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Wie sich die Stadt Oschersleben in den sozialen Medien präsentiert

Junge Leute informieren sich heute fast ausschließlich per Internet über einen potenziellen neuen Wohn-, Arbeits- oder Reiseort. Doch wie präsentiert sich Oschersleben in den sozialen Medien für die Nutzer? Volksstimme-Volontärin Lena Bellon hat sich auf die Suche begeben.

Von Lena Bellon
In den  sozialen Medien wird Oschersleben hauptsächlich mit dem Mororsport in Verbindung gebracht. Dieser  Instagram-Feed erscheint, wenn man nach #oschersleben sucht.
In den sozialen Medien wird Oschersleben hauptsächlich mit dem Mororsport in Verbindung gebracht. Dieser Instagram-Feed erscheint, wenn man nach #oschersleben sucht. Foto: Screenshot Instagram

Oschersleben - „Diese Stadt ist lebenswert“ vermittelt mir die Internetseite der Stadt Oschersleben gepaart mit Regenbogenfarben direkt auf der Startseite. Die Regenbogenfarben sind mir gleich sympathisch, schließlich stehen sie für Toleranz und Vielfalt. Ob die Stadt für mich lebenswert ist, kann ich für mich als Neuankömmling noch nicht beurteilen, aber bin bereit, mir einen vielfältigen Überblick zu verschaffen. Google, Facebook und Instagram sind hierfür meine ersten Anlaufstellen.

Die Internet-Seite der Stadt ist vielfältig und informiert mich grob über Möglichkeiten, Sehenswürdigkeiten und die Geschichte der Stadt. Auch Reisemöglichkeiten, Wohnmobilstellplätze und einige Gasthäuser werden mir hier vorgestellt und auf einer Karte angezeigt. Von der Internet-Seite wechsel ich auf die Foto-Plattform Instagram.

Schnell merke ich aber, dass ich mir die Stadt am besten mal persönlich anschauen sollte, um zu erfahren, wie es dort wirklich aussieht. Von der Stadt an sich bekomme ich nämlich nicht viel zu sehen, wenn ich auf Instagram unter verschiedenen Hashtags, eine Art Schlagwörter-Sortierung für die virtuelle Suche, nach Eindrücken suche.

Wenn ich den Begriff Oschersleben auf Instagram eingebe, dominiert nämlich nur eine Sache: die Motorsport-Arena. Geschätzt 75 Prozent der rund 45 000 Fotos unter dem Hashtag #oschersleben zeigen Fotos von der Rennstrecke, viele Autos, Motorräder und Events. Die Instagram-Seite der Motorsport Arena hat knapp 11 000 Abonnenten – die Oschersleber sind anscheinend sehr stolz auf ihre Rennstrecke und deren Bekanntheit. Schließlich ist die Oschersleber Motorsport-Arena die nördlichste Rennstrecke Deutschlands und genießt damit einen gewissen Bekanntheitsgrad.

Betrachte ich zum Vergleich die Social-Media-Accounts anderer Städte im Landkreis Börde, fehlt mir in Oschersleben eindeutig der Heimatbezug. Der Hashtag der Stadt wird beispielsweise auch noch von Kosmetik- oder Tattoostudios verwendet, um dort auf ihr Unternehmen aufmerksam zu machen, aber viel von der Stadt und ihren Anwohnern sieht man hier nicht. Persönliche Eindrücke, Lieblingsorte oder Einblicke in Veranstaltungen außerhalb der Rennstrecke fehlen mir hier. Auch die offizielle Instagram-Seite der Stadt zeigt nur sporadisch, was es Neues in Oschersleben gibt oder informiert die Bürger eher einseitig über Veranstaltungen oder Aktionen. Aber wo treffen sich junge Leute? Wo kann ich ein kühles Getränk in schöner Atmosphäre genießen? Ansprechende Orte, einprägsames Stadtbild oder einladende Empfehlungen suche ich hier leider vergebens.

Autos, Autos, Autos

Für Facebook, Instagram, Youtube und Google gilt durchweg: Bei der Suche nach Oschersleben dominiert immer der Motorsport. Nutzer zeigen ihre Autos und Motorräder, filmen und dokumentieren ihren Besuch in der Motorsport- Arena und tauschen sich über Motorsport aus. Auch die angekündigten Veranstaltungen auf Facebook haben ausschließlich eine Verbindung mit der Rennstrecke. Ich ziehe als erstes Zwischenfazit, dass ich mich als Motorsport-Fan sehr hingezogen fühlen würde zu Oschersleben – da ich das allerdings nicht bin, muss ich weitersuchen. Bei meiner Suche nach Sehenswürdigkeiten und persönlichen Eindrücken der Anwohner fällt mir der Wiesenpark Oschersleben ins Auge: Hier präsentieren sich die Besucher ausgelassen, haben Freude an den Tieren und als Neuling der Stadt bekomme ich hier auch direkte Einblicke in den Wiesenpark – es scheint, als hätte ich einen Ort entdeckt, den ich gerne mal besuchen würde. Interessant ist auch ein Instagram-Account, der alte Fotos der Stadt aus dem ersten und zweiten Weltkrieg zeigt: Ansichtskarten vom Bahnhofsgebäude nach der Errichtung 1843 oder Straßenansichten aus dem Jahr 1914 zum Beispiel. „Oschersleben zur Glanzzeit“ ist das Aushängeschild des Accounts, der „vergessene Bilder“ der Stadt zeigt.

Ich löse mich von meiner Lieblingsplattform Instagram und schaue, was Facebook mir von Oschersleben preisgibt. Hauptsächlich finde ich Gruppen für einen persönlichen Austausch unter den Anwohnern: Rat, Hilfe, Verkauf und Diskussionen über aktuelle Geschehnisse sind hier Hauptthema. Die Facebook-Seite der Stadt ist der Instagram-Seite sehr ähnlich – die Informationspflicht erfüllt die Stadt also ausgiebig.

Für Motorsport-Fans bin ich mir sicher, dass die Stadt lebenswert ist – das wird mir auf den verschiedenen Plattformen der sozialen Medien einprägsam vermittelt. Für alle anderen Neulinge der Stadt bleibt es im Internet noch ein kleines Geheimnis, wie lebenswert Oschersleben tatsächlich ist und in welche Ecken der Stadt man sich verlieben könnte. Auch wenn Social Media und Google praktische Helfer sind, um sich über eine Stadt zu informieren: Es geht doch nichts über einen persönlichen Einblick oder Empfehlungen aus erster Hand.