten Patienten des MVZ mit dem Auto an. Die Holzgasse ist eine Sackgasse, am Ende dieser befinden sich die Schulgebäude. Wer in die Straße hinein fährt, muss auf Höhe des Schulgeländes wenden. Das war schon immer so, nur mit dem Unterschied, dass jetzt 200 Schüler mehr, insgesamt knapp 300, in der schmalen Straße unterwegs sind.

„Der Landkreis als Träger der Sekundarschule V und als Träger der Schülerbeförderung hat erstmals durch die Anfrage der Volksstimme Kenntnis von der Situation vor Ort erlangt. Auch hat der Landkreis keine Kenntnis über den Vorschlag des Ortschaftsrates, dass die Sekundarschüler an der Bushaltestelle Amt ein- und aussteigen sollten und nicht an der viel befahrenen Ortsdurchfahrt“, erklärt Monique Michl, Sachgebietsleiterin Schulische Bildung beim Amt für Bildung und Kultur des Landkreises Börde.

Fußwege durch Schüler belegt

Sie hat sich gemeinsam mit einem weiteren Vertreter ihres Amtes, dem stellvertretenden Schulleiter sowie einem Vertreter der Verkehrsgesellschaft am 24. Oktober selbst ein Bild vor Ort gemacht. Es sei die Schülerbewegung nach Ende der sechsten Unterrichtsstunde, die Hauptabfahrt an diesem Wochentag, beobachtet worden. Etwa 60 Schüler hätten sich ca. 10 Minuten vor der regulären Abfahrt der Busse an der besagten Haltestelle eingefunden. Die Fußwege waren durch die wartenden Schüler belegt. Während der Einstiege in die Busse sei es zu Behinderungen des laufenden Straßenverkehrs gekommen. „Die Haltestelle Amt ist dem Landkreis bekannt gewesen, wurde aber nicht in Betracht gezogen, weil es die näher liegende Haltestelle gibt. Um den Weg zur Schule möglichst kurz zu halten, wurde im schulbezogenen Fahrplan lediglich die Haltestelle Magdeburger Tor ausgewiesen“, erklärt Monique Michel.

Der Vorort-Termin am Donnerstag wurde genutzt, um zu Fuß vom Schulgelände zur Haltestelle Amt zu gehen. Dabei wurde geprüft, ob der Weg für die Schüler zumutbar wäre, sie die Busse nach Schulschluss auch erreichen würden und ob der Weg ausreichend beleuchtet ist. „Es wäre machbar, dass die Sekundarschüler die Bushaltestelle am Amt nutzen können. Allerdings bedarf es der Rücksprache mit Oschersleben und Hadmersleben, um zu klären, ob ein Winterdienst auf diesem Weg durchgeführt wird. Dies wäre die zwingende Voraussetzung, um die Haltestelle Amt den Sekundarschülern als offizielle Haltestelle nach Unterrichtsende vorzugeben. Über die Schule werden die Schüler belehrt, nachmittags ausschließlich die Haltestelle Amtshof zu nutzen. Von dieser Regelung erwarten wir uns eine Beruhigung der Verkehrssituation an der Haltestelle Magdeburger Tor“, fasst Monique Michl zusammen.