Oschersleben l Von der Seite betrachtet, erinnert das Gerät an einen überdimensionierten Schokokuss. Doch sein Innenleben hat es in sich. Auf einem Stativ wird der 3D-Scanner in ein Zimmer gestellt. Still und leise dreht er sich einmal um die eigenen Achse - und der Raum ist vermessen. Das Ergebnis können Joanna Jopp und Sebastian Reinsch auf einem Tablet kontrollieren.

Die beiden Mitarbeiter des Architekturbüros Krause waren vor Kurzem in der Ritterstraße im Einsatz. Anlass dafür war ein Projekt der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Bewos. Wie Geschäftsführer Thomas Harborth informiert, geht es um zwei historische Wohngebäude, die derzeit leerstehen. Bei der Ritterstraße 6 sei das schon seit Jahrzehnten der Fall, beim Haus mit der Nummer 7 zumindest seit einigen Jahren.

Ende 2019 kaufte die Bewos die beiden Objekte. Jetzt sollen sie einer neuen Nutzung zugeführt werden. Allerdings gibt es dabei ein Problem: Es existieren keine Unterlagen. Damit ist auch die genaue Quadratmeterzahl der Häuser unbekannt. Um das zu ändern, war modernste Technik im Einsatz. Die einzelnen Scans haben Sebastian Reinsch und Joanna Jopp vor Ort miteinander verknüpft. So entstand Stück für Stück ein digitales, dreidimensionales Abbild der Gebäude.

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Verfahren spart viel Zeit

„Wir haben vor einem halben Jahr mit diesem Verfahren angefangen und sind begeistert“, sagte Sebastian Reinsch. Mit zwei Leuten könne man die beiden Häuser so an einem Tag komplett vermessen. Das spare Zeit. Wie Joanna Jopp erklärte, ist die Genauigkeit sehr hoch. Und es gibt einen weiteren Vorteil: Weil der 3D-Scanner ganze Räume erfasst, besteht kein Risiko, aus Versehen ein Detail zu vergessen. Allerdings leiht sich das Architekturbüro den Scanner nur tageweise aus. Die Anschaffung wäre sehr teuer.

Laut Sebastian Reinsch ist es mit einigem Aufwand verbunden, aus den umfangreichen Datenmengen später die gewünschten Pläne zu erstellen. Doch gerade in historischen Gebäuden, wo im Grunde alles krumm und schief ist, spiele das 3D-Verfahren seine Vorteile voll aus.

Wie Thomas Harborth erläuterte, ist das jeweilige Baujahr der denkmalgeschützten Häuser unbekannt. Mit großer Wahrscheinlichkeit stammen sie aus dem 18. Jahrhundert. „Früher standen hier überall Fachwerkhäuser“, erklärte der Bewos-Geschäftsführer mit Blick auf die Oschersleber Innenstadt. Doch durch Schäden im Zweiten Weltkrieg und durch die DDR habe sich das geändert. Teilweise seien solche Gebäude vor der Wende nicht instand gehalten worden. Mitunter hätten sie auch einer gezielten Umgestaltung der Städte weichen müssen. Gerade deshalb sei der Denkmalschutz daran interessiert, die beiden noch vorhandenen Häuser zu erhalten.

Gemeinsame Vermarktung

„Die Gebäude sollen gemeinsam vermarktet werden“, führt Thomas Harborth aus. Dabei gehe es aber nicht mehr um Wohnraum. Stattdessen sei eine gewerbliche Nutzung geplant. Das Erdgeschoss solle dabei barrierefrei sein. Die Zimmer weiter oben könnten als Nebenräume genutzt werden. Die unmittelbare Nähe zur Innenstadt sei ein Pluspunkt - ebenso wie die Nachbarschaft zum Kaufhaus O, das die Bewos ebenfalls sanieren lässt.

Doch bevor Bauarbeiten beginnen, soll mithilfe des jetzt erstellten Aufmaßes ein Interessent gefunden werden. Das biete den Vorteil, dass die genaue Gestaltung Wünsche des künftigen Mieters berücksichtigen könne. So etwas sei sehr sinnvoll, falls zum Beispiel ein Arzt eine Praxis einrichten wolle, informierte Thomas Harborth.

Auf der Rückseite der beiden Häuser gibt es noch einen nachträglich angefügten Anbau. Dieser wird laut dem Bewos-Geschäftsführer abgerissen. Zum einen sei der Sanierungsaufwand zu hoch. Zum anderen wolle die Bewos die Häuser auf ihren Ursprungszustand zurückführen. Im Einklang damit habe die zuständige Denkmalschutzbehörde den Abriss bereits genehmigt.