Beuster l Wenn die Einwohner der Verbandsgemeinde Seehausen am Sonntag, 13. März, einen neuen Bürgermeister oder  zum ersten Mal vielleicht auch eine Bürgermeisterin wählen, ist Antje Spillner mit 55 Jahren die älteste in der siebenköpfigen Riege. Ein Problem hat die Beusteranerin mit ihrem biologischen Vorsprung nicht. Zumal sie auch in Sachen kommunaler Verwaltung die Dienstälteste ist und damit eine große Portion Erfahrung in die Waagschale legen kann.

Letzteres zeigt sich unter anderem in einem Vierteljahrhundert Bauverwaltung. Zu DDR-Zeiten wirkte die Diplom-Bauingenieurin (FH) in der Bauabteilung der LPG „Wische-Obst", plante landwirtschaftliche Gebäude, Wohnhäuser und Straßen. Nach der Wende half sie in ihrem Heimatort Geestgottberg der Gemeinde beim ersten Flächennutzungsplan, bevor sie im Bauamt Osterburg angestellt wurde. Erst als Sachbearbeiterin, dann als Amtsleiterin. In 20 Jahren, in denen sie zwischenzeitlich auch für das Hauptamt verantwortlich zeichnete, erlebte sie einige  Verwaltungs- sowie Gebietsreformen und arbeitete unter vier Bürgermeistern. Unter dem letzten offenbar mit erheblichem Reibungsverlust. Ihre Kariere in der Biesestadt endete 2014 vor dem Arbeitsgericht –  zu ihren Gunsten.

Dass sie ihre Anteile an der Städtebauentwicklung in Osterburg und an der Verwendung von über 20 Millionen Euro zur Gestaltung des öffentlichen Raums hat, ist unbestritten. Darüber hinaus verhalf sie dem Schlosspark Krumke als einer von 43 Gartentraumanlagen in Sachsen-Anhalt zu neuer Bedeutung. Außerdem ist der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte romantische Nikolausmarkt „ihr Kind“, schaut sie zumindest in der Beziehung etwas wehmütig zurück. Doch die Zeit ist abgehakt. Sie ist auch Profi genug, um künftig mit Osterburg und ihrem Ex-Chef zu kooperieren.

Im vergangenen Jahr fand sie auf der anderen Seite der Elbe in ihrem ureigensten Fachgebiet eine neue berufliche Herausforderung. Das Klima im Wittenberger Rathaus findet sie ebenso gut wie die  effektiv organisierte Verwaltung. Nein, die von Robert Reck organisierte Seehäuser Verwaltungsstruktur würde die Beusteranerin, die seit 35 Jahren verheiratet ist, im Fall ihrer Wahl nicht umkrempeln. Aber die Idee eines Bürgerbüros im Dienst einer offenen Verwaltung findet sie als ein Stück Dienstleistungsservice nachahmenswert. Überhaupt würde Antje Spillner gern mehr Zusammenarbeit mit der brandenburgischen Seite pflegen, die es in einigen Ansätzen ja schon gibt, meinte sie mit Blick auf die Feuerwehr, den Radtourismus, die Solarfährentage und anderes mehr.

Der vergleichbar kurze Weg zur Arbeit lässt Antje Spillner noch genug Freiraum für sportliches Privatleben mit Joggen, Radfahren und ehrenamtliche Aktivitäten. Sie ist Gründungs- und Vorstandsmitglied bei den Deichkiekern, die sich unter anderem die Förderung der örtlichen Kita, der Feuerwehr oder des Dorflebens auf die Flaggen geschrieben haben. Große Erfolge feierte sie zusammen mit ihren Mitstreitern im Förderverein Nikolaus-Kirche Beuster bei der schrittweisen Sanierung des mittlerweile berühmten Gotteshauses, das bekanntlich auch weltlicher Kunst eine große Bühne bietet.

Über die Umgestaltung des Krumker Parkes kam sie zur Gartenakademie Sachsen-Anhalt mit Sitz in Zichtau. Dort gilt ihr Engagement derzeit dem Projekt Umwelt-Bildungsmobil, das in diesen Tagen auch Kitas in der  Verbandsgemeinde anfährt und für das sie auf der Suche nach Sponsoren ist.

Natürlich liegt ihre Stärke in der Bauverwaltung und in den Kontakten, die sie über Jahre geknüpft hat. Was Seehausen früher auch schon mal zu Gute kam, als sie bis 2014 eine Legislatur im Stadtrat saß und den Bauausschuss leitete. In der Zeit wurde zum Beispiel der Postplatz gestaltet, die Klosterschule vor dem Verfall gerettet, Seehausen bekam Mittel aus dem Programm Stadtumbau Ost, die für die Alandstadt eigentlich nicht vorgesehen waren, um nur einiges zu nennen. Aber mit der Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten ist ihr der „Rest" der im Rathaus auflaufenden Aufgaben natürlich auch nicht fremd.

Dass ihr Bürgernähe und Ehrenamt wichtig sind, beweist sie derzeit unermüdlich bei ihren Besuchen in den Orten der Wische und Höhe, am Aland, im Zehrental und der Hansestadt bei Alt und Jung, Feuerwehren und Vereinen. In den Dörfern macht sie deutlich, dass deren Entwicklung ohne das starke Grundzentrum Seehausen gefährdet ist.

Auf ihrer Agenda steht neben Lust auf Heimat und Region, die sie auch ihren beiden Kindern vererbt hat, wirtschaftliche Entwicklung und Erhalt der weichen Standortfaktoren insbesondere der Tourismus, wo sie und ihr Mann seit einigen Jahren auf ihrem offenen Grundstück am Radweg auf dem Deich ein ganz eigenes Förderprogramm aus der Taufe gehoben haben. Sie bieten Vorbeifahrenden vor allem im Sommer ein stilles Örtchen, ab und zu ein Blech Kuchen und Erfrischungen gegen eine Kasse des Vertrauens an der „Karnickelbar" an. Wer will, darf sein Zelt aufschlagen. Tipps für Touren um Umland gehören zum  All-Inclusive-Angebot bei Spillners.