Aulosen l In zweieinhalb Wochen sind die Einwohner der Verbandsgemeinde Seehausen aufgefordert, einen Nachfolger für Robert Reck zu wählen. Bei welchem der sieben Kandidaten die Wahlberechtigten ihr Kreuz machen, hängt für viele neben Herkunft, Ausbildung, politischen Überzeugungen oder kreativen Ideen für die Region vom ehrenamtlichen Engagement der Bewerber ab.

Insbesondere, was letzteres betrifft, dürfte der Aulosener Rüdiger Kloth gute Karten haben. Die Liste, die der 50-jährige Sohn einer Landwirtsfamilie in allen Facetten des Ehrenamtes vorweisen kann, ist lang. So lang, dass auch für eine Kurzversion der Platz auf dem Wahl-Flyer knapp wird, der den Bürgern an Elbe, Aland und Zehrengraben in diesen Tagen in die Häuser flattert.

Sein Einsatz reicht von Klassikern wie freiwillige Feuerwehr oder Sport- und Heimatverein bis zum Vorsitzenden des Trägervereins der örtlichen Kindertagesstätte „Aland-Zwerge“, die es ohne freie Trägerschaft schon lange nicht mehr geben würde. Was auch belegt, nur eine zahlende Mitgliedschaft ist nicht das Ding, des dreifachen Familienvaters, der seit 31 Jahren verheiratet und seit einem Jahr endlich auch glücklich Opa ist.

Bei vielen Institutionen war er Gründungsmitglied und/oder Mitinitiator besonderer Projekte oft mit überregionaler Bedeutung. Er hat unter anderem Aktien am Wiederaufbau der Windmühle Wanzer, am Bau der Auloser Kegelbahn oder am Errichten der Gedenk- und Begegnungsstätte Stresow unter Regie des Grenzlandmuseums Schnackenburg, wo er Mitglied des Fördervereins ist.

Jüngstes Projekt, an dem er federführend mit vielen Helfern und Sponsoren mitwirkt, ist die Radler-Fähre über den Schulsee zwischen Aulosen und Wanzer, die Fahrradfahrer von der kurvenreichen Landesstraße holen, aber auch einfach nur ein kleiner Höhepunkt für Ausflügler sein soll. Obwohl der gelernte Landmaschinenschlosser, der sich zu DDR-Zeiten vergeblich um eine direkte Zulassung für ein Maschinenbaustudium bemühte, leidenschaftlich gern Motorrad fährt, ist der Radtourismus ein besonderes Steckenpferd. Kloth hat 2013 geholfen, in der Arbeitsgruppe „Radwege“ die Tourismusförderung in der Verbandsgemeinde aus der Taufe zu heben, und die ersten Info-Tafeln zu erstellen. Inzwischen engagiert er sich in der Arbeitsgruppe „Kultur“, die das Thema Tourismus mit „beackert“ und die für Kloth ein Beispiel ist, dass man sich auch ohne Mitgliedsausweis für etwas stark machen kann. Was er übrigens schon beim Kampf gegen die Schließung des Seehäuser Gymnasiums und später beim den Aktivitäten zur Gründung einer Gemeinschaftsschule bewies.

Kommunalpolitische Erfahrung sammelt er, seit er 1994 zum Bürgermeister von Aulosen gewählt wurde. „Eine tolle Zeit“, in der er auch seine neue berufliche Herausforderung bei der Gesellschaft für Nuklear-Service im niedersächsischen Gorleben fand, wo er inzwischen Vorsitzender des Betriebsrates ist. Bis 2012 war er Mitglied im Stendaler Kreistag, konzentriert sich jetzt ehrenamtlich aber neben „seiner“ Kita vor allem auf die Arbeit im Verbandsgemeinderat Seehausen, dem er seit 2014 vorsteht. Der Job verschaffte ihm fraktionsübergreifend Achtung, einen tieferen Einblick in die Arbeit des Verbandsgemeindebürgermeisters und bewog ihn letztlich auch dazu, für den Posten zu kandidieren. Wobei für ihn die Radlerfähre über den Schulsee eine besonders Symbolik bekommt. Denn auch als erster Mann im Rathaus möchte er Brücken bauen – Brücken zwischen Bürgern, Verwaltung und Verbandsgemeinderat.

Als CDU-Mitglied ist er der einzige Bewerber mit Partei-Unterstützung. Obwohl es für ihn letztlich eine Personenwahl ist und Parteipolitik in der Verwaltung und im Rat keine Rolle spielen sollte, bietet ihm die CDU-Mitgliedschaft ein Netzwerk, das bei der täglichen Arbeit im Rathaus behilflich sein kann. Dass er nicht nur Partei-Soldat ist, demonstrierte er, als er 2003 als Bürgermeister zurücktrat, weil der Kampf um den Erhalt des Seehäuser Gymnasiums keine Früchte trug und er von der Landespolitik enttäuscht war.

Als Bürgermeister will er natürlich ein weiteres Ausbluten der Gemeinde verhindern, wobei ihm unter anderem seine besonderes Sicht auf die Kinderbetreuung oder seine Erfahrung als Feuerwehrmann helfen kann. Dass er ein A-14-Befürworter ist, sollte bekannt sein. Auf den ganz großen Aufschwung setzt er dabei nicht. Aber der Nutzen werde auch bei kleineren Impulsen die Nachteile deutlich übertreffen.