Gröningen l Bereits Ende Februar war der erste Storch aus seinem Winterquartier nach Gröningen zurückgekehrt. Inzwischen ist auch der zweite eingetroffen. Und beide haben abermals das Nest hoch oben auf dem alten Brauereischornstein in der Reichenstraße bezogen.

Wobei sie sicherlich sehr froh gewesen sind, dass ihre Gröninger Sommerresidenz nicht schon belegt war. Vor zwei Jahren mussten die Adebare ja bei ihrer Ankunft feststellen und fielen deshalb quasi aus allen Wolken, dass sich Nilgänse in ihrem angestammten Nest eingerichtet hatten.

Nilgänse besetzten Stochendomizil

Worüber sich seinerzeit auch menschliche Gröninger Einwohner tierisch geärgert haben. Denn die Sympathiewerte für Störche und für Nilgänse sind in der Bodestadt schon sehr deutlich verteilt. Aber nicht nur hier, sondern fast überall in Deutschland. Nilgänse gelten nun mal als Eindringlinge, während Störche einfach dazugehören und höchst willkommen sind.

Wobei das besagte Gröninger Nilgänse-Paar, das dazumal das eigentliche Storchennest okkupiert hatte, sehr viel lieber als der Ruf der Nilgänse war und auch sofort und ganz freiwillig aus dem Nest ausgezogen ist, als der Nachwuchs soweit war, um mit den Eltern zweihundert Meter weiter ans Bodeufer zu ziehen.

Derweil waren die Störche zwar schon auf dem Schornstein der alten Gröninger Molkerei dabei, sich ein neues Nest zu bauen, sind dann aber schnurstracks auf den Brauerei-Schornstein gewechselt, als sie den Umzug der Nilgänse beobachtet hatten. Mit dem Resultat, dass sie noch problemlos für Nachwuchs gesorgt und einen angenehmen Aufenthalt in Gröningen hatten.

Den wünschen ihnen vor allem die Gröninger Menschen auch für dieses Jahr und gehen fest davon aus, dass schon recht bald die ersten Storchenjungen aus dem Nest schauen. Denn nicht nur, dass das Adebar-Paar verhältnismäßig früh in Gröningen eingetroffen ist, sondern auch, weil manch Gröninger auch schon beobachtet hat, dass die beiden schon fleißig daran arbeiten, Nachwuchs zu bekommen.

Dass das ziemlich früh Ergebnisse bringen wird, davon ist auch der Naturfreund und Hobby-Ornithologe Dennis Hinze aus Neudamm überzeugt. „Die Gröninger Störche gehörten in der Region wieder zu den ersten Rückkehrern und werden wohl schon sehr bald Nachwuchs haben.“

Dass die Gröninger Störche so früh eingetroffen sind, liege laut dem Gröninger Storchenexperten Wolfgang Nicolai daran, dass diese Störche wohl nicht zum ersten Mal nicht in Afrika, sondern eher in Spanien überwintert haben. „Weshalb sie ja keine so lange Rückreise hatten“, hatte Wolfgang Nicolai kurz nach der Ankunft des ersten Gröninger Storches gesagt. Was Dennis Hinze sofort unterschreibt. Er bestätigt außerdem, dass inzwischen in der Westliche Börde weitere Störche angekommen sind und Quartier bezogen haben. Unter anderem jeweils zwei in Wulferstedt und Neuwegersleben.

Hingegen seien in Gunsleben schon zwei Jahre zuvor beide Nester leer geblieben und werden nach dem Stand der Dinge wohl auch in diesem Jahr leer bleiben. Wie auch in Warsleben das von einem Landwirt auf seinem Hof mit großem Aufwand bereitgestellte Nest seit Jahren nicht bewohnt ist.

„Aber es ist durchaus möglich, dass vielleicht demnächst der eine oder andere Storch doch noch in der Westlichen Börde eintrifft“, sagt Dennis Hinze, der nicht zuletzt das Niedermoorgebiet Großes Bruch in der Westlichen Börde als einen Bereich sieht, der Störchen genug Nahrung bietet. „Zwar hat sich hier aufgrund der jüngst sehr trockenen Jahre beim Nahrungsangebot auch einiges geändert, aber die Störche haben sich mittlerweile bei ihrer Nahrungssuche auch umgestellt“, wie Dennis Hinze sagt. So seien zwar Frösche nach wie vor die Leibspeise der Störche, die sich aber auch unter anderem mit Mäusen, Grashüpfern oder Fischen aus den Nebenarmen der Bode zufrieden geben würde

Hobby-Ornithologe beringt Jungstörche

So dass der Hobby-Ornithologe davon ausgeht, dass auch in Zukunft in der Westlichen Börde so mancher Storch sein Sommer-Quartier beziehen und für Nachwuchs sorgen wird. Um den sich Dennis Hinze schon seit vielen Jahren kümmert. Indem er nämlich gemeinsam mit anderen Tierfreunden im Raum Oschersleben, Westliche Börde und Harz die Jungstörche beringt.

„Jungstörche zu beringen, gehört zu den Standardmethoden ornithologischer Forschung in der Welt“, wie nicht nur Dennis Hinze und Wolfgang Nicolai sagen. „Neben dem Zugverhalten und den Zugwegen, die ja bereits weitestgehend erforscht sind, gibt die Beringung auch Aufschluss über das Ansiedlungsmuster der Jungtiere, über ihre Lebenserwartungen, die Ortstreue, die Veränderung des Zugverhaltens und über Todesursachen“, wie es auf den Internetseiten der Profi-Ornithologen und Natürschützer geschrieben steht.