Flüchtlinge

Wie Flüchtlinge aus der Ukraine in Oschersleben Deutsch lernen

Eine Voraussetzung, um in Deutschland arbeiten zu können, ist für Zugewanderte der erfolgreiche Abschluss eines Integrationskurses. Die ersten Ukrainerinnen drücken deshalb jetzt auch in Oschersleben die Schulbank. Warum der Start für dieses Projekt nicht ganz einfach, erklärt Sylvia Wolf.

Von Constanze Arendt-Nowak Aktualisiert: 04.05.2022, 20:53 • 04.05.2022, 16:42
Aufmerksam hören die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Integrationskurs zu, wenn Joachim Sundmacher ihnen die Kniffe der deutschen Sprache anschaulich verdeutlicht. Die Frauen in der ersten Reihe kamen erst kürzlich aus der Ukraine.
Aufmerksam hören die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Integrationskurs zu, wenn Joachim Sundmacher ihnen die Kniffe der deutschen Sprache anschaulich verdeutlicht. Die Frauen in der ersten Reihe kamen erst kürzlich aus der Ukraine. Foto: Constanze Arendt-Nowak

Oschersleben - Wochentäglich ab Mittag drückt derzeit eine Reihe Erwachsener aus verschiedenen Herkunftsländern die Schulbank in der Kreisvolkshochschule (KVHS) in Oschersleben. Sie lernen hier – als Anfänger – Kniffe und Feinheiten der deutschen Sprache, werden aber gleichzeitig auch in die deutsche Kultur eingeführt. „Wie immer Hallo und guten Tag“, begrüßt deshalb Lehrer Joachim Sundmacher die Teilnehmer des Integrationskurses.

Sylvia Wolf verweist als Leiterin der Kreisvolkshochschule Börde auf einen großen Erfahrungsschatz des Personals, wenn es um Sprach- und Integrationskurse für ausländische Frauen und Männer geht. Und dennoch stand da vor einigen Wochen, als die ersten Frauen, Männer und Kinder aus der Ukraine in die Börde kamen, wieder eine große bürokratische Hürde im Raum. Die Nachfragen nach den Integrationskursen waren, so wie Sylvia Wolf sagt, da, aber die Ukrainer mussten erst die Möglichkeit bekommen, die „Zulassung zur Teilnahme an einem Integrationskurs“ zu beantragen. Inzwischen hat das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge dafür eine Lösung gefunden.

Sieben von 20 Teilnehmern kommen aus der Ukraine

Und so sind nun von 20 Teilnehmern des sogenannten Integrationsbasiskurses sieben Frauen ukrainischer Herkunft. Sie lernen neben Frauen und Männern aus Syrien, Afghanistan, Rumänien, Griechenland, Albanien und Kuba. „Es geht quer durch alle Herkunftsländer, unterschiedliche Altersstufen, aber aufgrund der Bildungssysteme in den Herkunftsländern auch durch unterschiedliches Bildungsniveau“, bemerkt Joachim Sundmacher.

Um die später in den Kurs eingestiegenen Ukrainerinnen sofort mitzunehmen, setzte Sundmacher auf viel Wiederholung. Das kam allen zugute, als es nochmals um die Schwierigkeiten bei Singular und Plural, bei den Zeitformen von Verben und um die Artikel der, die, das ging. „Wiederholung zahlt sich aus“, sagt der Lehrer. Gleichzeitig geht es darum auch darum, etwas für das Leben zu lernen. „Wo benutzen wir Pfannen?“, fragt Sundmacher zum Beispiel, nachdem die Kursteilnehmer den Plural von Pfanne gebildet haben. „In der Küche“, klingt es nicht ganz akzentfrei durch den Raum.

Die Ukrainerinnen heben sich dadurch hervor, dass sie zumeist jung sind und einen guten Bildungsstand haben. Das bilde auch das Zuwanderungsschema ab. „Sie sind froh, dass sie Deutsch lernen können, denn sie haben alle in der Ukraine gearbeitet und wollen das auch hier wieder tun“, beschreibt Sylvia Wolf. Aber letztlich sind alle, die bei ihm im Kurs lernen, wie Sundmacher sagt, Erwachsene, die schon einiges erlebt und ihre eigene Geschichte haben.

Sprachkurse werden dem Bildungsniveau angepasst

Und alle müssen, um in Deutschland arbeiten zu können, bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Eine davon ist das erfolgreiche Bestehen eines Sprachkurses. Diese werden an der KVHS auf verschiedenen Niveaustufen angeboten – für Anfänger und Fortgeschrittene sowie als Muttersprachler-Kurs. Wie Joachim Sundmacher erklärt, ist es bei den Anfängerkursen das Ziel, das Niveau des B1-Kurses zu erreichen, das gebraucht wird, um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen und sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu bewerben. Flüchtlinge, die hingegen gehobene Sprachkenntnisse benötigen, wie beispielsweise Ärzte oder diejenigen, die an einer Hochschule studieren möchten, werden in einen sogenannten C-Kurs vermittelt.

„Während der Pandemiezeit haben wir unsere Integrationskurse auch weitergeführt, teilweise aber auf digital umgestellt“, so Sylvia Wolf. Da die Teilnehmer aber einen Anspruch auf Präsenzunterricht hätten, haben sich die Kurszeiten verlängert. Aufgrund eingeschränkter Durchführungsbestimmungen konnten in den Kursen nur weniger Teilnehmer lernen. Dagegen stand der Bedarf, die Sprache zu lernen, der nach wie vor hoch ist.

Insgesamt sechs je 100 Unterrichtsstunden umfassende Sprachmodule müssen die Teilnehmer im Kurs von Joachim Sundmacher büffeln. Am Ende dieser Etappe steht dann der Deutschtest für Zuwanderer – eine Prüfung, die alle bestehen wollen. Auch am Ende des sich anschließenden 100-stündigen Orientierungskurses, in dem der Fokus beispielsweise auf der Geschichte, Politik und Regionen in Deutschland liegt, steht eine Prüfung. Im Schnitt dauert es sechs bis sieben Monate, bis die Teilnehmer alles geschafft haben.

Vor allem Sprachbarriere hindert am Weiterkommen

Sylvia Wolf weiß, dass speziell bei den Ukrainern weniger die Ausbildung ein Manko ist, sondern vielmehr eine Sprachbarriere das Weiterkommen hindert. „Alle Ukrainer, die einen Sprachkurs belegen wollen, können sich an uns wenden, wir helfen auch beim Ausfüllen des Antrags“, fügt sie hinzu. In Wolmirstedt wurde kürzlich ein Kurs eröffnet, in dem nur Ukrainer die deutsche Sprache lernen.