Arneburg l Das waren noch Zeiten. Zum Essen verteilten die Lehrer in der Unterrichtspause für jeden ein trockenes Brötchen. Wenn eines überblieb, weil ein Schüler nicht da war, ging es nach dem Alphabet. „Wir wussten genau, wann wir dran waren und ausnahmsweise zwei Brötchen bekamen.“ So erinnert sich Regina Huchthausen (82), geborene Pohl. Die Mädchennamen sind wichtig bei Klassen- beziehungsweise Jahrgangstreffen. Zumal, wenn das Abschlusszeugnis wie in hiesigem Fall bereits vor 67 Jahren erteilt wurde. 1951 verließen 63 Mädchen und Jungen – wie damals üblich – nach acht Jahren die Schule. Jenes Backsteingebäude, in dem heute die Grundschule Arneburg untergebracht ist. 63 Schüler in der 8a und der 8b, wobei rund ein Drittel Flüchtlinge waren. So wie Regina Huchthausen, die aus Schlesien nach Arneburg kam und nach Phasen in anderen Klassen schließlich in besagter Truppe landete.

Regina Huchthausen aus Arneburg hat das Treffen gemeinsam mit Gerda Zierau aus Magdeburg organisiert. Vorher taten es andere, der Jahrgang traf sich schon öfter. Das erste Mal 1991 nach 40 Jahren. „Da mussten wir uns erstmal alle wieder kennenlernen. Vorher war es aber gar nicht möglich, da auch welche im Westen wohnten“, so Regina Huchthausen. 2001 beim 50-Jährigen zogen die einstigen Mitschüler ihr Treffen richtig groß auf, erteilten sich sogar Unterricht in ihren früheren Klassenräumen. Mit chemischen Formeln und allem Pipapo – fast wie damals Lehrer Dörge oder Pflaumbaum. Seit 2001 trafen sich die Schüler alle drei Jahre, erkundeten auch gemeinsam die Umgebung, Jerichow etwa, Havelberg oder Tangermünde. Arneburg aber bleibt Arneburg. Auch für Gerhild Ollmann, die in Stendal ihr Abitur machte, in Berlin Chemie studierte und dort blieb. „Aber ich bin auch mit meinen fünf Geschwistern einmal im Jahr hier. An der Elbe ist es wunderschön. Da merkt man doch, was einem fehlt. In der Kindheit hat man das ja gar nicht richtig gewürdigt“, so Gerhild Ollmann, die betont, dass beim Klassentreffen nicht großartig über den Tod gesprochen wird. Auch wenn schon viele Mitschüler gestorben oder „verschütt gegangen“ sind. Wird es wirklich das letzte Klassentreffen gewesen sein? „Wir schauen mal, wie es uns in zwei Jahren geht“, sagte Regina Huchthausen. Und lachte.

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