Meseberg l Im Herbst hat er es bemerkt. Winfried Mitsching (77) fährt öfter an seine kleine umzäunte Schonung im Dreieck Meseberg, Calberwisch, Osterburg. Auf seinem Hektar Land wachsen Eichen, Buchen, auch Wildobstbäume, allesamt rund 25 Jahre alt. Überschwemmung und Trockenheit haben dem Meseberger schon etliche Bäume gekostet, es müsste eigentlich in Größenordnungen nachgepflanzt werden. Und nun kommt auch noch der Biber ins Spiel. Er hat sich „hier sehr gütlich getan“, was deutlich zu sehen ist. Die Schonung ist unten licht, überall stehen die Stümpfe. „Weil das Holz grau wird, sieht man sie gar nicht mehr so gut, aber hier waren viel mehr Bäume.“

Dass der Biber bei ihm wütet, sah Mitsching auch an den Schleifspuren im Gras. „Wahnsinn, was der für eine Kraft hat.“ Der Nager zog die Stämme zum „Pumpenteich“ nebenan, wo mehrere Biberburgen zu erkennen sind. Zum ersten Mal sah Mitsching in dieser Woche auch einen der Biber selbst. Er zog still übers Wasser, neben ihm das schöne Schwanenpaar. Ein herrliches Fleckchen Erde, aber auch dort hat der Biber „sich gütlich getan“. Ringsherum liegen gefällte Bäume, stattliche Eichen sind angenagt, in vielen Fällen ist die Rinde so durchtrennt, dass das Baumsterben nur eine Frage der Zeit ist. Winfried Mitsching macht das traurig. Es sei ja schön und gut, wenn die Biber geschützt sind, „aber wer schützt diese ganzen Bäume hier?“. Irgendwie passe das nicht.

In seiner Not hatte sich Mitsching, der 2003 von Berlin nach Meseberg gezogen war, an das Biosphärenreservat Mittelelbe gewandt. Tatsächlich wurde ihm geholfen, obwohl es sich die Schonung betreffend um Schäden privater Natur handelt, „das war von uns ein Entgegenkommen“, sagt Philipp Ritzmann, Gebietsleiter des Bereichs Nord. Die Hilfe bestand und besteht immer noch in einem Elektrozaun, der erst nur teils und schließlich – nach Kurzschluss durch einen gefällten Baum – ganz um die Schonung gezogen wurde. Nun ist darin Ruhe. „Aber draußen geht‘s ja weiter“, sagt Mitsching. Der „Pumpenteich“, der gerne zur Naherholung genutzt wird, verliert seine Schatten spendenden Bäume. „Und das in Zeiten des Klimawandels, wo wir alle Bäume pflanzen sollen.“

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Warum können die Biber nicht gefangen und woanders ausgesetzt werden? So fragt Mitsching. „Das wäre nur eine Verlagerung des Problems“, sagt Ritzmann, der dafür plädiert, das Ganze weiter von oben zu betrachten. „1913 gab es noch 200 Elbebiber, 187 davon auf dem heutigen Territorium von Sachsen-Anhalt.“ Nunmehr sei sein Bestand, bezogen auf Sachsen-Anhalt, auch dank vieler Schutzmaßnahmen auf rund 3000 Tiere angewachsen. „Der Biber ist nicht mehr nur an der Elbe, sondern auch in die Gräbensysteme gezogen.“

Wenn der Mensch die Artenvielfalt erhalten und fördern möchte, werde er nicht umhin kommen, den Arten hier und da auch Platz einzuräumen. Im Sinne von Flora und Fauna richte der Biber mit seinen Fällungen auch keinen Schaden an. „Er schafft neue Ökosysteme, natürliche Dynamiken, von denen andere Tiere profitieren. Der Biber ist ein toller Landschaftsgestalter. Natürlich auf lange Sicht.“ Ein gefällter Baum sei immer auch Boden für neue Bäume. „Den Konflikt sehen wir natürlich trotzdem.“ Aber er werde sich nicht potenzieren. Es gebe eine innerartliche Konkurrenz unter den Bibern – Reviere. Eines ist nun nahe Meseberg, was Winfried Mitsching zu schaffen macht. Er wird weiterhin regelmäßig zur Schonung fahren. Zum Aufforsten mit kleinen Setzlingen.