Osterburg l Noch ist das Wahlprogramm geheim. „Wir brauchen uns damit auf jeden Fall nicht vor den großen Parteien zu verstecken“, ließ Nico Schulz am Mittwochabend im Osterburger „Kanzler“ schon mal durchblicken. Nicht zuvorderst als Bürgermeister der Einheitsgemeinde Osterburg, sondern als Leiter der Programmkommission der Freien Wähler für die Landtagswahl  am 6.  Juni 2021. Und damit einer Partei, der er nach seinem Austritt aus der CDU erst in diesem Jahr beigetreten ist. So wie sein Seehäuser Amtskollege Rüdiger Kloth, der Schulz am Mittwoch gegenüber saß und nach Querelen der CDU eigentlich für sich beschlossen hatte, „keiner Partei mehr beizutreten“. Aber ohne Rückendeckung fehle „eben doch irgendetwas“.

Mitglieder landesweit verdoppelt

Dass Schulz und Kloth dem ersten Osterburger Stammtisch der gerade neu gegründeten Regionalvereinigung Altmark der Freien Wähler unter Vorsitz des Salzwedeler Stadtrats Nils Krümmel beiwohnen, war zu erwarten. Nicht vielleicht, dass der Leiter des Amtes für Landwirtschaft, Flurneurordnung und Forsten, Horst Blum, mit am Tisch saß. Er ist jetzt auch ein Freier Wähler. Indes zeigten der Ortsbürgermeister von Erxleben, Steffen Seifert (parteilos) und Henning von Katte von Lucke, der wie Schulz und Kloth für die Wählergemeinschaft Pro Altmark im Kreistag Stendal sitzt, erstmal „nur“ Interesse. Schulz hatte beide eingeladen, zum Stammtisch zu kommen. Nicht von ungefähr: Die Freien Wähler Sachen-Anhalt haben ihre Mitgliederzahl in diesem Jahr zwar bereits auf 230 verdoppelt. Für das gesetzte Ziel, bei der Kommunalwahl 2021 in jedem der landesweit 41 Wahlkreise einen Direktkandidaten zu stellen, brauche es aber auch ordentlich „Menpower“.

Die Hälfte an Gesetzen reicht

Was wollen die Freien Wähler? Zum Beispiel, dass alles einfacher wird. So löste von Katte von Luckes Bemerkung, „dass wir 50 Prozent der Gesetze streichen könnten und es würde immer noch alles funktionieren“ reihum Kopfnicken aus. Horst Blum sprach davon, „dass die Politik immer noch eins oben drauf setzt“. In Bezug auf Antragsverfahren, die mit Kriterien aufgeladen würden, „die kein Mensch mehr kontrollieren kann“, die nichts tun als die Verwaltungen zu blockieren. Schulz selbst berichtete davon, dass er als Bürgermeister mit Studienabschluss und kommunalpolitischer Erfahrung nicht in der Lage gewesen sei, Osterburg für ein EU-Förderprogramm zu „akkreditieren“. „Das kann‘s nicht sein.“ Laut Nils Krümmel, dessen Stellvertreter Rüdiger Kloth ist, hat nach dem gut dreistündigen Stammtisch eine Person Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet.