Kirchen-Eingang

"Aktion Mensch“ sagt fast 36 000 Euro zu

Der barrierefreie Zugang für die Seehäuser Petrikirche könnte 2021 Realität werden.

Von Ralf Franke

Seehausen l Vor rund einem Jahr hat die Petri-Gemeinde die Projekt-Idee des Stammtisches „Barrierefreies Seehausen“ aufgegriffen, um das imposante Gotteshaus auch Menschen mit Handicap und eingeschränkter Mobilität über das am meisten genutzte Südportal leichter beziehungsweise selbstständig zugänglich zu machen. Menschen, die vielleicht auch gerne an Gottesdiensten teilnehmen, eins der zahlreichen und oft hochkarätigen Konzerte besuchen oder dem in weiten Teilen sanierten Sakralbau im Rahmen des Projektes „Offene Kirche“ einfach nur aus Interesse für Kultur und Geschichte einen Besuch abstatten würden.

Der Stammtisch unter der Regie von Stadtratsmitglied Willi Hamann beließ es aber nicht nur bei der Anregung, sondern gab seinerzeit auch eine 1000-Euro-Spende an die Kirchengemeinde um Katharina Fischer weiter, die sich inzwischen als wahre Initial­zündung erwiesen hat. Die Glaubensgemeinde bemüht sich für diesen Zweck längst selbst bei allen möglichen kirchlichen und weltlichen Anlässen um Einnahmen durch den Verkauf von Kuchen, den vom Foto-Club gesponserten Kalender oder selbst gebastelten Accessoires aus den Händen kreativer Gemeindeglieder und deren Helfern, um nur einige Beispiele zu nennen.

Zwei finanzielle Zusagen haben dem Projekt jetzt noch im alten Jahr finalen Schwung verliehen, bestätigte Katharina Fischer auf Nachfrage der Volksstimme. Zum einen soll das Vorhaben über den Baulastfond des Kirchenkreises Stendal mit rund 30 Prozent der Kosten bezuschusst werden. Außerdem gab es zum Ende des alten Jahres noch eine Zusage von der „Aktion Mensch“, die ihre Zuschüsse bekanntlich über Lotterie-Einnahmen finanziert und für deren Entscheidungen neben dem ZDF die sechs deutschen Wohlfahrtsverbände verantwortlich zeichnen. Fast 36 000 Euro will die „Aktion Mensch“ beisteuern, freut sich die Kirchenälteste.

Der barrierefreie Zugang hat allerdings auch seinen Preis. In einer ersten Schätzung war von rund 90 000 Euro Kosten die Rede. Da gingen die Verantwortlichen allerdings noch von der Neugestaltung der Treppen ins Kirchenschiff und einer langen Rampe in Richtung Orgelempore aus. Inzwischen läuft alles darauf hinaus, den Eingang von außen tiefer zu legen, neu zu pflastern und so die Stufen in das Gotteshaus ganz verschwinden zu lassen. Allerdings muss bei der Variante auch für die Ableitung des Niederschlagswassers gesorgt werden, das dann verstärkt in Richtung Kirche drängt.

Nach wie vor gehört zum Gesamt-Projekt auch der rollstuhlgerechte Zugang zum Gemeindehaus, wo es bereits eine barrierefreie Toilette gibt. Nicht zu vergessen eine kleine Rampe, die in den höher gelegenen Chorraum führt.

Bei der Stadt als Eigentümerin des Grund und Bodens vor der Kirche ist die neue Gestaltungsvariante schon angekommen und nicht auf Ablehnung gestoßen. Bürgermeister Detlef Neumann schwor die Mitglieder des Stadtrates in der vorletzten Sitzung des Jahres vielmehr darauf ein, dass die Stadt auch einen Obolus für die Barrierefreiheit zusteuern könnte. Ein gewichtiges Wörtchen haben am Ende aber auch Denkmalschützer und Statiker mitzureden, weil der Anbau am Südeingang bis an die wieder zu befestigenden Grundfesten freigelegt werden müsste.

Die neuen Pläne würden die Sache vielleicht sogar etwas preiswerter machen, hofft die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates vorsichtig und vorbehaltlich der endgültigen Planungen und Ausschreibungen. Und so erfreut Katharina Fischer auch über die finanzielle Entwicklung ist, geht sie auch davon aus, dass die Gemeinde wahrscheinlich noch ein paar Spenden sammeln muss.