Gladigau l Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr war am Sonnabend Backtag in Gladigau. Am Vortag war der Ofen vorgeheizt worden. Um die nötige Glut und Hitze zu erzeugen wird ausschließlich Reisig verwendet und zwar vorzugsweise von Obstgehölzen, kein Kiengeäst, des guten Geschmacks der Brote und Kuchen wegen, erklärte „Bäckergeselle“ Norbert Lazay gegenüber der Volksstimme.

Am Sonnabendvormittag lagen dann 39 noch rohe Laibe mit je 1000 Gramm Gewicht auf den Brettern, und als die Hefe im Teig ihren Gärungsprozess abgeschlossen, der Ofen die richtige Temperatur hatte, wurden sie für 55 Minuten in den Ofen geschoben. Davor konnten einige Blechkuchen abgebacken werden, die von Gladigauerinnen gebracht worden waren. Das hat sich seit 24 Jahren eingespielt; so lange ist das Backhaus wieder in Betrieb. Im kommenden Jahr könnte also ein kleines Jubiläum gefeiert werden.

„Das Backhaus stammt aus dem Jahr 1796“, blickte Pfarrer und Hobbyhistoriker Lazay in dessen Geschichte zurück. „Es stand eigentlich auf dem Nachbargrundstück, und wir haben es geschenkt bekommen. Es wurde an seinem jetzigen Standort mit Hilfe ausschließlich Gladigauer Firmen aufgebaut. Vor zwei Jahren haben wir erfahren, dass zentimetergenau an dieser Stelle schon einmal ein Backhaus stand. Wir hatten uns damals rechtzeitig um Fördermöglichkeiten gekümmert und so ein Gebäude errichten können, das für ein altmärkisches Dorf typisch war.“ Interessant dürfte auch sein, dass für das Dach Ziegel vom Kirchendach verwendet wurden, das 1991 umgedeckt worden war und von dem man 3000 Steine zurückgelegt hatte.

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Während die Laibe im Ofen braun und knusprig wurden, gönnten sich Norbert Lazay und sein Backpartner Heinz-Jürgen Rohbeck eine Pause bei kühlem Bier, und der Pfarrer öffnete dazu eine wohlgefüllte Zigarrenkiste. „Wie nach altem Brauch auf dem Lande gebacken wird, das betrifft sowohl die Teigrezeptur als auch die Verwendung von Busch als Feuerungsmaterial, hatte uns, das heißt mir und Zimmerermeister Heinz-Jürgen Rohbeck, der maßgeblich an den Arbeiten am Backhaus beteiligt war, Mühlenbäckermeister Walter Schulz beigebracht“, erzählte Lazay und fügte an: „Als nach der Premiere 1992 alles gut lief, und die Dorfbewohner uns die fertigen Brote fast noch heiß aus den Händen rissen, wurden wir beide scherzhaft zu Gesellen erklärt.“ Dazu Rohbeck schmunzelnd: „Wenn ich schon mit gebaut habe, wollte ich auch mit backen.“

Es war dieses Mal wie sonst auch: Gegen 12 Uhr waren die Brote aus dem Ofen, und schon eine halbe Stunde später waren sie alle. Viele seien vorbestellt gewesen und manch einer hätte gleich mehrere gekauft. „Unsere Brote bleiben lange frisch“, sagte Rohbeck. „Bei richtiger Aufbewahrung können sie schon eine Woche liegen.“ Die Einnahmen kommen dem Gladigauer Posaunenchor zugute.