Arneburg-Goldbeck l Ein großes Lob spricht der Verbandsgemeinde-Bürgermeister vor allem zwei Medizinern aus, die noch im hohen Alter praktizieren und somit wichtiger Bestandteil der ärztlichen Versorgung in der ländlichen Region sind. Werbens Dr. Rudolf Anton mit 80 Lenzen und Idens Medizinalrat Klaus Pick mit 77 Jahren öffnen noch täglich ihre Praxen – und haben nach eigener Aussage jede Menge Spaß an der wichtigen Aufgabe.

Trotzdem stellt sich auch für diese beiden Ärzte die Frage nach der Nachfolge. Während in Iden Klaus Pick in einer Gemeinschaftspraxis mit Tochter Kerstin Merkel tätig ist, ist Werben nach der Zeit von Rudolf Anton von einem neuen Arzt, der sich an der Elbe niederlässt, abhängig. Laut René Schernikau, der in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) lobt, gibt es einen Interessenten, den die KVSA vermittelte. Jener Mann befinde sich noch in der Ausbildung und müsse vor der Prüfung eine Art Praktikum in einer Klinik absolvieren. Allerdings sei noch nichts in Sack und Tüten. „In der Vergangenheit fanden gemeinsame Gespräche mit einigen Ärzten statt. Jedoch müssen wir auch hier die Entwicklung beobachten, ob eine Ansiedlung gelingt“, teilt die KVSA zu diesem Thema mit.

Seit 42 Jahren im Elbstädtchen tätig

Dr. Rudolf Anton nimmt es gelassen. Der 80-Jährige begrüßt täglich seine Patienten in der an der Behrendorfer Straße gelegenen Praxis in Werben. Seit 1978. „Ich möchte so lange arbeiten, so lange es die Gesundheit zulässt“, betont Anton, der zusammen mit Schwester Manuela Buchholz und seiner Frau Heidi ein eingespieltes Team bildet. 1968, und damit vor 52 Jahren, legte Anton in Magdeburg sein Examen ab. Vor der Öffnung seiner Niederlassung im Elbstädtchen arbeitete er in der Osterburger Poliklinik. Seit 42 Jahren ist er feste Institution in Werben. Und geht es nach seinen Patienten, soll dies noch recht lange so sein. Von Aufhören spricht er nicht. Im Sommer wird sich das Trio jedoch eine kleine Pause genehmigen. Schließlich fordern auch die beiden Enkelkinder ihre Zeit ein, besuchen Oma und Opa gern.

Wie in der Hansestadt Werben sind auch die Idener Patienten dankbar, dass sie in ihrem Ort einen erfahrenen Arzt, in diesem Fall sogar zwei, vorfinden. Medizinalrat Klaus Pick ist seit 1973 vor Ort. Die Rolle als Arzt und demzufolge die Aufgabe, Menschen zu helfen, „das ist sein Leben“, sagt Ehefrau Gerlinde Pick, die sich selbst auf Naturheilkunde spezialisiert hat. Klaus Pick, der in der Region auch für die Betriebsmedizin verantwortlich zeichnet, hat die Nachfolge geregelt. Eine der beiden Töchter, Kerstin Merkel, betreut ebenfalls einen großen Patienten-Stamm aus den umliegenden Dörfern. Der 77-Jährige praktizierte zu DDR-Zeiten sogar für einige Zeit in Nicaragua und Äthiopien. So etwas stand unter dem Zeichen der Entwicklungshilfe.

Insbesondere im Ländlichen gestaltet sich die Suche nach einem Nachfolger schwierig, weiß die Kassenärztliche Vereinigung. „Erst recht vor dem Hintergrund von landesweit 300 freien Hausarztstellen. Das heißt, die wenigen Interessenten können sich aussuchen, wohin sie gehen.“ Dabei seien die Zulassungsmöglichkeiten in anderen Bundesländern noch nicht mal berücksichtigt. „Es werden also dringend Ärzte benötigt.“

In dieser Hinsicht sieht der Verbandsgemeinde-Bürgermeister eine Konstellation als äußerst schwierig an: „Wir konkurrieren bei den niedergelassenen Ärzten mit Stendal“, sagt Schernikau. Die Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck liegt im Planungsbereich „Mittelbereich Stendal“. Die vorgegebene Zahl beispielsweise an Zulassungsmöglichkeiten von Hausärzten (8,5) ist in diesem Bereich festgelegt. Fällt beispielsweise eine Praxis in der Verbandsgemeinde weg, kann dies mit einer Neueröffnung einer Praxis in Stendal kompensiert werden - die Quote bleibt bestehen. Allerdings bleiben die Einwohner in der ländlichen Verbandsgemeinde auf der Strecke.

Schließt ein Allgemeinarzt seine Pforte, sollten die Patienten auf die umliegenden Praxen verteilt werden. So die Praxis. In der Theorie sei dies „nicht immer möglich, da bereits viele Praxen am Kapazitätslimit arbeiten“, weiß die KVSA. Eine wohnortnahe Versorgung ist das Ziel, das auch definiert ist: „Um den Begriff der wohnortnahen hausärztlichen Versorgung besser eingrenzen zu können, kann die Bedarfsplanungsrichtlinie herangezogen werden. In dieser wird bei der Feststellung eines zusätzlichen lokalen Versorgungsbedarfs darauf abgestellt, ob 95 Prozent der Einwohner einer Region den nächsten Hausarzt in einer Pkw-Fahrzeit von weniger als 20 Minuten erreichen können.“

Das wiederum setzt voraus, dass Patienten im Besitz eines motorisierten Gefährts sind beziehungsweise die Möglichkeit haben, in einem Auto zum Arzt zu gelangen.

Sprechstunden einmal wöchentlich in Goldbeck

Senioren sind oft auf den Öffentlichen Personennahverkehr angewiesen. Ein Ort, der beispielsweise sehr gut an Osterburg und Stendal angebunden ist, ist Goldbeck. Per Zug sind es nur wenige Minuten in beide Städte. Aber auch die Goldbecker sind froh, dass ihre Praxis zumindest einen Tag in der Woche geöffnet hat: Dr. Tanja Matz bietet jeden Montag Sprechstunden an. Ihr Hauptsitz befindet sich in Osterburg an der Ballerstedter Straße. Ähnlich verhält es sich in Rochau. Dr. Ecaterina Furdui weiß, dass „die Leute sehr froh und dankbar sind“. Dienstagnachmittag ist der Warteraum ihrer Praxis gefüllt. Die Allgemeinärztin praktiziert ansonsten in Osterburg. Die Situation in Arneburg ist nicht angespannt. Hier teilen sich zwei Frauen die Patienten: Dipl-Med. Siegrid Danker und Christiane Müller sind in der Elbestadt mit ihren Niederlassungen tätig. Wobei Müller am Mittwochnachmittag auch noch in Rochau praktiziert.